Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laang)

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Heiliggeist
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Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laang)

#1 Beitrag von Heiliggeist » 23. Mär 2019 01:44

Ein Manifest an alle, die sich fragen, warum man mehr als 300 Kubik nicht braucht - hier mein Bericht vom ersten Tag mit der X 300 (zum Vorlauf meines Erwerbs vgl. diesen Thread: viewtopic.php?f=20&t=17160). Und zur Frage, warum ich mich nach der Übergabe sofort in sie verliebt habe:

Tja, heute kurzentschlossen beim Händler angerufen und durchgegeben, dass ich das Moped, das eigentlich für die Abholung morgen vorgesehen war, heute Mittag abholen werde. Das Wetter ist schön, die Arbeit doof und das Überstundenkonto voll -was liegt da näher, als die Zeit bis zum Sonnenuntergang um sieben, wenn die Gattin nach Hause kommt, für einen Kurztrip ins Münsterland zu nutzen?

Also: Ruhrgebiet am Freitag Mittag, 18 Grad, die Frisur sitzt auch ohne Drei - Wetter - Taft - und ich stehe mittags um drei neben der X 300 mit wirklich null Kilometern auf der Uhr, die MEINEN Namen im Fahrzeugschein trägt. Die Probefahrt habe ich mit einem Vorführer gemacht, weil "meine" im Verkaufsraum stand und sie sie nicht rausschieben wollten. Der Start war ambitioniert: der Laden kennt mich seit 1000 Jahren, aber die Einweisung hat die Werkstatt gemacht und die offensichtlich neue Kraft dort hat das Kawasaki "Das-muss-jedem-Kunden-auch-wenn-er-schon-mal-Motorrad-gefahren-ist-unbedingt-erklärt-werden" - Programm professionell abgespult. Ich habe ihn gelassen, man muss ja auch an Kunden denken, die nicht schon zig Jahre eine 250er Elli gefahren sind. Wenn ich den Werkstattgesellen jetzt mit meinem vermeintlichen Wissen frustriert hätte, dann läuft er Gefahr, beim nächsten mal nur die Hälfte zu erzählen. Und dann gehen wichtige Informationen vielleicht verloren.
Während er also doziert, laufe ich zum ersten mal um mein Moped rum und denke: Mensch, ist doch irgendwie doof, dass jetzt Deine 5000 Euro wech sind, wenn Du Dich damit auf die Fresse legst. Da waren die 250 Selbstbeteiligung bei der Probefahrt billiger. Aber solche Gedanken verdrängt man besser schnell, sitzt auf und schreit einmal laut "Yeehaaa", bevor man den Helm überzieht und den Anlasser betätigt.

Der ist eine Enttäuschung. 300 Kubik sind halt nur 300 Kubik, und sie springt auch sofort an. Aber das Geräusch macht nix her an der Eisdiele, Hubraum und Abgasnorm sind halt durch nichts zu ersetzen. Unspektakulär wie ein Toyota Corolla ist die kleine Versys, wenn man die zwei Zylinder zum ersten Mal mit Gemisch befüllt und Feuer gibt. Doch für die Eisdiele ist sie ja nicht gekauft, und für den täglichen Weg zur Arbeit ist man mit einem Toyota Corolla allemal besser bedient als mit einem Ferrari. Um das ganze Ausmaß des ausbleibenden Spektakels an einer Kleinigkeit zu umschreiben: der Scottoiler, den ich von ihrer Vorgängerin übernommen habe, geht kurz an und sofort wieder aus. Ist klar, der ist noch geeicht auf den Einzylinder der Honda, in dem er zuvor verbaut war und erwartet für den "Leerlauf" eben auch das Schütteln und Rütteln, das von einem Zylinder ausgeht. Diese 300er Versys läuft aber auch mit 0 Kilometern auf der Uhr so ruhig, dass der Vibrationssensor des Scottoiler glaubt, sie wäre aus.

"Ham wa gleich, der ist nur noch nicht kalibriert, Tschuldigung", erkennt der Geselle meinen kritischen Blick auf das Zombie - Display und kalibriert den Scottoiler neu. Für 250 Euro Einbaukosten hätte man das ja auch schon mal früher in Angriff nehmen können. Aber sie haben es immerhin gemerkt, und deshalb will ich Nachsichtig sein.

Die ersten fünf Kilometer sind - Scheisse. Aber mein Fehler, ohne Frage. Weil ich sowieso gerade im "Hau-Raus-die-Kohle" - Modus war, habe ich bei Polo im Supperschnappwinterschlussverkauf neue Stiefel gekauft. Neue Stiefel - neues Motorrad mit ungewohnter Rasten- und Schalthebeldimension: keine gute Idee. Denn das Getriebe hat halt auch bisher keinerlei Gangwechsel mitmachen müssen, das alles muss sich erst noch finden, und wenn man dann Schuhe hat, die man nicht kennt, kann das eigentlich nichts geben. Für ein neues Getriebe braucht man einen linken Fuß, der weiss, was er machen soll. Doch wenn das Leder am Schuh so neu ist, wie es steif ist, dann kämpft man an zwei Fronten: mit der ungewohnten Schaltkulisse und dem ungewohnten Schuhwerk. Motorradfahren ist nicht nur die Beherrschung des Materials, es ist die Kunst, mit der Maschine eine Einheit zu bilden. Aber das sind wir auf den ersten 5 Kilometern nicht. Ich bin anfangs über den zweiten Gang kaum rausgekommen, weil ich nicht wusste, wie ich mit diesen 800 Gramm an meinem linken Bein denn nun adäquat schalten soll. Merken: beim nächsten Mopedkauf undbedingt zur Übergabe die ausgelatschtesten Schluffen mitnehmen, dann klappts auch mit dem neuen Getriebe. Bei der Probefahrt hatte ich Gamaschen an, die schon dort waren, wo die Zahnbürste gar nicht hinkommen will.

Also den nächsten LIDL - Parkplatz angekrochen und erst mal im Stand geübt, wo der Spann im Fuß hingehört, wenn man die Gänge wechseln will. Wie ein Fahrschüler stehe ich da und gebe wahrscheinlich ein ziemlich dämliches Bild ab, aber egal: nach einer Viertelstunde hatte ich die Sequenz gefühlt hundert mal rauf- und wieder runtergeschaltet und wusste ungefähr, wo es langgeht. Dabei die erste Beobachtung des Tages: dieses Getriebe ist geil konstruiert. Die Kupplung kann selbst ein Säugling ziehen, so leicht lässt sie sich halten, und der Gangwechsel benötigt nicht wirklich mehr als ein Zucken im linken Bein. Also getriebemäßig schon mal alles so, wie ich es haben will. Oder nicht? Dazu gleich mehr.

Das hat natürlich einiges an Zeit gekostet, und mittlerweile war es fünf Uhr: höchste Zeit, auf die Piste zu gehen, und - Himmel, gelobet seist Du: der Berufsverkehr hat sich verdünnisiert, während ich Stehübungen vor dem Discounter gemacht habe. In der Stadt fährt sie sich, wie bei der Probefahrt, wirklich wie ein Fahrrad, wenn man knieschlüssig fährt. Wutscheln und Wedeln, das funktioniert im Berufsverkehr. Nur breitbeiniges Rumschlunzen auf dem Sitz, das mag sie nicht: sie will aufrecht bewegt werden, wer sich duckt, für den passt sie nicht.
Doch, wir wollen ehrlich sein, schonungslos ehrlich: Was wirklich stört ist diese vermaledeite Getriebebesonderheit, nach der man nur unterhalb von 10 Km/h in den Leerlauf schalten kann. Ich bin das von unsynchronisierten Getrieben gewohnt, genau dann in den Leerlauf zu schalten, wenn es für den zweiten Gang drehzahlmäßig passt, sich jetzt zu verabschieden. Das ist - in der Regel - irgendwo zwischen 1500 und 1800 u/min. Dieser Bock schaltet aber automatisch in den ersten Gang, wenn man schneller als 10 Km/h fährt und gibt den Leerlauf erst frei, wenn man drunter ist. Der Geselle hat mir das als technischen Fortschritt verkauft, denn so "verschalten Sie sich nicht". Doch, tue ich - weil ich es anders gewohnt bin und dieses Goodie völlig unsinnig ist. Kein Mensch fährt im ersten Gang an eine Ampel. Man nutzt die Motorbremse im zweiten, bis es nicht mehr geht, zieht die Kupplung, geht in den Leerlauf und stützt sich dann mit dem LINKEN Fuß ab, während der rechte die Hinterradbremse und den ganzen Bock hält. Auch deshalb - und weil ich ja noch in der Einfahrphase bin - bewege ich das Teil ein wenig vorsichtiger. An diesen technischen Fortschritt werde ich mich zähneknirschend gewöhnen müssen. Wenn auch ich der Meinung bin, dass derjenige, der sich innerhalb der ersten 3 Gänge verschaltet, besser auf einen Opel Astra Automatik umsteigen sollte. Der Rest ist die übliche Langeweile beim Einfahren neuer Kolbendichtringe: nicht über 8000 Umdrehungen, meinte der Geselle, am besten zwischen 6 und 8 fahren. Das wäre für Getriebe und Motor am besten. Egal, was in der Anleitung steht - wichtig wäre vor allem: häufig schalten.

Mach ich, muss ich ja eh üben. Und während sich vor, hinter und neben mir in den Ausfallstraßen der Verkehr mehr und mehr lichtet, weiss ich wieder, was ich nach der Scheidung von der Elli vermisst habe: dieses unvergleichliche Gefühl, einen Twin zu fahren, der zwischen 2000 und 11.500 um/min zwar nicht viel, aber immer die gleiche Leistung abgibt. Mit 50 im sechsten Gang? Kein Problem. Aus 30 bis 70 im Vierten? Kein Problem. Mit 50 im Dritten? Auch kein Problem, auch wenn der Drehzahlmesser den - nach Anleitung noch verbotenen - Bereich von 7000 u/min fast erreicht. Sie kreischt an dieser Schwelle bereits und meldet auch akkustisch deutlich durch, wie oft sich die Kurbelwelle dreht. 7000 Umdrehungen, das ist mehr als Hundertmal pro Wimpernschlag! Andere Mopeds - wie die BMW - würden um Erlösung und den nächsten Gang flehen. Du aber weißt, dass dieses Heulen kein Ausdruck ihrer Verzweiflung, sondern ein Kampfgeschrei ist und sie jetzt erst richtig loslegen will. Und Du das durchziehen kannst, bis bei knapp 12.000 u/min der Begrenzer einsetzt. Weil DAS das Zuhause dieses Motors ist, und du von der Elli weisst, dass er das mindestens 70.000 Kilometer OHNE JEDES PROBLEM machen wird. Das habe ich bei noch keinem anderen Hersteller so erlebt, und das ist auch der Grund, der einen letztlich damit versöhnt, das Kawasakis seit einigen Jahren optisch irgendwo zwischen einem klingonischen Bird of Prey nach einem Parkrempler und einem Tamagotschi mit Wasserschaden anzusiedeln sind. Und das obligatorische Eitergrün die Sache auch nicht wirklich besser macht. Optisch jedenfalls.

Aber diese Versys ist Grau/Schwarz und sieht auch einigermaßen wie eine Enduro aus, hebt sich also irgendwo ab, und das ist auch okay so. Die 40 PS reichen locker, um bis 100 mitzuschwimmen, mehr geht in der Einfahrphase sowieso nicht. Beim Flanieren durch das südliche Münsterland kommt dir wieder dieser Gedanke: Toyota Corolla. Wann bin ich zum letzten mal einen Bock gefahren, mit dem ich (bis auf die Schaltproblematik, beim ersten Gang weiss ich immer noch nicht recht, wo ich die Fußspitze genau ansetzen soll, alle anderen klappen mittlerweile) unter 200 Kilometern Fahrpraxis NICHT das Gefühl hatte, ein mir neues Moped zu fahren? Noch nie. Doch die hier ist anders, die macht vom ersten Kilometer an, was ich will. Gut, der Sitz ist hart - HART. Aber das muss kein Nachteil sein. Nach einer Stunde schmerzt der Steiß, das stimmt, aber hey - wer, wie ich, vom Fahrrad mit einem brooks - Sattel kommt, der weiß: einen Eisenarsch, den findest Du nicht in der Natur, der wird im Feuer geschmiedet. Du musst nur warten, bis die ersten Blasen am Allerwertesten aufgebrochen sind, dann sitzt Du darauf, als hätte der Herr deinen Podex zu nichts anderem geschaffen als für diesen Bock. Man muss halt nur den peak - point des Schmerzes überstehen. Die BMW mit ihrem Sofa lockt da auf kurze Distanz mit ihrem bayerischen Clubsessel, ohne Frage. Aber auf dem Weg in die Toskana hab ich lieber eine ehrliche Bierbank unter mir als die Schmerzen im Gestühl, die sich einstellen, wenn die Arschmuskeln nicht wissen, wo oben und unten ist. Deshalb: die Bank ist okay. Wenn man auf ihr übt und mehr als 100 Kilometer fährt. Für Warmduscher vielleicht nichts, aber nochmal: es ist eine Enduro im Toyota - Corolla - Style. Und "duro" bedeutet im Italienischen halt "hart", da macht man nix.

Mittlerweile sind 50 Kilometer um, von den 4 Litern, die die Werkstatt eingefüllt hat, dürften 2-3 durch die Einspritzdüsen gelaufen sein. Höchste Zeit, eine Tanke aufzusuchen. Auch an der Zapsäule: Toyota Corolla. Die Versys ist das erste Moped, das ich betankt habe, in die die Pistole reinpasst, ohne dass man sie festhalten und die 15 Liter vom veredelten Erdöl reinpresst, ohne dass ich mich kümmern muss. Alle anderen Tanks bisher waren entweder schlecht zugänglich oder so komisch konstruiert, dass man ständig den Hebel bedienen und aufpassen musste, nicht zuviel Druck zu geben, damit das Rückschlagventil nicht völlig ohne Grund zumacht. Aber hier? So wie es die Natur vorgesehen hat: Rüssel rein, einmal pressen und warten, bis das Gefäß voll ist. Okay, die Romantiker werden einwenden, dass das Tanken kein Ritual mehr ist, wie es das bei der Honda war und bei der BMW immer noch ist. Aber ehrlich: für anspruchsvolles Vorspiel brauche ich kein Moped zu betanken. Dafür habe ich auf anderen Märkten lange genug suchen müssen, um die Eine zu finden, an deren Seite ich sterben und die ich nicht mehr hergeben will. Und die ist mehr wert als 5000 Euro, so viel ist mal sicher.

Am heutigen Tag nur um 23 Euro ärmer steige ich wieder auf und fahre in Richtung Sonnenuntergang - die Geographie gibt es vor, mein Händler liegt östlich von Zuhause und "Go West" ist für Angehörige meiner Generation auch so etwas wie ein Lebensmotto, unter dem wir uns vereinigen können. Fehlen mir PS? Nein. Definitiv: nein. Ich bin 42 Jahre alt. Die Zeiten, in denen ich ans Limit gegangen bin, sind vorbei. Für mich geht es darum, die Zeit bis zum Ende herauszuzögern, und 40 PS reichen bei 170 Leer- und 80 Kilo Fahrergewicht locker aus. Der R6 meines Vaters hatte 34 PS und hat uns Fünf im Zelt durch das damals noch ziemlich abgeschottete Jugoslawien geschippert: wer bin ich, dass ich für die Hälfte an Rädern mehr als das Einfache dieser Leistung brauche? Wenn ich die 155 Kilometer pro Stunde Maximalgeschwindigkeit in nun 938 Kilometern ausfahren darf, ist das ziemlich genau das, was man einem 42 Jahre alten zentralen Nervensystem noch an Reaktionsgeschwindigkeit zumuten sollte. Und 27 Nm an der Kurbelwelle bei 11.000 u/min erlauben es, den Gashahn aufzumachen, ohne Reue zu empfinden. Toyota Corolla halt. Du fährst mit ihr und musst sie nicht beherrschen. Sie ist ein Bike, auf das Du Dich setzt und das mit Dir fährt, wohin Du willst. Das Dir Raum zur Entfaltung Deiner Persönlichkeit lässt, und nicht den ganzen Mann fordert, weil ansonsten der ganze Mann ziemlich schnell im Graben landet. Dazu die aufrechte Sitzposition wie auf einem Pferd: wundert mich, dass man so wenige davon sieht. Bis auf dieses verdammte Problem mit dem ersten Gang. Den kriege ich immer noch nicht richtig im ersten Versuch in den zweiten geschaltet.

75 Kilometer - Zeit für Nikotin und Koffein am Bikertreff. Mittlerweile ist die Sonne blutrot und nur noch zur Hälfte am Horizont zu sehen, doch am einschlägigen "ich-fahre-eine-1200-GS-mit-Hartschalenalukoffer-auch-wenn-ich-nur-1500-Kilometer-im-Jahr-fahre-weil-ich-es-kann-und-den-Wert-eines-VW-Golf-für-einen-blau-weissen-Propeller-am-Tank-investiert-habe" - Männerstrich mit den "schaut-her-wie-ich-ein-eigentlich-gut-aussehendes-Serienmoped-mit-meiner-Flex-so-lange-verhunzt-habe-bis-ich-darin-meine-unvergleichliche-Existenz-wiedergefunden-habe-und-sie-"custom"-nennen-darf-weil-ich-so-ziemlich-alles-andere-als-Custom-bin"-Nutten stelle ich den Kawasakicorolla ab und rauche mir eine Pfeife. Nach dem Herzinfarkt vor vier Jahren ist das der Kompromiss, auf den der Kardiologe und ich mich geeignet haben. Wenn auch ich mich mehr mit mir geeinigt habe als er sich mit ihm. Nur die Pfeife - nicht das Gefährt - und mein jahrelanges Auftauchen an diesem Café gibt mir genau das Quäntchen an Individualität, das dem Kawasakicorolla fehlt, und reicht aus, um sich noch mit mir zu unterhalten. Außerdem schlage ich da ja regelmäßig mit der 26 Jahre alten BMW auf: man kennt mich also, man spricht mit mir.

Was das denn zum Saisonbeginn sei. Was mir mit diesem Joghurtbecher einfiele; die Honda hätten sie ja schon nur geduldet, weil es das Zweitmoped gibt und jeder irgendwo eine dunkle Seite hat. Aber DAS? Eine Muschikawa (man vergebe mir den nicht ganz korrekten Ausdruck, aber es ist ein Zitat, da müsst ihr - und ich - durch)? Ob ich die BMW denn nicht mehr habe und was mir im Winter passiert ist, dass ich es nötig habe, mit so einem Beamtenmofa am ersten Tag der Saison hier aufzutauchen? Über meine Versuche, zu erklären, dass das ein ganz tolles Moped ist und ich erwäge, sie zu meiner Zweitfrau zu ehelichen, beschließt die Gemeinde, einen Antrag zu stellen, mich zu exkommunizieren. Versys X 300 und dann zu den coolen Jungs gehören. Das passt nicht. Den endgültigen Richterspruch kann ich nur dadurch abwenden, dass ich auf das Leben meines Erstgeborenen schwöre, die R850R endlich TÜV - fertig zu machen und dann wieder mit behördlichem Segen RICHTIGES Motorrad zu fahren. das geht - noch - okay. Denn die wäre ja an sich schon ein Mädchenmoped, aber halt ne BMW, aber trotzdem (der Senat ist da nicht einig): wegen ihres geringen Hubraums von 850 Kubik nur bedingt geeignet, DIESEN Fehlgriff einer X 300 Versys aufzuwiegen.

Aber man will mal nicht so sein, und weil ich ja schon so lange hier Kaffee trinke und als Pfeifenraucher auch kein schlechter Mensch sein kann, will man mal Gnade vor Recht ergehen lassen und mich nicht auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Wenn ich hoch und heilig verspreche, dass die X 300 Ausdruck meines jugendlichen Leichtsinns ist und ich schwöre, dass ich sie immer nur als Gebrauchsschlampe für den Weg zur Arbeit missbrauchen, dem RICHTIGEN Moped aber nie abschwören werde.

Ich schwöre, pflichtbewusst und weil ich sonst echt nette Menschen verlieren würde, kreuze dabei aber auch die Finger hinter meinem Rücken - die BMW braucht einen neuen Kabelbaum, der alte ist bröselig und angefressen, das wird mindestens eine Saison kosten, das zu richten. Und denke unwillkürlich an den asiatischen Markt, für den die X 300 konzipiert ist. Da ist man wahrscheinlich mit ihr das, was die 1200er-Gs-Fraktion auf den Bikertreffs hier ist. Der Typ ZahnWalt, der mit seinem völlig überflüssigen Stahlkofferset zeigt, dass er es dorthin geschafft hat, wo sonst eigentlich keine Zahnbürste hin will. Auf der anderen Seite der Welt wäre ich mit ihr der King.

Aber der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Land, also erdulde ich die die dummen Sprüche über ein 40-Ps-Bike und schaue mir an (wir haben, wohlgemerkt: Saisonanfang), welche Mühe es den anderen bereitet, ihre 300 Kilogramm plus "X" schweren und mit allen erdenklichen Fahrassistenzen ausgestatteten Penisprothesen nach 5 Monaten ohne Übung vom Parkplatz auf die Straße zu schieben. Und ich weiss: du brauchst keine Wheelie-Kontrolle, kein Kurven-ABS und keine drei Fahrmodi, wenn Dein Moped sich rangieren lässt wie ein Rennrad und schon physikalisch nicht in der Lage ist, die wirklich schicken Speichenräder in die Höhe zu treiben. Mancher, der das Vierfache an Hubraum unter seinem Seidenpopo bewegt, wäre gut geraten, die weibliche Seite an sich zu akzeptieren und einmal zwei Stunden auf der X 300 zu verbringen. Wenn er die Gs dann in Zahlung gäbe - und es bestünde kein Zweifel, dass er das täte, wenn er Testikel in der Unterhose trüge -, bekäme er drei davon als Gegenwert. Für jeden Tag, an dem er pro Saison Motorrad fährt, eine.

Und mit dieser Zufriedenheit, dass die Anderen wieder mal nicht wissen, worüber sie reden, leere ich den Pfeifenkopf, schwinge mich auf die 40 Pferde und fahre die restlichen 30 Kilometer bis nach Hause. Dort angekommen schließe mit der X 300, für die ich leider immer noch keinen Kosenamen gefunden habe, noch vor der Garage einen Vertrag: wir bleiben zusammen, so lange es passt. Sie macht keine Zicken und ich gebe ihr, was der Wartungsplan vorgibt und mein Geldbeutel verträgt. Und wenn es vorbei ist, ist es vorbei. das ist okay, für uns beide: weil sie eine Begleiterin FÜR, aber nicht DAS Leben ist. Das weiss sie, und dafür lieben wir uns.

Mehr kann ich nicht von ihr erwarten. Und mehr fordere ich auch nicht von ihr. Wenn ihr also ein Moped fürs Leben sucht: die X 300 gibt Versprechen ab, die sie scheinbar auch halten kann. Und mehr sollten wir von ihr auch nicht erwarten (können ).Denn das richtige Leben führe ich abseits ihres wirklich harten Gestühls. Und wenn ich mit den beiden Hunden die nächsten drei Wochen mit den Stulpenstiefeln spazieren gehe, dann klappts auch mit dem ersten Gang. Denn dann ist das Leder weich genug für ein Weichei wie mich.

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#2 Beitrag von Feuerfisch1502 » 23. Mär 2019 07:48

Wow

Sehr geiler Bericht, da möchte man doch direkt in die Garage und los.
Ich kann dich sehr gut verstehen, das mit dem Leistungswahn geht auch völlig an mir vorbei.
Im Gegenteil , bin von einer ZR 7 mit 76PS gekommen und habe dann nach gut 12 Jahren auf die Versys gewechselt, weniger PS, zwei Zylindern weniger und bis heute nix bereut.
Auch meine Autos haben alle weniger als 100PS und oh Wunder, damit kommt man auch an und auch nicht viel später als mit 200 PS.
Also, dumme Sprüche einfach ignorieren und sich über das freuen was einem wirklich Wichtig ist.

Gruß
Ralf

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#3 Beitrag von Jero » 23. Mär 2019 08:27

Hab auch alles gelesen ;)

Klingt auf jeden Fall nach einem mega Tag für dich. Bin mir sicher, dass unter diesen Bedingungen noch viele folgen werden.

Viel Spaß weiterhin.

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#4 Beitrag von LS68 » 23. Mär 2019 08:59

Klasse Bericht!

ich hab da nur mal auf der Motorradmesse kurz auf der X 300 draufgesessen und die Sitzbank direkt als "Folterinstrument" eingestuft. Die würde ich sofort vom Sattler bearbeiten lassen.

Das ist schon nicht so einfach mit diesem "Gruppenzwang" umzugehen. Also immer mehr PS, immer mehr Hubraum. Dagegen anzuschwimmen ist nicht immer einfach. Aber befreiend.

Jetzt musst du nur noch deine Lunge von dem Tabakkonsum befreien, dann könnt ihr Beiden noch in 20 Jahren dem Sonnenuntergang entgegen fahren. ;)

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#5 Beitrag von blahwas » 23. Mär 2019 09:56

Danke für den coolen Bericht!

An die Sitzbank hatte ich mich an meinem 450 km-Tag schnell gewöhnt. Hart ist auf Dauer besser als weich, wie du schon schreibst. Ich finde die 300er ideal als Fernreisemopped und würde jederzeit am liebsten dieses Modell für 4 Wochen Südamerika mieten oder kaufen.

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#6 Beitrag von kopri » 23. Mär 2019 10:22

Ich kann nur bestätigen, dass sie noch mal einen ganz anderen Charakter zeigt, wenn man sich angewöhnt, deutlich höhere Drehzahlen zu fahren als man es von anderen Motorrädern gewohnt ist. Dieses Japanische-Kleinwagen-Gefühl (oder Roller-Gefühl) ist sofort weg. Und dann macht es auch richtig Spaß.

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#7 Beitrag von Luzifear » 23. Mär 2019 16:54

Tach,
vielen Dank, das du mich auf diese kleine, aber äusserst amüsante Reise mitgenommen hast. :D

Servus, die Luzi
Ich bin der, vor dem dich deine Eltern immer gewarnt haben. :lol:

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#8 Beitrag von JanL » 23. Mär 2019 18:13

Ja - genauso geht es mir auch jeden Tag aufs neue...
Nach 2000 km ist mir die Sitzbank bei steigenden Temperaturen fast zu weich geworden. Habe auch einen Brooks Sattel auf dem Fahrrad.

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#9 Beitrag von Skalar-Fan » 23. Mär 2019 19:56

Servus Gabriel

Und ich habe schon "befürchtet", das ich der einzige bin, der lange Texte hier reinstellt :respekt:

Höher, schneller, weiter, größer..... :keule:

Ne, muss nicht sein.

Vielen Dank für Deine Liebeserklärung :clap: :top: :top: :top: :top: :top:
War sehr schön zu lesen, und hat mich an einiges erinnert, was ich erlebt habe.

Ich wünsche Dir noch viele schöne Stunden mit Deiner zweiten Liebe.

Viele Grüße
Jürgen

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#10 Beitrag von versys1000GT » 23. Mär 2019 22:04

Sehr schöner Bericht. Oftmals ist weniger mehr letztes Jahr auf unserer Mexicotour fuhren wir Bajaj Pulsar 200 NS was soll ich sagen es war cool. Ich genieße es auch hier ab und zu meine alte XT500 wieder zu fahren.

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Re: Warum die X 300 das bessere Moped ist - kleine Liebeserklärung an die X 300 nach der ersten Ausfahrt (vorsicht: laan

#11 Beitrag von Ast » 23. Mär 2019 23:06

Ich liebe den Text. Der spricht mir sowas von aus der Seele. Gerade weil ein so "vernünftiges" Mopped wie die 300 in einer solchen "unvernünftigen" Hobbykultur, wie es die Motorradfahrerei nun mal eben zu sein scheint, nicht hereinpasst, finde ich sie dort perfekt. Am meisten Spaß macht mir unser Hobby doch bei Geschwindigkeiten zwischen 50 und 100 km/h auf kurvigen Landstraßen. Wer bitte braucht dafür mehr Motorrad? Sicher, ich kann mich dem Bann der Faszination einer "großen" Maschine auch nicht entziehen, aber mal ehrlich: die 1000er (oder 1200er) meiner Träume kann ich mir bei Bedarf mal ein Wochenende ausleihen und wenn ich danach noch leben sollte, kann ich den Punkt in der To-do-Liste meines Lebens auch abhaken. Für den täglichen, maßvollen und nachhaltigen Spaß zur Befriedigung meiner Zweiradsucht erscheint mir die 300 vollkommen. Überhaupt, wenn ich schon Begriffe wie "Beamtenmofa" oder "Muschikawa" höre: Diejenigen, von denen sowas kommt, sind doch eigentlich die mit dem Problem, die Bemitleidenswerten. Wenn jemand aus Überzeugung, aus welchen Gründen auch immer "großes" Mopped fährt, bitteschön. Ich habe das zu akzeptieren und finde das auch gut so. Soziusbetrieb, Autobahnfahrten, das Bedürfnis, auch mal 200 fahren können zu müssen... hat sicher alles seine Gründe, aber eben nicht die, des X300-Treibers. Also leben und leben lassen, auch was das angeht.
3 bis 11 -> Versys
12 bis 2 -> S51 electronic
Auf jeden Fall immergrün :dance:

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