Losbrechkraft Vordergabel

Einstellungen und Wartung für das Originalfahrwerk der Kawasaki Versys 650
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SiRoBo
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Losbrechkraft Vordergabel

#1 Beitrag von SiRoBo » 7. Okt 2018 22:06

Hi Versyrer,

nachdem ich mir Anfang des Jahres Promoto Federn in die Gabel gebaut habe, bin ich mit der Performance immer noch nicht zufriedener wie mit der Originalgabel, das gegenteil ist der Fall. Beide Gabelholme sind identisch vorgespannt und auf 1/3 Negativfederweg eingestellt. Auf schlechtem Straßenbelag fährt sich es dennoch ziemlich kacke und so gar nicht Fahrwerk-optimiert. Habe sogar mein zwischenzeitlich eingebautes Wilbers 640 wieder durch das Originalbein ersetzt, damit sich die Front nicht ganz so kacke anfühlt (die Kiste muss halt fahren, ist quasi mein Alltagsauto).

Jetzt ist mir aufgefallen, dass die Gabel eine so hohe Losbrechkraft hat, sodass ich sie unter dem Eigengewicht der Maschine um mind. 1 cm hin und herfedern kann, ohne dass sich es nach dem Loslassen wieder zurückfedert. Verwöhnt kann ich kaum sein, selbst die Gabel meiner 26 Jahre alten Yamaha mit 38er RSU Gabel spricht da feiner an. Aber ist das an der Versys normal? Als die Kiste gut fuhr, hab ich das natürlich nicht getestet... Kann das jemand bestätigen oder widerlegen?

Zugegebenermaßen habe ich beim Federntausch nicht in beide Holme das gleiche Gabelöl gefüllt, Hersteller und Viskosität waren aber identisch (ein 10W Castrol synthetisch war noch im Regal, ein mineralisches kam dann in den linken Holm). Links schmiert und luftpolstert das Öl ja nur und lediglich rechts wird gedämpft.

Beide Holme sind gleich weit durchgesteckt und ich finde das Fahrverhalten etwas bescheiden. Auf gutem Untergrund macht das zwar nix, aber zu was habe ich denn 150mm Federweg? Meine 18 Jahre alte Speedy mit RSU Gabel und 120mm Gabelfederweg steckt flottes Kurvenwetzen auf Asphaltackern weg, da muss die Versys doch eigentlich mehr können, oder?

So einfach lässt sich ja auch nicht herausfinden, welcher Holm hakt. Ausgebaut (ohne ohne Rad drin) federn beide Holme ohne Ruck, aber da ist dann auch kein Fahrzeuggewicht drauf, was für das Haken sorgen könnte. Gleichzeitig werden die beiden Holme nicht mehr durch eine Achse zusammen gehalten...

Hatte das hier schon mal wer? Ich würde ja direkt die Gabel nochmal auseinander reißen und neue Buchsen und Öl einfüllen. Aber auf Verdacht ist das ziemlich Käse. Am Ende war die ganze Arbeit fürn Arsch und hinterher ist es wieder schlecht.

Vorab auf jeden Fall schon mal vielen Dank. :sun:
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Simon

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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#2 Beitrag von madbow » 8. Okt 2018 06:24

Mal abgesehen davon, dass die Konstruktion der Vorderradgabeln der Versen eine ziemlich simple und billige ist, wird dieses Problem meistens durch eine verspannte Gabel verursacht, d. h. die Standrohre stehen nicht 100%ig parallel.
Dieses Problem kenne ich von diversen meiner früheren Moppeds. Probleme könnte natürlich auch das unterschiedliche Gabelöl verursachen, da die Nennviskosität bei einer bestimmten, genormten Temperatur gemessen wird, sich die Viskosität je nach Öltyp mit der Temperatur unterschiedlich verändert, bei mineralischem ist der Einfluss wesentlich stärker.

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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#3 Beitrag von SiRoBo » 8. Okt 2018 07:17

Die Gabel hab ich mehr als einmal entspannt. Nach so ziemlich jeder möglichen Reihenfolge von Gewackel, Gepumpe und Klemmungen Anziehen, hat nix gebracht. Und ja, die Konstruktion macht schon einen billigen Eindruck... macht die meiner alten Yamaha aber auch und spricht trotzdem gut an!

Das unterschiedliche Öl identischer Viskosität könnte auch unterschiedliches Anbappen an Lagern und Dichtungen verursachen, meinst Du? Die Viskosität selbst würde ja bei so langsamen Ausgleichsbewegungen keine Rolle hinsichtlich Fahrdämpfung spielen... hmmm....

Trotzdem hätte ich gerne mal eine Referenz von anderen Versen. Nicht dass ich Geister jage. ;)
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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#4 Beitrag von Luzifear » 8. Okt 2018 10:01

Tach,
es könnte auch daran liegen, das du versuchst eine progressive Feder soweit vorzuspannen wie eine lineare Feder.
Damit nimmst du eigentlich den Vorteil des besseren Ansprechverhalten.

Servus, die Luzi
Ich bin der, vor dem dich deine Eltern immer gewarnt haben. :lol:

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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#5 Beitrag von SiRoBo » 8. Okt 2018 17:34

Danke für den Tipp. Bevor ich die Gabel nochmal zerlege, werde ich in dem Fall mal die Vorspannung reduzieren und ausgedehnt testen. :top:
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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#6 Beitrag von ruesa » 8. Okt 2018 18:20

Hallo,

bei meiner kann ich das Möp ca. ein bis zwei cm im Stand runterdrücken und geht dann fast in den Ausgangszustand zurück. Alleine kann ich das aber nicht genau sehen, aber mehr wie 3mm sind das nicht. Also ist das Losbrechmoment sehr gering.
Laufleistung jetzt 61000 km. Bisher nichts an der Gabel gemacht, auch kein Ölwechsel.
Meiner Meinung nach hat das Losbrechmoment auch wenig mit dem Öl oder der Federvorspannung zu tun. Dann geht zwar alles etwas schwerer und gedämpfter, aber die Reibung sollte davon wenig beeinflusst werden. Wenn sich die Federbeine ohne Rad sauber bewegen lassen, kann nur durch die Radmontage eine Verspannung entstehen.

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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#7 Beitrag von blahwas » 8. Okt 2018 18:23

Wenn's nichts hilft, mal ohne Vorderrad probieren, und dann ohne Spritzschutz. Irgendwann fängt der Fehler wieder an.

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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#8 Beitrag von SiRoBo » 9. Okt 2018 20:30

Luzifear hat geschrieben:
8. Okt 2018 10:01
könnte auch daran liegen, das du versuchst eine progressive Feder soweit vorzuspannen wie eine lineare Feder.
Damit nimmst du eigentlich den Vorteil des besseren Ansprechverhalten.
Ich habe da nochmal drüber nachgedacht und das kann gar nicht stimmen. Wenn ich dann auf dem Bock sitze, dann wird die Feder unabhängig ihrer Vorspannung genauso weit zusammen gedrückt wie das Gewicht auf das Vorderrad drückt. Alles was sich durch die Vorspannung ändert ist der statische & dynamische Durchhang und somit die Fahrhöhe.

Noch bin ich nicht zum Fahren gekommen. Aber mir ist beim Rumfedern aufgefallen, dass die Zugstufe ziemlich straff war (aber trotzdem nach dem Ausfedern ganz kurz nach unten nachgewippt - eigentlich erfahrungsgemäß eine gute Ausgangsbasis, aber auch an Straßenmoppeten mit 120mm Federweg!).
Und je nach dem muss man das Hängenbleiben der Federung in dem beschriebenen Bereich von 10 mm schon provozieren.

Reicht das jetzt nicht aus, werde ich die Front Stück für Stück auseinandernehmen wie von Johannes empfohlen. :top:
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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#9 Beitrag von Luzifear » 10. Okt 2018 20:24

Tach,
SiRoBo hat geschrieben:
9. Okt 2018 20:30
Luzifear hat geschrieben:
8. Okt 2018 10:01
könnte auch daran liegen, das du versuchst eine progressive Feder soweit vorzuspannen wie eine lineare Feder.
Damit nimmst du eigentlich den Vorteil des besseren Ansprechverhalten.
Ich habe da nochmal drüber nachgedacht und das kann gar nicht stimmen. Wenn ich dann auf dem Bock sitze, dann wird die Feder unabhängig ihrer Vorspannung genauso weit zusammen gedrückt wie das Gewicht auf das Vorderrad drückt. Alles was sich durch die Vorspannung ändert ist der statische & dynamische Durchhang und somit die Fahrhöhe.
durch die Vorspannung änderst du den Punkt an dem Feder auf die einwirkende Kraft reagiert. Je größer die Vorspannung,
desto größer muß die einwirkende Kraft (abhängig von der Federrate) sein, damit sich die Feder weiter zusammendrückt.

Bei der progressiven Federn hat man eine geringere Anfangsfederrate, deswegen spricht sie sensibler an als die Serienfeder, wenn man jetzt die Vorspannung erhöht,
dann wird die Feder zusammengedrückt und dadurch gelangt man immer mehr in den Bereich der größeren Federrate.

Als bei mir die Wilbers eingebaut wurden sind, hatte mein Schrauber alles wieder auf Serie eingestellt, sprich sowohl Vorspannung als auch Zugstufe
und ich habe mich mit dieser Einstellung sofort wohlgefühlt, bzw. hatte ich bisher kein Handlungsbedarf an diesem Setup etwas zu ändern.

Es gibt sicher einiges im Web zu Thema statischer und dynamischer Negativfederweg zu lesen, aber letztendlich muss das Popometer entscheiden,
getreu dem Motto: so weich wie möglich, aber nicht härter als nötig. ;)

Servus, die Luzi
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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#10 Beitrag von SiRoBo » 13. Okt 2018 09:18

Erste Entdeckung: Das rechte Tauchrohr schaut im ausgebautem Zustand 5 mm weiter aus dem Standrohr raus als das linke. Sehr suspekt...

Der rechte Holm federt sich aber auch alleine latent hakelig durch. Ich mache die Gabel wohl nochmal auf...

Kann jemand bitte mal bei seiner Versys die Distanz zwischen Gabelfuß und Standrohr ausmessen, wenn er/sie die Holme mal entlastet hat? Staubkappe bitte ignorieren. Danke. ;)
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Re: Losbrechkraft Vordergabel

#11 Beitrag von SiRoBo » 19. Okt 2018 14:17

SiRoBo hat geschrieben:
13. Okt 2018 09:18
Erste Entdeckung: Das rechte Tauchrohr schaut im ausgebautem Zustand 5 mm weiter aus dem Standrohr raus als das linke.
Nur mal um das festzuhalten und als Referenz die Distanzen von Gabelfuß (am Ausgang des Innenrohrs) zu Standrohr (Unterkante ohne Staubkappe):
  • Links: ca. 178 mm
  • Rechts: ca. 182 mm
Messgenauigkeit Meterstab, aber deutliche Tendenz.

Die Achse lässt sich auch viel leichter heraus-/hineinschrauben, wenn man den rechten Gabelfuß etwas nach oben drückt.
Zerlegt habe ich noch nicht, aber kommt noch... ;-)
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