Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen.

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Kawamane

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#21 Beitrag von Kawamane » 6. Okt 2019 12:15

Wieder ganz wunderbar,solche Berichte sind Salz&Pfeffer im Forum :] ....und wozu braucht man ein dickes Mopped,um weit zu kommen ?(Only weight is important)Andere sind auf dem Mofa um die Welt gefahren....weiter so !!! :clap:
Gruß Martin
Sicher ist, das nichts sicher ist
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#22 Beitrag von Skalar-Fan » 6. Okt 2019 16:24

:respekt: :respekt: :respekt:

Respekt, Heiliggeist
Aber sowas von KLASSE geschrieben :clap: :clap: :clap: :clap: :clap:
Hoffentlich bist du noch lange unterwegs, hoffentlih hast Du noch viele Touren vor Dir, an denen Du uns teilhaben lässt. :thx: :thx:

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#23 Beitrag von surfopi » 6. Okt 2019 22:01

wirklich fein geschrieben. Selbstironisch, unterhaltsam, nie das ego betonend. Super. Aber wie blöd muss man sein, sich das, auf einer Hornisse sitzend, anzutun. Dann doch lieber in einem Mini-Cabrio oder 2CV. Vor allem auch, wenn man die supertolle Schräglagentauglichkeit einer "Enduro" mit Stollenreifen auf den wenigen Kurvenkilometern dieser Odyssee betrachtet. Totale Zeitverschwendung.
Und was das Psychische angeht, 5 Sitzungen beim Psychiater mit Gesprächstherapie und Co. wären sicher effektiver.
Mopped geht im Prinzip anders.
Grüße aus Hyères, dem Surfer Mekka (das wäre echte Gehirnwäsche für dich) vom
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#24 Beitrag von Friesländer » 7. Okt 2019 16:23

:headshake: Der selbstherrliche Motorradgott erklärt die Welt mal wieder, alter Schwede.
... leben und leben lassen :top:
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blahwas
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#25 Beitrag von blahwas » 7. Okt 2019 16:31

Ich hoffe mal, dass der Bericht trotzdem weitergeht... man muss hier schon anderen den Raum lassen, die noch nicht ganz so weit sind.

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#26 Beitrag von raheri » 7. Okt 2019 17:00

Klasse Reisebericht ! Thomas Mann lesen scheint doch irgendwie abzufärben - bei mir leider nicht ;-) Aber Du könntest Dein Geld auch damit verdienen. Zur Hauptüberschrift. Oh ja, da kommen Erinnerungen hoch, habe letztes Jahr auch 2500km in 12 Tagen gemacht. Trotz Sitzauflage und Zusatzkissen freust Du Dich nach 1-2h auf jede Ampel - die ROT ist. Endlich Beine ausstrecken und STEHEN. Ich habe geschworen, die scheiss Sitzbank zu entsorgen. Dieses Jahr kam ich aber viel besser zurecht, habe aber auch nur Tagestouren gemacht.
Viele Grüße
Rainer
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#27 Beitrag von karklausi » 7. Okt 2019 19:50

@heiliggeist
Lass dich nicht von schon therapierten Göttern abhalten weiter zu schreiben.
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#28 Beitrag von Pandur » 7. Okt 2019 20:46

Als ich den Titel las, dachte ich mir was soll das ?
2600 km in 10 Tagen, das ist doch nichts besonderes. :think:
Nachdem ich den Bericht studiert habe nehme ich alles zurück,
sehr amüsant zu lesen und plastisch geschildert. :clap:

Gruß Pandur
Das Universum und die menschliche Dummheit sind unendlich.
Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher.

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#29 Beitrag von KWB1266 » 7. Okt 2019 21:14

@Pandur: der Gedanke kam mir VOR dem Lesen auch.
Der Titel "Der 100jährige der aus dem Fenster stieg und verschwand", hatte mich auch abgeschreckt. Das Buch ist aber spitzenmässig :top: ebenso der Bericht von heiliggeist :clap:
Mal schön, in sone Männerseele reinzugucken ;)

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#30 Beitrag von frieda » 7. Okt 2019 21:32

:] Auf dem Weg zum Bestseller im Forum, :top:
Mascho is oft nur Maske, Frauen hams e schon immer geahnt. :)

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#31 Beitrag von versystourer72 » 7. Okt 2019 22:55

Vielen Dank für diesen tollen Reisebericht. :clap:
Es hat mir viel Freude bereitet, auf diese Art deine Reise miterleben zu dürfen.
Aber nicht nur die Art wie du es verstehst mit deinem Text den Leser in deinen Bann zu ziehen, auch die Bilder sind von hoher Qualität. :top:

Vielen Dank für dieses tolle Gesamtpaket :thx:
Liebe Grüße von Klaus

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#32 Beitrag von Krümel » 8. Okt 2019 12:03

Schöner Bericht liest sich so weg...

Motorrad fahren ist eine Leidenschaft die manchmal eben auch Leiden schafft. Wenns positive überwiegt war die Zeit nicht verschwendet.

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#33 Beitrag von KWB1266 » 8. Okt 2019 23:33

....hmmm :think: , es fehlt noch der restliche Heimweg....bitte weiterschreiben... :punk: :]

Heiliggeist
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#34 Beitrag von Heiliggeist » 9. Okt 2019 01:59

Abschluss - Über Freiburg nach Hause

Neunter Tag: St. Gallen - Stein am Rhein - Bonndorf - Hinterzarten - Freiburg

Ich bin ja noch den Rückweg schuldig.

Also ich gestehe ein, der Titel folgt der künstlerischen Freiheit und der Tatsache, dass 2600 Kilometer im Titel lyrischer klingt als zweitausendachthundertirgendwas, die es wirklich waren.

Mir war der Rückweg von St. Gallen nach Essen an einem Stück - und das an einem Samstag - zu weit. Das war schon vor der Losfahrt an die Nordsee abgemacht, dass ich auf dem Rückweg bei einem Studienfreund in Freiburg über Nacht halt mache, denn so soll man es ja machen, beim Motorradfahren: da, wos schee ischd, über Land, und da wo man schnell weg will, über die Autobahn.
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So fuhr ich am Samstag morgen - bevor die beiden erwacht sind - los, nachdem ich noch die Überreste vom vorherigen Abend gespült hatte. Das war ganz gut, diese Reinigung hatte etwas rituelles - wenn ich das hier so lese, dann war ich bald häufiger fahruntüchtig als tüchtig am fahren, aber da bin ich ja auch nicht der einzige, dem das im Urlaub so geht.

Mit dem Tankwart hatte ich noch einen lustigen plausch bei einer Bifi und einem Kaffee. Ich wollte die beiden nicht wecken und habe das Frühstück deshalb in die Tankstelle verlegt, und das war nicht gut. Das Wetter war, wie ihr sehen könnt, schlecht, dieses mal hatte ich das Gepäck für die ganze Zeit in den Packtaschen, und ich kann das eigentlich nicht: aufstehen, abspülen, loslegen. Ich brauche eigentlich morgens meine Rituale - Küche, Kaffee, Kippe - und ein bisschen Bewegung, sonst werde ich die Steifheit über den ganzen Tag nicht los. Nichts aber ist unangenehmer auf dem Moped als wenn man nicht ganz gelenkig ist, aber es ging halt nicht anders und das leichte Brennen in meinem Magen, das auch mit einer Bifi nicht gelöscht wurde, macht es nicht besser. Schwül-feuchtes Morgengrauen: es war, als wolle mir das Wetter den Abschied erleichtern.

So nett ich mich mit dem Tankwart unterhalten habe, von dem zwanziger wollte er nichts zurückgeben. Hat er ja formell recht, ich hätte den Platz ja nutzen können, wenn ich gewollt hätte. Und es stand auch kein anderes Moped am Ballfangzaun, als ich losgefahren bin.
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Wegen des schlechten Wetters wurde die direkte Route nach Freiburg gewählt, für kurvenreiche Umwege war einfach keine Zeit und auch kein Spirit mehr. Wenn man einmal den Weg nach Hause eingeschlagen hat, dann kann ich jedenfalls großartige Umwege nicht mehr ertragen, dann will ich auch Heim. Mit der unter Tausenden erwählten Ehefrau habe ich mittlerweile nämlich auch wieder Frieden geschlossen gehabt, und vielleicht wäre ich auch durchgefahren, wenn es nicht vorher verabredet gewesen wäre.
Die Strecke durch den südlichen Breisgau sind wir ja schon tausendmal gefahren, haben wir schon tausendmal Berichte darüber gelesen, und weil sie bei schlechtem Wetter nicht wirklich reizvolles hat, war es ein meditatives Fahren: anders als im Tirol nicht kalt, sondern feucht warm und weder mit guten oder schlechten, sondern mit gar keinen Gedanken angefüllt.
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Eetwa in Höhe von Lenzkirch hatten die Vibrationen der kleinen Versys und meine Lenkbewegungen die verklebten Gelenke wieder freigerüttelt, und es stellte sich tatsächlich so etwas wie Fahrspaß ein, den ich an einem Rastplatz unterbrechen musste, weil die Kleine Hunger hatte. Wenn sich der Tankwart nicht kulant gezeigt hat, habe ich auch nicht eingesehen, den etwas teureren Sprit in der Schweiz zu tanken, und nun war es Zeit.
Ich finde es ja von jeher erstaunlich, dass man manchmal in den tollsten Gegenden Deutschlands ausländische Mopedfahrer nicht in Wirtschaften, sondern an größeren Tankstellen trifft: so, als trauten sie sich nicht, was richtiges in einem richtigen Lokal zu speisen. An meiner Mischung aus Dorfkneipe, Rasthof und dem, was man im Ruhrgebiet als Trinkhalle bezeichnen würde, traf ich so auf einen Pulk Holländer mit BMWs, die prinzipiell die gleiche Richtung hatten wie ich, aber entschlossen waren, durchzufahren. Die hatten auf dem Rückweg vom Urlaub noch den Klassiker vor sich - B 500 - Schwarzwaldhochstraße bis Baden-Baden - und dann nach Holland.
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Ambitioniertes Ziel, es war bestimmt schon halb zwölf und das Wetter nicht wirklich gut. Aber es reichte Ihnen offensichtlich in ihrer persönlichen Zeitplanung noch, mit mir bei einer Bockwurst und Kaffee Gasgespräche aus unseren jeweils letzten 10 Tagen zu führen. Die kamen aus dem Jura und sind eigens einen Umweg gefahren, um die Schwarzwaldhochstraße mitzunehmen, bevor sie wieder in ein Land fahren, in dem die höchste Erhebung das Schaf auf dem Deich ist. Ihre sportlichen Ziele habe ich nicht kommentiert. Der Holländer weiss in der Regel, was er tut, da braucht er uns nicht, um es ihm zu sagen. Mir aber wäre das definitiv zu viel gewesen.
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So etwa gegen vier bin ich dann nass, aber nach unspektakulärer Reise bei meinem Studienfreund und seiner Familie. Wir haben einen ruhigen Tag - und Abend verbracht. Er hat das mit dem Motorrad nie verstanden und ist der Meinung, wenn man sich schon auf so ein gefährliches Gefährt setzt, dann muss man mindestens eine Woche vorher nüchtern geblieben sein, um jegliche Gefahr auszuschließen. Ich war Gast und wollte keine Diskussion, außerdem hatte ich auch genug Impressionen der letzten Woche zu verarbeiten, das macht man eher bei Klarem verstand.
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Letzter Tag: Freiburg - Essen

Bis auf einen Tag bin ich nun seit 10 Tagen - trotz Urlaubs - jeden Tag vor neun Uhr aufgestanden, was heute im Wesentlichen an den beiden 8 und 6 Jahre alten Jungs meines Studienfreundes liegt, die total begeistert von dem Motorrad in ihrem Vorgarten sind und unbedingt dabei mithelfen wollen, wie ich das Gepäck verzurre. Dabei muss ich ihnen alles haarklein erklären, jeder Spanngurt wird dreimal kontrolliert, ob er wirklich festgezogen und gesichert ist. Jedes Detail wird erklärt und Parallelen zum Fahrrad werden gezogen. Zum Abschluss darf jeder mal drauf sitzen und den Start - und Killschalter im Leerlauf betätigen - was sehr lustig aussah, die beiden waren kaum in der Lage, über den Tankrucksack hinwegzuschauen. Vielleicht ist es ja ein männliches Klischee: aber mit seinem Minivan zaubert mein Freund in den Augen seiner Jungs kein solches Feuer hervor wie ein 300 Kubik Twin mit Euro 4, der ja nun einmal so gar nichts hat, mit dem man an der Eisdiele irgend etwas anderes als ein kleines Eis mit Sahne gewinnen kann. Man will sich ja gar nicht vorstellen, wie die reagiert hätten, wenn ich mit dem, was andere ein RICHTIGES Motorrad nennen, da aufgeschlagen wäre.
Mein Freund schaut sich das ganze mit kritischem Blick an. Und während ich mit meinem Blick zwischen ihm und seinen Jungs hin und her schaue, weiss ich, dass die beiden irgendwann schon aus Protest einen Mopedführerschein machen werden: der Begeisterung für eine unvernünftige Sache, die Dich umbringen kann, kann man nicht mit Vernunft und erst recht nicht mit Angst beikommen.

"Du verdirbst nicht nur Deine, sondern mit so was auch noch meine Kinder.", meint er.
"Stimmt.", und an Felix, seinen Kleinsten gerichtet: "Na, was habe ich dir eben gesagt: weshalb ist Motorrad viel besser als Autofahren?"
Mein Freund stöhnt auf (die Antwort kennt er nur zu gut), verdreht die Augen und zieht das "Das hast Du nicht wirklich getan, meinem Kind diesen Machospruch beigebracht, weisst Du, was seine Mutter dafür mit mir macht?" - Gesicht auf.
Doch, habe ich: "Klar", kontert Felix, "Weil die Power beim Motorrad da ist, wo sie hingehört - zwischen den Beinen!"

"Gogo power Rangers" - ich schmeiss mich in meinem Schlafanzug vor lachen auf den Boden, sein Junge ist stolz, das Gedicht fehlerfrei aufgesagt zu haben und wird von meinem Freund unter "Ich habs gewusst, Dich darf man keine fünf Minuten mit normalen Menschen allein lassen" - Flüchen in die Stube geschoben. Soll sich mal nicht so haben. Als meine Tochter in diesem Alter war, hat er ihr beigebracht, wie man Papierflieger so präpariert, dass man sie anzünden kann und sie dann brennend fliegen. Sei sowas wie aktive Erziehung zum Frieden, meinte er, wenn Kinder früh lernen, was es heißt, wenn brennende Flugzeuge vom Himmel fallen. Ja, da brennen dann manchmal Häuser - blöd wärs nur, wenn es das eigene ist. Ich musste danach jedenfalls ein halbes Jahr lang alle Feuerzeuge vor ihr verstecken.

Wir sind also quitt, und ich mache noch ein Foto vom Kilometerstand, bevor es gleich auf die A5 losgehen wird:
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Ihr seht also, es waren im Ergebnis etwas mehr als 2.600 Kilometer, die Strecke Essen - Freiburg sind über die Bahn etwa 500. Aber wir einigen uns darauf, dass es eigentlich nur 2.600 waren, denn seien wir ehrlich: wer die A3 um und ab Köln kennt, der weiß, dass spätestens da der Urlaub vorbei ist. Und wenn ich von den 500 die 120 von kurz vor Köln bis Essen abziehe, bin ich dann auch bei den 2.600 Kilometern.
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Geduscht wird heute nicht, dafür laufen mir die beiden viel zu sehr wie Kletten hinterher und wollen alles wissen über die Höllenmaschine da draußen. Was sie kann, was sie nicht kann, was sie leistet, Drehzahl, Hubraum: alles Sachen, von denen man mit acht beim Quartettspielen gehört hat, dass sie bedeutsam sein könnten, aber nicht weiss, wieso. Wenn ich den beiden erklärt hätte, dass man die Spiegel zu Flügeln ausstellen kann und das Ding abhebt, wenn man beide Hebel gleichzeitig zieht, sie hätten es wahrscheinlich geglaubt.

Tja und dann verabschieden wir uns - einander nicht böse, den anderen aber immer noch nicht verstehend. Was vielleicht das Geheimnis unserer bald 20 Jährigen Freundschaft ausmacht: der eine kann nicht verstehen, wieso der andere DIESES Leben gewählt hat, aber beide haben wir noch nicht entschieden, wessen Weg der bessere war.

Egal, ich schwinge mich auf die Versys (und ich gestehe: wenn die Packtaschen drauf sind, muss ich über die linke Raste aufsteigen, ohne das lässt sie sich nur besteigen, wenn man das Bein wie Bruce Lee heben kann) und fahre im sonntäglichen Nichtverkehr los. Bis Karlsruhe lässt sich gut fahren: alle Schweizer und ich fahren links, alle Einheimischen rechts, und ich sage Euch: die Universalpacktaschen von Polo machen sich nicht im Ansatz bemerkbar. Ganz im Gegenteil hatte ich sogar den Eindruck, die fährt sich besser als auf der Autobahnstrecke nur mit Tankrucksack, weil so ein bisschen mehr Last auf dem Heck liegt, ohne dass der Schwerpunkt erhöht wird. Ich habe jedenfalls mehrfach vergessen, dass diese Taschen eine Beschränkung bis 130 km/h haben und bin auch durchaus mit 7/8 Gas durchgebrettert
(By the way - hier sprach einer von Stollenreifen und dass es sinnfrei sei, damit lange Strecken zu fahren. Vielleicht sollte sich derjenige mal die Fotos anschauen, Stollenreifen sähen sicher cool aus - allein ich habe sie nicht. Und von einer Hornisse ist die kleine Versys auch weit entfernt. Ich empfehle Wittgensteins Tractatus Logico-philosophicus zu studieren!).

Was allerdings auffällig ist: die Versys ist nicht gemacht dafür, viel Gepäck zu transportieren und sich mehr als nötig in den Wind zu stellen. Damit fühlt sie sich nicht wohl, die 40 Ps kommen merklich träger aus dem Quark, das ganze Moped ist nicht so elastisch, wie es das sonst ist. Und sie macht das, was nicht nur junge Damen machen, wenn sie sich in ihrer Situation nicht ganz wohl fühlen: sie fängt an zu saufen. 6 bis 6,5 Liter sind kein Problem gewesen. Das habe ich so noch nicht erlebt, dass Gepäck zu einer Verbrauchssteigerung um 50% führt. Die ist auch wirklich temporär, denn so viel hat sie sich auch seither nicht mehr genommen.
Dieser Mehrverbrauch passt ganz gut, denn meine Hinternmuskulatur ist im Wesentlichen darin trainiert, Schmerzsignale auszusenden, und das tut sie immer noch bis zum Schluss. Tja, und irgendwann ist jedes Leiden und jede Freud zu ende: nach etwa 6 Stunden fahre ich zu Hause vor und freue mich, dass ich es hinter mir habe.

Was ziehen wir nun als Resümme daraus? Nichts. Man muss nicht immer wachsen an dem, was man tut. Und aus einer a priori sinnlosen Tätigkeit wie Motorradfahren, die nur darauf ausgelegt ist, Spaß zu haben, kann man großartigen Erkenntnisgewinn nicht herausziehen.
Nächstes Jahr gehts woanders hin. Wo ich niemanden kenne. Ich denke im Moment darüber nach, mal "in den Osten" zu fahren. Vielleicht eine kleine Flusstour Rhein - Main - Donau. Und am liebsten dann Donau runter bis Wien, das wär toll. Aber viel zu weit. Und wenn ich es mache, dann nur mit einer besseren Bank (der Kollege, der den Sattler in Solingen kannte - wenn der mir per PN mal den Namen verraten könnte, das wär super). Aber bis dahin kann ja noch so viel passieren, was keiner Erzählung wie dieser wert ist.

- Ende -
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#35 Beitrag von marco1971 » 9. Okt 2019 05:04

Super Bericht :clap:
Vielen Dank für virtuelle mitnehmen.

Evtl ist der hier gemeint. Allgemein als Empfehlung bekannt
http://www.sitzbankbezieher.de/

Grüße
Marco
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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#36 Beitrag von hhmv » 9. Okt 2019 09:19

Richtig klasse geschrieben. :top:
Hat mir viel Spaß gemacht Deinen Bericht zu lesen.
Gruß, Jörg


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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#37 Beitrag von blahwas » 15. Okt 2019 09:07

1000 Dank für diesen völlig genialen Reisebericht :) Ich bin gerne virtuell mitgefahren.

Bergab kann man ruhig vor jeder Kehre saftig in die Bremse packen. Man muss nicht vorichtig mit Motorbremse runterjaulen. Motorradbremsen können sowas ab, die liegen ja frei und sin gelocht, kühlen also gut und sind ähnlich dimensioniert wie die am Auto, haben aber viel weniger Masse einzufangen.

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#38 Beitrag von Rossi_DO » 15. Okt 2019 14:23

Schöne Story ... Motorradfahren als meditative Therapie. Kenne ich ...

So eine Sitzbank hatte ich auch mal. Auf ner Africa Twin. Vor allem, wenn man längere Zeit auf der Autobahn still vor sich hin gesessen hat. Beim "Kurventurnen" war die klasse, aber dauerhaft? Eher nicht. Ich hab mir dann angewöhnt, auf Strecke etwa jede Stunde einmal um den Bock zu laufen, jeder zweite Stopp war dann zum Tanken angesetzt, ob nun wirklich notwendig oder nicht. Da konnte ich dann auch nach 200 km übern Blackforest noch an den Niederrhein nach Hause fahren am selben Tag - und war fast enttäuscht, als ich zu Hause ankam. Es hätte noch weiter gehen können. 8-)

Und nein: Es war nicht die Seriensitzbank (Jungbluth iirc) - die war definitiv schlimmer. :shocked:
Der Dottore 46 ist zwar auch ein Signore, aber nicht der wahre Signore Rossi...
Und das, was da unter "zurückgelegte Kilometer" steht, sind nur die Versys-Kilometer

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Re: Du weisst erst, dass sie Dich liebt, wenn Dir der Arsch blutet - 2600 Kilometer auf der kleinen Versys in zehn Tagen

#39 Beitrag von blahwas » 15. Okt 2019 15:30

Hin und wieder mal 5 Minuten im Stehen fahren kann helfen. Oder es einfach akzeptieren und ignorieren. Irgendwann wird's nicht mehr schlimmer, z.B. wenn es am nächsten Morgen noch genauso weh tut wie am Abend davor (KTM 690 SMC-R in Teneriffa).

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