Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

Probleme mit der Kawasaki Versys-X 300
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Heiliggeist
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Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#1 Beitrag von Heiliggeist » 20. Dez 2020 21:54

Hallo,

wie ich an anderer Stelle schon mal schrieb, nutze ich den freiwilligen Zwangslockdown, in dem wir sind (ich denke, es ist für alle besser, wenn man im Moment ein Hobby zurückfährt, bei dem man u.U. im Krankenhaus landen kann), um neue Reifen aufzuziehen. Der neue Heidenau ist hinten drauf, und gestern hatte ich endlich Zeit, mich mit dem anderen Problem zu beschäftigen, das mich mit dem Radwechsel umtreibt: dass das linke Radlager eindeutig einen "toten Punkt" hat, über den es sich mit den Fingern nur sehr schwer drehen lässt.

Aber halt? Lagerschaden nach 9.000 Kilometern? Kann das sein?

Ja, es kann. Ich habe sie beide ausgebaut (das geht übrigens superleicht, fünf Minuten mit einem Campinggasbrenner um das Kettenblatt herum gerödelt, bis die Nabe ihre 100 - 120 Grad hatte. Die hat sich dann dabei auf gesamter Länge so schön ausgedehnt, dass beide Lager mit ein- zwei Schlägen mit einem längeren Werkzeug von selber rausfielen).

Zum Vorschein kam das:
PXL_20201220_201811687.jpg
, das, wenn man es umdrehte, so aussieht:
PXL_20201220_201820189.jpg
.

Man sieht deutlich, wo der Gummi eingedrückt ist, das war ich definitiv NICHT beim Ausbau. Ein Lager sollte außen auch nicht so "fettig" aussehen. Irgend etwas steckt da drunter.

Und wenn man den erstaunlich harten Dichtring über det janze legt, dann sieht das so aus:
PXL_20201220_201930096.jpg
.

Das kann nicht dicht sein. Und wenn man nicht ab und an die beiden Distanzsstücke auf der Seite zum Dichtring hin einfettet, erklärt sich mir sofort, weshalb mir das schon beim Rausziehen der Achse so seltsam vorkam, dass man die wie einen Geigenbogen ziehen konnte und auf der Achse kaum bis gar kein Fett war. In meinen Augen ist entweder das Gummi der Wellendichtiringe viel zu hart - oder bei meinem haben sie eine alte Charge benutzt. Jedenfalls scheint da mächtig Wasser und Dreck kettenblattseitig reingelaufen zu sein. Deshalb ist es auch an dem äußeren Ring so angerostet. In dem "problematischen" Lager ist zwar noch Fett drin, aber wenn man es einmal ausgebaut hat, knirscht es hör- und fühlbar, wenn man es dreht. Vielleicht sticht mich ja über Weihnachten mal der Hafer und ich öffne es.

Jetzt muss ich erstmal schauen, wo ich im Lockdown einen Handel für Industriezubehör finde, der mir zwei (oder nein: im Januar kommt das Vorderrad dran, besser vier) neue Lager nebst Dicht- und Sicherungsring verkauft. Finde ich aber auch noch, und sowas hält das Leben ja auch spannend. Merke aber für die Zukunft: Einmal im Jahr beim Wintereinmotten gehört es nun dazu, das alles nochmal auf Dichtigkeit und Leichtgängigkeit zu prüfen. Außerhalb von Reifenwechseln.

Und da fragt man sich doch - Leute. Ein doppelt abgedichtetes Lager kostet im Fachhandel ca. 50 Cent mehr. In den Mengen, in denen Kawasaki sie abnehmen könnte, lasst es 20-30 Cent sein. Das wären bei meinem Moped 1,20 € mehr kosten. Muss das sein? Dann hätten sie sie nicht für 5990,- €, sondern halt für 5991,20 € verkaufen sollen. Die hätte ich auch bezahlt, wenn ich dafür nicht nach 9.000 Kilometern eine zwar einfache, aber eine Reparatur hätte machen müssen, die manches Moped in seinem Leben nicht sieht.

Und nein, ich habe noch nicht einmal einen Kärcher. Ich habe da, wo ich sie Waschen kann, noch nicht einmal einen Gartenschlauch. Wenn ich sie wasche - und deshalb passiert das auch nur so selten, dass ich das tue - arbeite ich mit Eimer, Lappen, Shampoo und zwei Gieskannen, die die Frucht meiner Lenden in Erwartung eines reichen Erbes ständig (wie bei einem brennenden Haus) in einer Wasserkette auffüllen muss und sie danach über das Moped schütten darf, bis sie glänzt.

Grüße und bleibt gesund

Heiliggeist

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Re: Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#2 Beitrag von KWB1266 » 20. Dez 2020 22:16

Hei-
liggeist, schau mal nach SKF Lagern, die sind qualitativ gut. Finde grade den Anbieter nicht, aber so teuer sind die auch nicht.
P.S. guckste hier: https://www.agrolager.de/index.php?cPath=21

Da hatte ich die Nadel- und Kugellager für meine GPZ her.

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Re: Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#3 Beitrag von Kawafahrer1100 » 20. Dez 2020 22:24

Eine gute Adresse für Lager, Dichtringe usw ist auch
https://www.kugellagershopberlin.de/

Da habe ich bisher immer meine erforderlichen Lager bezogen.

Gruß
Michael
Immer schön gummierte Seite nach unten

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Re: Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#4 Beitrag von Heiliggeist » 20. Dez 2020 22:38

Danke für Eure Tips! Habe gerade mal geschaut - da bin ich ja mit maximal 20 Euro für alles (mit Sicherungsring) dabei. Das hätte ich wahrscheinlich bei Kawasaki allein fürs Rauffahren auf die Bühne bezahlt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn sie heute noch nur einseitig abgedichtete Lager ab Werk verbauen.

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Re: Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#5 Beitrag von SiRoBo » 20. Dez 2020 22:42

Ja, 30 Cent mehr und das Lager wäre gut gewesen bis ans Ende der Welt, zumindest sehr wahrscheinlich. Aber sicher auch nicht, weil was ist das schon. Zumal ein einziger Fall in Beobachtung genau gar nichts aussagt.

Der Hersteller denkt anders, weil er viel Fahrzeuge verkauft, an denen jeweils irgendwann irgendein Teil kaputt gehen wird. Denn er müsste dann jedes Teil die 30 Cent teurer machen, was jedem einzelnen Kunden dann spezifisch wichtig gewesen wäre. Nehmen wir an, ein Motorrad besteht vielleicht aus 5000 Teilen, dann wären 30 Cent pro Teil insgesamt 1500 Tacken mehr, die aber jeder Kunde bezahlen müsste. Das wäre wohl kaum jemand bereit für so ein europäisiertes Indien-Muli zu bezahlen... ;-)
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Simon

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Re: Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#6 Beitrag von Heiliggeist » 20. Dez 2020 23:31

SiRoBo hat geschrieben:
20. Dez 2020 22:42
Nehmen wir an, ein Motorrad besteht vielleicht aus 5000 Teilen, dann wären 30 Cent pro Teil insgesamt 1500 Tacken mehr, die aber jeder Kunde bezahlen müsste. Das wäre wohl kaum jemand bereit für so ein europäisiertes Indien-Muli zu bezahlen... ;-)
Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet das, das jedes Teil Schrott ist - ich denke, auch beim Hersteller wird man abwägen, ob es heute noch zeitgemäß ist, ungedichtete Lager zu verwenden und ob es sich lohnt, für 30 Cent unzufriedene Kunden zu haben. Oder man denkt an den Markt, für den die kleine Versys gemacht ist und hofft darauf, dass nach 9000 Kilometern in Asien sowieso keiner mehr in eine Vertragswerkstatt fährt, um das Ding warten zu lassen, so dass man die Mängel auf mangelhafte Wartung schieben kann. Das wäre dann mit Blick darauf, dass sie für die Tigerstaaten entwickelt wurde, noch skandalöser - wenn einer nachhaltige Produkte braucht, dann doch diejenigen, deren Existenz auf so einer kleinen Versys fußt. Wenn ich drei Tage nicht Moped fahren kann, weil die Radlager neu müssen, dann fällt in China ein Sack Reis um. Auf den Philippinen kann das dazu führen, dass Du den Sack nicht kaufen kannst und Deine Kinder verhungern....

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Re: Okay, sie ist günstig, aber das muss eigentlich nicht mehr sein

#7 Beitrag von JanL » 21. Dez 2020 17:51

Also das Fett sieht doch noch sehr gut aus. Das hat genau die richtige Konsistenz. Die Hitze beim Ausbau hat da noch etwas nachgeholfen. Ist das Fett zu "flüssig", dann läuft er Schmierstoff bei Belastung aus den Lagern und das würde ein viel größeres Problem ergeben. Die einseitig gedichteten Lager sind doch voll OK. Mehr braucht man nicht. Mehr Dichtung hilft hier nicht weiter. Sie verursacht nur zusätzliche Reibung und sorgt für erhöhten Spritverbrauch. Die Dichtung auf beiden Seiten nach außen (oder innen?) und gut ist. Auf die andere Seite des Lagers kommt doch noch die große schwarze Dichtung drauf. Die zieht man eigentlich einfach ab und kann leicht die Lager nachfetten. Die Dichtscheibe würde ich vorsichtig abnehmen (kein Cuttermesser), richten und wieder mit frischen Fett einbauen. Danach sollte das Lager wieder sauber laufen und hält bestimmt noch einmal so lange. Die Delle kann ein Montagefehler sein oder auch vom Ausschlagwerkzeug stammen.

Jan
Versys X300

Vorher:
MZ TS 150 Bj. 74
MZ ETZ 150 Bj.89

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