Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

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Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#1 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:39

Nachdem ich 2018 den Passknacker Landespreis Tschechien gemacht habe, wollte die Passknacker Landespreise für Polen und Slowakei in 2020 nachholen. Dafür bot sich ein Zeitraum im Sommer an, so dass ich gleich zum Festival Metal Days nach Slowenien weiterfahren hätte können. Das Festival wurde wegen Corona abgesagt, also entfiel dieser Teil des Plans. Polen und Slowakei kamen mit Corona ähnlich gut zurecht wie Deutschland, und Tschechien auch. Tschechien könnte man prinzipiell umfahren, aber das würde die An/Abreise erheblich verlängern. Anfang Juli wurden Besucher aus Polen in der Slowakei noch 14 Tage in Quarantäne geschickt, so dass ich eine alternative Route geplant habe, die nur einen Grenzübertritt zwischen diesen beiden Ländern hat, und zwar andersrum. Kürzer ist es aber, häufiger zwischen den Ländern zu wechseln, denn die Grenze liegt natürlich mitten in der Hohen Tatra, um die es in diesem Urlaub ja eigentlich gehen soll.

Diese Tour ist eine reine Rundreise. Die Grundidee ist wieder mal 1. Motorrad fahren, 2. Motorrad fahren und 3. MOTORRAD FAHREN!! Kultur, Kulinarik und Badespaß sind was für eine andere Gelegenheit. Unterkünfte so günstig wie möglich mit eigenem Bad und gewissen hygienischen Ansprüchen. Kultur nur, so weit man sie am Rand der geplanten Route vom Motorradsattel aus sehen kann.

Leider fand sich keine Unterkunft an den 2-3 möglichen Stellen der Route, wo man 2 Nächte in Folge hätte schlafen können, ohne ordentlich Strecke zu verlieren oder doppelt zu fahren. Am Ende sind die Etappen alle zwischen 450 und 500 km, rein zwischen den Pässen entlang der hohen Tatra. Da sind teilweise auch längere Überführungen dabei. Aus meiner Erfahrung mit Tschechien weiß ich noch, dass das sehr lange Ortsdurchfahrten sein können - 5 km und mehr, nur Dorf, aber immerhin ohne Ampel und meistens auch ohne Menschen.

Für diese Reise wähle ich meine treue Versys 650, die kann einiges besser als die MT-09, was ich hier brauche, und die MT-09 umgekehrt nichts. Zur Vorbereitung bekam die Versys 650 eine frische Kette und einen frischen Vorderreifen. Eigentlich wollte ich den in Sardinien notgekauften Mitas Touringforce Vorderreifen hier abfahren, aber auf der Felge war schon ein frischer CRA3, und der ist klar besser. Da verzichte ich lieber auf die 30 Euro Restwert als irgendwas zu riskieren.

Tschechien kenne ich gut, aber in Polen und Slowakei habe ich zuvor in Summe etwa nur eine Stunde verbracht. Ich spreche keine einzige slawische Sprache, drucke mir aber vorher noch schnell einen Zettel mit den wichtigsten Phrasen auf Deutsch, Polnisch, Tschechisch und Slowakisch aus. Die letzten beiden unterscheiden sich eigentlich nur in der Schreibweise. Ich wechsle kein Geld vorher und denke, dass ich mit Visa Karte durchkommen. Nur die Slowakei hat den Euro. Ich fahre alleine, weil niemand den ich kenne bei diesem kranken Plan mitmachen wollte :)

Den ersten und letzten Tag verbringe ich je zur Hälfte daheim und auf der Autobahn, denn den Nahbereich kenne ich schon, und ein wenig Einstimmung bzw. Erholung muss ja auch sein. Am Rückwege nehme ich noch 1-2 Ecken in Nordösterreich mit, wenn ich schon mal dort bin.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#2 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:39

Fr 17.7. Anreise Deutschland/Tschechien

Ursprünglich wollte ich eine Vorabendanreise machen, aber das erschien mir irgendwann zu stressig. Also noch einen Tag Urlaub genommen, den Vormittag mit basteln und packen verbracht, und erst nach dem Mittagessen gestartet. Ist ja Urlaub. Gebastelt wurde der Gopro-Halter an die Versys, irgendwie war da keiner mehr dran, und beim Gepäcksystem wollte ich mich noch zwischen chronisch wackligem Topcase und Packrolle entscheiden. Zunächst montiere ich das Topcase 5 cm weiter nach vorne, so dass es nicht mehr über den Träger nach hinten übersteht, und prompt wackelt es weniger. Damit bin ich doch eigentlich schon zufrieden, das soll ja keine Schottertour werden. Ansonsten wurde eine Seitenständerunterlage montiert, damit ich überall parken kann, wo ich will, ohne dass der Seitenständer einsinkt. Leider passt die nicht so 100%ig, so dass ich reichlich mit Bohrmaschine und anderem Werkzeug zugange war. Gewinde in Alu schneiden klappt gut. Ob's hält, sieht man dann. Abfahrt war dann gegen 13 Uhr. Meine erste Unterkunft ist nördlich von Prag, das ist von daheim 384 km und ich habe keine Zwischenziele geplant - ab auf die Autobahn.

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Tschechien hat zwar eine Autobahnmaut per Vignette, aber Motorräder sind freundlicherweise ausgenommen. (Das gleiche gilt auch für Polen und Slowakei.) Da mir die Route etwas langweilig erscheint, baue ich die Biker Höhle "Pekelné Doly" ("Höllengruben") ein, die mir aus 2018 in guter Erinnerung geblieben ist. Da hat ein zivilisierter Motorradclub eine Straße rein gebaut, Bühne, Gastro – und das alles ziemlich in der Natur.

Nach einigen Stunden Autobahn inkl. Rückstau vom Autobanhring Prag (es ist Freitagnachmittag) bin ich froh, endlich von der Autobahn abzufahren. Allerdings bin ich auch schon ziemlich fertig und die Biker Höhle liegt nicht wirklich in meiner Richtung. Und so fahre ich dann wenig glorreich lieber per Bundesstraßen direkt zu meiner Unterkunft. Das sind zwar auch ein paar Kurven drin, vor allem aber schleicht man Autos hinterher, die sich die Maut sparen wollen. Dabei riskiert man aber zumindest nichts.

Die Unterkunft ist ein Haus voller Ferienwohnungen. Meine hat vier Betten in einer sehr großen Wohnküche, ein gutes Bad, einen Vorraum und eine halbe Terrasse. Sie kostet umgerechnet 22 Euro, der Wirt ist aber auch mit passend gegebenen 21 Euro zufrieden, weil er keine Euros wechseln kann. Netter Mann! Corona ist in Tschechien anscheinend offiziell vorbei. Niemand trägt mehr Masken, und der Wirt gibt mir zur Begrüßung die Hand. Das bin ich nicht mehr gewohnt. Drollig noch, dass mich zunächst seine Tochter begrüßt, die Englisch kann, dann aber an ihn übergibt, der kein Englisch kann. Mit Hand und Fuß ist alles schnell gezeigt und erklärt.

Zwecks Abendessen müsste jetzt noch ein Restaurant oder Supermarkt her. In der Nähe ist kein Restaurant, aber die Supermärkte in der nächsten Stadt haben nach 18 Uhr laut Google schon zu. Ärgerlich. Es scheint aber vier Häuser weiter einen Supermarkt zu geben. Naja, da kann ich ja mal hinlaufen, ist ja kein Aufwand. Tatsächlich hat er auf und ich finde alles für ein Abendessen: Knackwurst, Müsliriegel, 1,5L Wasser. Wohl bekomm's! Achja, die daheim extra für diese Tour gekauften Knackwürste und Müsliriegel liegen natürlich noch daheim. Vermutlich gleich neben denen, die ich für den vorherigen Urlaub gekauft und liegen gelassen habe... Mit leichtem Gepäck reisen ist einfach, wenn man die Hälfte daheim vergisst ;) Außerdem kaufe ich noch ein Handtuch, denn meins habe ich vergessen und ich bin nicht sicher, ob alle gebuchten Unterkünfte mir eines zur Verfügung stellen.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#3 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:40

Sa 18.7. Sudeten: Tschechien, Polen, Tschechien

Die Nacht war etwas kurz, weil der Sichtschutz leider überhaupt kein Lichtschutz ist, und so bin ich ab 5:30 wach. Heute ist der längste Fahrtag. Der Routenplaner droht 10 Stunden Fahrzeit an - uff. Und das ist noch die kürzere Routenvariante, denn ich habe auch eine lange Variante, die ein paar Pässe mehr in Tschechien mitnimmt. Darauf verzichte ich heute gern. So geht's dann schon um 7 Uhr früh auf Achse. Das Wetter ist noch kalt, wird mittags aber warm und soll abends dann feucht werden. Also perfekt für die Membrankombi, dünne Funktionswäsche drunter, und morgens Regenhose drüber. Auf der Route stehen heute die Sudeten. Das ist der Gebirgszug entlang der tschechisch-polnischen Grenze, zwischen Erzgebirge im Westen und Karpaten im Osten. Die Sudeten gliedern sich in das Riesengebirge und das Altvatergebirge. Das Riesengebirge werde ich heute nördlich streifen, der Rest liegt in Tschechien und ist daher nicht auf der Speisekarte dieser Tour.

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Schon 20 Minuten nach der Abfahrt müsste ich auf einer Schnellstraße rechts abbiegen, was aber wegen einer Baustelle nicht geht. Die Umleitung ist wegen der bergigen Landschaft lang und kostet mich 30 Minuten. Das ist nicht das, was man an einem Tag mit 10 Stunden geplanter Fahrzeit haben will: 30 Minuten unterwegs, noch 10:20 Stunden übrig. Uff. Da muss man sich zusammenreißen. An der Grenze zu Polen war niemand. Jetzt geht's los, Pässe sammeln. Die ersten Passknacker sind noch unspektakulär und die ganzen langen Ortsdurchfahrten eigentlich nicht wert. Hier und da gibt es eine neue Umgehungsstraße, aber ich bin hier sehr im hintersten Hinterland Polens, da gibt es keine Schnellstraßen oder gar Autobahnen.

Bei einer längeren Ortsdurchfahrt mit angeschriebenem Tempo 40 laufe ich auf einen Opel Corsa auf, der ziemlich in der Straßenmitte fährt. Da bleibe ich lieber dahinter. Auf den dritten Blick erkenne ich ein Deutsches Nummernschild, aus Schleswig-Holstein. Bei Ortsdurchfahrten und anderen wenig ruhmreichen Strecke bleibe ich ganz gerne einfach hinter Autos, damit ich nichts falsch mache - oder zumindest nicht falscher als der Vordermann. Und das lohnt sich heute, denn ein Polizist betritt die Straße, hebt die Kelle und deutet entschieden auf den Corsa. Sein Kollege hinter der Hausecke hat etwas in der Hand, das als Laserpistole oder Fernglas durchgeht. Ich gucke pflichtschuldig den Polizisten an, der sich aber Null für mich interessiert, und der sich diebisch zu freuen scheint, vielleicht wegen des deutschen Nummernschildes? Da fahre ich jedenfalls gern geradeaus weiter.

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Nach den Ortsdurchfahrten geht es endlich in die Berge. Die Mittelsudeten bieten dann erstmals richtiges Bergland-Feeling, mit Skipisten und gelegentlich schicken Aussichten.

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Irgendwie flasht mich das aber nicht so recht weg, man fährt halt vor allem im Wald rum.

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Dafür darf man auch Waldwege fahren, wenn man das möchte. Ich möchte das nicht, aber Kinder auf Quads und Crossern schon.

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Viele der Passknackerpunkte sind auch bei Wanderern sehr beliebt und entsprechend ist viel los: Viele Autos fahren rum und parken, so dass es mitunter schwer ist, die geforderten Motive zu fotografieren, ohne immer auch Autos im Bild zu haben. Aber die Autofahrer sind aufmerksam und rücksichtsvoll. Auch der Straßenzustand ist überwiegend mindestens so gut wie daheim. In Summe waren 10 km Kopfsteinpflaster dabei, innerorts und außerorts. Die schlechteste Straße des Tages ist die Nordseite von Spalona. Die ist eigentlich asphaltiert, aber der Belag ist so großflächig weggebrochen, dass es eigentlich eine Schotterpiste ist. Teilweise hat auch die Erosion schon lange und tiefe Rinnen hinterlassen, die man planvoll durchfahren sollte.

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In Summe kommt man aber mit einer Versys deutlich schneller vorwärts als die beschilderten 10 km/h, wenn man das möchte. Dahinter wartet der Passknackerpunkt Spalona Przelecz, den man natürlich auch anders anfahren hätte können. Am Rückweg schlägt das Navi eine top asphaltierte Kurvenstraße vor, die ich mir allerdings mit einer Gruppe von 10 einheimischen Motorrädern teilen muss, die es überhaupt nicht eilig haben. Ich lasse mir Zeit, bleibe dahinter... aber sorry, das geht auf Dauer nicht. Freundlicherweise lassen sie viel Platz zueinander. Wo es mal ein paar Hundert Meter geradeaus geht, überhole ich so höflich wie möglich. Niemand macht sich gern 10 Feinde auf einmal, 2 davon offensichtlich Instruktoren. So wie manche fahren, haben die ein Training auch sehr nötig.

Den ganzen Tag war Regen angedroht, und einige Wolken sahen auch finster aus, aber hinter Klodzka geht es dann tatsächlich los. Zunächst nur milde, deshalb wähle ich die Membranjacke und den Fleecepulli. Am Ladecka Przelecz wird es dann aber so stark, dass ich mich in die Regenkombi schäle. Zu dem Zeitpunkt läuft es bereits munter von hinten in die Jacke, wenn ich den Kopf falsch bewege, und das Visier ist innerhalb von 5 Sekunden komplett beschlagen. Ich fahre einfach den Rücklichtern eines Autos hinterher und wische das Visier minütlich innen ab, damit ich noch erkennen kann, wo das Navi hinmöchte.

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Über den Kladske Sedlo / Ploszczyna Przelecz geht es zum Schluss noch nach Tschechien und dann sind es nur noch 30 Minuten bis zur Unterkunft. Hier hört dann auch der Regen wieder auf und die Leute laufen im T-Shirt und mit kurzen Hosen rum. Mir ist eher kalt. Weil morgen Sonntag ist, wird heute noch eingekauft, also ab in den Lidl, wieder kein Corona hier, und danach erstmal wird ein Schokobrötchen weg gesnackt als Magentröster. Meine Unterkunft heute ist ein Gasthof mit Restaurant und Biergarten nahe Rapotin, und nur 1 km von der Willa Anna entfernt, wo ich vor 2 Jahren übernachtet habe. Da war es nicht schlecht, aber hier ist es billiger ;) 17 Uhr bin ich da, was echt gut passt.

Mein Zimmer hat 2 Einzelbetten und ein großes Bad. Es kostet wieder 22 Euro, heute zahle ich aber VISA. Nach der Katzenwäsche gehe ich ins Restaurant und lasse mir von Google die Karte übersetzen, was halbwegs funktioniert. Einen Teller paniertes Hähnchenfilet mit Pommes und eine lokale Kofola (Cola) später geht es aufs Zimmer, frisch mit einem Fön ausgestattet. Fön heißt auf Tschechisch übrigens Fén :) Der Fön wird reichlich auf den Motorradklamotten gequält und nach der Dusche wird meine wallende Haarpracht *hust* damit getrocknet. Wellness pur. 455 km heute.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#4 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:41

So, 19.7. Tschechien, Slowakei

Die Nacht war erholsam, und so bin ich schon um 7 Uhr hellwach. Ich packe meine sieben Sachen, will aber noch eine Kleinigkeit am PC machen. Das ist schnell erledigt, aber beim Runterfahren fängt Windows 10 an, ein Update zu installieren. Oha, das kann dauern. Nach 10 Minuten werden ich langsam nervös. Okay, ich könnte ja schon mal frühstücken, habe doch gestern extra dafür eingekauft. So richtig Hunger habe ich noch nicht, aber hey. Der PC startet derweil für die Installation mehrmals neu. Das ist meine Gelegenheit! Als er noch in BIOS-Screen ist, also bevor Windows merkt was los ist, schalte ich ihn aus. Ha! So kann ich das Update heute Abend abschließen. Es geht also gegen 8 Uhr los. Heute steht die Durchquerung des Rests von Tschechien auf dem Plan, gefolgt vom gepflegten Pässe mampfen in der Slowakei.

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Tschechien hat freie Straße und gute Autobahnen. Ich mache ordentlich Strecke und beobachte die Wolken am Himmel, und die Wolken, die sich aus den feuchten Wiesen heben. Es sieht kälter aus, als es ist. Bei der Wettervorhersage sind sich die Propheten uneinig: Wetteronline droht mit schweren Gewittern ab 14 Uhr von Osten her, yr.no sieht für einen Ort in der Mitte nur ein paar Tröpfchen am frühen Morgen. Ohne besondere Vorkommnisse erreiche ich die Slowakei. In der Grenzregion wird es auch endlich bergig. Ab jetzt wird wieder mit Euros bezahlt, hier ist Eurozone. An den Tankstellen herrscht Maskenpflicht wie in Deutschland. Angesichts des sonnigen Sonntags sind zahlreiche heimische Motorradfahrer unterwegs. Es ist eine bunte Mischung aus alt und neu, aus Japan und Europa. Verglichen mit den Vortagen ist mehr neues und hochwertiges Zeug dabei und viel weniger Ostblock-Hardware.

Es sind schöne Strecken hier, wo man auf richtig gutem Belag herzhaft Kurven fahren und auch ein wenig Landschaft genießen kann. Es stehen viele Bäume in der Aussicht rum. Es erinnert stellenweise stark an den Schwarzwald, nur, dass es weniger dicht besiedelt ist. Blechlawinen habe ich zum Glück nur in Gegenrichtung. Und dann entscheidet sich das Wetter noch für blauen Himmel, ohne Schauer. Ein schöner Tag!

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Irgendwann bin ich eindeutigen im Einheimischen-Revier. Brülllaute Sportbikes fahren in Schräglage um die Kurven, und zwar auch nicht schlechter als die Locals in unseren südlichen Nachbarländern. Da mache ich gern mit.

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Beim vorletzten Pass denke ich mir so, der Weg hier, der sieht aber nicht befestigt aus. Es wird bald ein schmaler Schotterweg mit Furchen durch den Wald. Nach 2 km halte ich an und schaue nach: Tatsächlich, der ist mit XXX gekennzeichnet und gar nicht verpflichtend für den Landespreis. Aber es sind nur noch 2 km, ich fühle mich wohl und habe noch Zeit heute. Also weiter. Die Erosionsspuren sind teilweise recht beeindruckend, aber mir kommt bald ein Quad entgegen, so dass ich mich sicher fühle. Ich komme ohne Katastrophen bis zur Passhöhe und bin sehr stolz.

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Irgendeiner netter Mensch hat auch die Auswaschungen ausgestopft.

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Auf dem Weg runter räume ich noch einen dicken Ast beiseite und werde von zwei Straßen-Enduros überholt. Macht ihr mal. Dann kommt mir ein VW Bus T5 in Hochglanz entgegen - okay??? Ob das gut geht? Was mich aber mehr interessiert, mein Motorrad klingt irgendwie den ganzen Tag schon zunehmend laut und zieht vielleicht auch etwas schlechter. Außerdem drehen sich immer wieder Fußgänger nach mir um, was kein gutes Zeichen ist. Bei einer Pause riskiere ich einen Blick unter das Motorrad, und siehe, die Dichtung aus dem Anschluss vom Krümmer zum Endtopf ist nach vorne gewandert. Ein undichter Krümmer macht natürlich Sssssaaaauuund. Nicht, dass sowas hier ortsunüblich wäre, ungefähr jeder zweite hat einen völlig leeren Endtopf, dagegen bin ich noch harmlos, aber mich nervt das selbst und außerdem ist es einfach scheiße, so zu fahren.

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Die Unterkunft liegt in einem Seitental 7 km von der Hauptstraße. Das Haus ist schnell zu finden, aber es sieht leer aus. Ein Anruf – man spricht Englisch – klärt die Lage: Sie hat geschlossen, schon lange, aber er sucht mir eine Alternative. Einen Ort weiter gibt es in einem belebten Gasthaus nur noch ein Zimmer, das größte, es soll 30 Euro kosten. Nachdem verstanden wurde, dass ich von Tomasz von der anderen Unterkunft geschickt wurde – man spricht Englisch – sollen es nur noch 20 Euro sein. Das ist sehr okay - besseres Zimmer, gleicher Preis. Und Restaurant im Haus. Außerdem ist Party im Haus mit Gesang und Kapelle. Corona ist hier wohl schon vorbei, ich halte mich aber bewusst fern und kümmere mich um die Reste meiner Auspuffdichtung.

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Das hält bestimmt, mindestens 25 km! Zum Abendessen gibt es einen ausgiebigen Spaziergang durchs Dorf.

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Und für den Magen gibt es Pizza (schön italienisch mit Mozzarella) und ein alkoholfreies Radler für zusammen 8 Euro. Das kann ich mir leisten. Die Getränkekarte dürfte ohnehin bei manchen Fernweh auslösen.

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Abends bei der Auswertung am PC dann der Schreck: Bumbalka fehlt! Das ist ein Passknacker auf der Grenze zu Tschechien. Den muss ich bei der Planung übersehen haben, weil er genau auf der Grenze liegt, und sein Nachbar, Valessky Senk, zählt zu Tschechien. Das ist 75 km westlich von meiner Unterkunft und damit noch erreichbar. Ich plane abends um. Die für morgen geplante Route wächst damit von 510 km auf 636 km an, 126 km länger. Das Navi schätzt unfassbare 14 Stunden Fahrzeit. Schöner Mist! Naja, man kann nur anfangen. Verlässt mich die Kraft vorher, kehre ich früher ein - die Unterkünfte sind alle nicht SO teuer, dass mich das in Schwierigkeiten bringen würde. Oder ich schiebe eine längere Pause ein, die geplante Unterkunft empfängt Gäste bis 22 Uhr. Allerdings wird es ab 20 Uhr zunehmend dunkel hier, was ungewohnt ist. Es ist noch die gleiche Zeitzone hier, obwohl ich viel weiter im Osten bin. Ich habe jetzt 35% von Polen (49 Pässe) und 19% der Slowakei (69 Pässe). 544 km heute.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#5 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:41

Mo, 20.7. Laaanger Tag, Slowakei mit Bumbalka-Umweg, Polen

Heute fahre ich von der Slowakei wieder nach Polen, knacke dort fleißig Pässe und übernachte dann dort. Ungeplant muss ich noch den Pass Bumbalka an der Tschechischen Grenze einbauen, 126 km Umweg. Das Navi droht mit 14 Stunden Fahrzeit. Zusätzlich zu den bereits geplanten 511 km echt kein Pappenstiel.

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Zum Glück bin ich früh wach, so gegen 5:30, und auch schon fit. Also ist 6:15 bereits Abfahrt. Heute ist Mischwetter angesagt, kurze Schauer sind möglich, sonst wechseln Bewölkung und Sonnenschein. Es sind bereits viele Leute auf den Beinen bzw. Rädern.

Den ersten Pass hoch habe ich anfangs Bodennebel, weil die Feuchtigkeit der Nacht verdunstet. Sehr skurril, im Nebel den Berg hoch zu fahren, und dann plötzlich blauen Himmel und eitel Sonnenschein.

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Nach der ersten Passhöhe habe ich gleich mal eine richtig schlechte Strecke vor mir. Schlaglöcher, die einem Angst machen, und in denen teilweise das Wasser steht. Überraschungen sind da nicht ausgeschlossen, also lieber außen rumfahren, denn wenn ein Rad von der Länge her reinpassen würde, dann vielleicht auch von der Höhe... Dazu noch Kies und Wasser, fertig ist das Abenteuer-Feeling. Da kann ich doch eigentlich gleich nach Tadschikistan fahren, bzw. spare ich den Weg dorthin für das gleiche Abenteuerfeeling. Das erklärt auch, warum außer mir hier sonst niemand fährt.

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Das ist ja alles ganz nett und schön, aber eigentlich habe ich es heute eilig. An der nächsten Kreuzung ist aber alles wieder normal und ich kann fröhlich mit den eiligen Einheimischen Bundesstraßen entlang bratzen und über den nächsten Pass drüber. Der ist schick!

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Der Weg zum Bumbalka kommt mir sehr bekannt vor. Klar, den Weg zum Pancava bin ich ja gestern schon gefahren, nur die nächsten 12 km eben nicht. Und das rächt sich heute... Direkt vor dem Bumbalka komm ich am Punkt Valessky Senk vorbei, ein Kriegsdenkmal und prima Rastplatz. Dann knacke ich den mal, auch wenn er zu Tschechien gehört, und raste. Von gestern sind noch 3 Stücke Pizza da, liebevoll in Alufolie verpackt. Das erste muss dran glauben. Außerdem können die wasserdichten Schichten aus der Klamotte. Gegenüber kommt ein älterer Herr, wenig trainiert, auf einem Herrenrad an, und drapiert seinen Drahtesel vor dem Denkmal. Quer über die Straße verständigen wir uns mit Hand und Fuß, er will ein Foto von sich. Das hat er sich auch verdient. Ich mache dann mal mein Foto am Bumbalka, immerhin hat es mir den Tag ordentlich verlängert.

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Nach dem Stopp am Bumbalka geht es zickzack nördlich, in eine zunehmend einsame Region der Slowakei, und schließlich nach Polen rein. An der Grenze ist wieder mal niemand. In Polen habe ich als erstes einen kleinen und einen großen LKW vor mir, die dicht hintereinander einen Pass runter pflügen und anschließend durch sämtliche Ortschaften braten, dass es staubt, bis die Augen jucken und der Kaugummi knirscht. Außerdem kann man nicht dran vorbei gucken und überholen wäre auch übertrieben. Leider hat Polen wirklich viele wirklich lange Ortschaften und gar nicht so viele Unterbrechungen zwischen zwei Ortschaften, die dann auch noch eher unter 500 Meter lang sind. So ist es doch ein ziemliches Gezuckel bzw. werden hohe Anforderungen an meine Aufmerksamkeit gestellt. Einem Einheimischen hinterher fahren ist da nicht das schlechteste, aber mit so viel Abstand, dass man vom Querverkehr noch gesehen und wahrgenommen werden kann.

Es ist Werktag und alle sind unterwegs. Außerdem sind anscheinend Ferien, und meine Route führt mich durch touristisch geprägte Ski- und Wander-Orte. Auch hier wieder, fast alles innerorts. Das Navi plant für den Tag mit einem Schnitt von 45 km/h, und da sind auch Bundesstraßen dabei - zu Recht, wie sich gerade zeigt. Immerhin, gut für’s Auge, Baukunst aus Holz. Kirchen wie in Norwegen und pittoreske Häuser.

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Am dritten polnischen Pass fahre ich in einen Schauer hinein und lege ein wenig ungelenk die Regensachen an, wobei es mir echt schwerfällt, mich zwischen Membran und Gummiüberziehen zu entscheiden. Erschwerte Entscheidungsfindung ist übrigens ein Indikator für Müdigkeit. Der Tag zieht sich. Nach gerade mal 11 Stunden Fahrzeit meldet das Headset: Battery low. Echt jetzt, Sena? Was ist das denn für einen Warmduschergerät? Wie soll man so 'ne Tagestour überstehen? Okay, das war jetzt übertrieben ;) aber ich habe ja nicht mal Intercom benutzt. Das China-Headset konnte das besser. Die Laune treibt das nicht hoch. Die anderen beiden Pizzastücke sind weg und auch das Wasser ist aufgebraucht, Zeit für einen Supermarktbesuch.

Da hat jemand sich eine Maske, bzw. einen Spuckschutz selbst gebaut, indem er ein Pinlock-Innenvisier an sein Brillengestellt gedübelt hat. Clever, aber vermutlich recht wirkungslos. Für mich gibt's Kekse, die Leibniz Minis wirkten geeignet. Die ersten 50 Gramm mampfe ich an der nächsten Passhöhe, unter den neidischen Blicken abnehmwilliger Radfahrer. Ihr kriegt nix! (Weil ihr nicht fragt...)

Richtig unterhaltsam wird's dann erst außerhalb des Touristenreviers. Wo es im Tal noch Furten gibt, da hat man am Berg einfach mal 20 km Passstraße und kann die in Ruhe fahren. Gelegentlich mal 'nen LKW überholen und gut ist. Einfach nur Motorrad fahren, darum bin ich schließlich hier.

Als ich Pinkelpause mache, parkt ein Einheimischer Jungbiker neben meinem Motorrad und begibt sich an die Außenseite der Kehre, hinter der ich parke. Ich brauche eine Weile um zu verstehen, was er vorhat: Posingfotos von einem Kumpel machen! Nur hat der Kumpel das Memo nicht bekommen, sieht zwei Motorräder parken, und stellt sich daneben. Manche Reflexe funktionieren international ;) Sein Fotofreund kann deutsch und wir erzählen uns das übliche Bikerzeug. Woher, wohin, wie lange, wo tut's weh. Diese sofortige Connection über alle Grenzen hinweg schätze ich sehr an diesem Hobby.

Die Route verläuft weiterhin gnadenlos durch kilometerlange Dörfer. An mir zerrt die Müdigkeit, also mache ich 20 km vor dem Ziel tatsächlich noch 20 Minuten Pause und mampfe die restlichen Kekse weg. Das hilft. Ich muss zwar nicht bei Dunkelheit fahren, aber es dämmert am letzten Passknacker schon.

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Die Unterkunft ist schnell gefunden, vor allem, weil ich vorher bei Street View genauestens geschaut und die Hausnummer 3A ausgeschrieben ins Navi übertragen habe, denn an diesem Privathaus weißt nichts darauf hin, dass hier Gäste willkommen sind. Eine Omi begrüßt mich auf Polnisch, wir verstehen, dass ich hier richtig bin, aber haben keine gemeinsame Sprache. Ihre Tochter kommt hinzu, kann einwandfrei englisch... und verschwindet dann wieder? So zeigt mir dann die Omi alles an der Fewo und erzählt dabei viel. Ich verstehe nix, aber habe alles gesehen - passt. Ich bin der einzige Gast, so dass das Gemeinschaftsbad der 3 Zimmer heute allein meins ist. Ohne Aufpreis! Für umgerechnet 18 Euro ist sogar ein Fön dabei. Den WLAN-Key muss ich erfragen und bekomme ihn handschriftlich auf einen Zettel geschrieben, wobei sich die beiden Damen des Hauses darum streiten, wer es schreiben darf. Familiendynamik kennt man doch auch irgendwie überall :)

So, dann wäre da aber noch der Hunger. Google Maps schlägt Restaurants vor, die sind aber nicht fußläufig. Also nochmal aufs Mopped? Klar, dafür ist es doch da! 3 Minuten später bin ich am Restaurant, es hat geschlossen. Wegen Montag, oder noch wegen Corona? Dann eben das andere Restaurant von Google Maps! Nicht auffindbar. War da nicht vorhin eine riesige Tafel mit einem Burger drauf? Hingefahren, geschlossen. Hmpf. Nochmal Hauptstraße rauf und runter, da ist ein riesiges Hotel/Wellness/Pizza Tempel. Dort hingefahren, sieht es draußen ziemlich runtergekommen aus. Drinnen sehr leer. Drei Mal ums Eck sitzen Leute an einem Tisch im Außenbereich und geben eine Bestellung auf, die Kellnerin bejaht auf Englisch, dass Open sei. Ich setze mich einen Tisch weiter und erwarte geduldig mein Schicksal. Leider passiert sonst nicht viel. Muss man drinnen bestellen? Ich gehe rein, da kriegt gerade ein neuer Gast ein Bier gezapft. Auf Tafeln stehen Gerichte. Hm, Burger wäre schon gut... aber andererseits, das dauert wieder, es wird jetzt wirklich dunkel, und duschen wollte ich auch noch. Außerdem habe ich noch Wurst im Tankrucksack. Prima, kommt die auch gleich weg. Also unverrichteter Dinge den Laden verlassen, das Personal ignoriert mich weiterhin, oder jeder macht halt nur genau seinen Job, zur Fewo zurück gefahren, Wurst essen, duschen, Katzenwäsche, 21:30 Licht aus. Für 14 Stunden und 624 km im Sattel echt gut gelaufen heute.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#6 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:42

Di, 21.7. Polen, Slowakei, Polen

Heute fahre ich von Polen in die Slowakei und wieder zurück, hin und her, am Ende wieder nach Polen, und knacke dabei fleißig Pässe auf beiden Seiten der Grenze.

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Heute ist es eigentlich trocken, aber ein regnerischer Wolkenschleier zieht durch, und zwar genau in meine Richtung. Mal sehen. Die Nacht ist kurz, weil es in meiner Bude keinen Lichtschutz gibt - ab 5 Uhr früh taghell. Dann stehe ich halt auf, wird ja auch früh wieder dunkel. Heute liegen die Punkte etwas weiter auseinander, dafür sind weniger elend lange Ortsdurchfahrten dabei. Oder ich merke es nicht mehr so, das kann auch sein. Ich bin jetzt mitten in der hohen Tatra. Es geht öfters über 1000 Meter. Da kann man auch mal in Ruhe frühstücken.

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Ich bin aber längst nicht überall alleine, viele Urlauber sind hier. Ich sehe auch Nummernschilder aus Litauen und Norwegen. Und jede Menge Autos. An den Wanderparkplätzchen ist richtig viel Stau. Uff. Darauf war ich jetzt nicht eingestellt. Die Landschaft ist aber auch attraktiv.

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Daran ändert auch ein kleines Schauer nicht. Es ist nicht umsonst so grün hier.

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Die Datenqualität vom Passknacker lässt leider nach. Die angegebenen Fotomotive existieren nicht mehr, oder sind nicht am angegebenen Ort, sondern 400 Meter weiter. Das ist nervig, kostet Zeit, und im Verkehrsgeschehen steht man dabei auch reichlich blöd rum. Dass die Fotos im Winter und teilweise im Nebel gemacht wurden hilft mir gerade auch nicht weiter. Ich habe Sonnenschein. Aber ich finde an jedem Punkt ein eindeutiges Motiv und knipse vorsichtshalber, um Rückfragen parieren zu können, noch die Passhöhe in beide Richtungen. Wegweiser und Kilometersteine gehen auch immer. Derweil trocknet es wieder ab.

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Es ist kurvig hier und macht ähnlich süchtig wie manch griechische Insel – oder so?

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In der Slowakei wird das Flair zunehmend russisch. Kirchen mit vergoldeten Zwiebel-Dächern, zweisprachige Ortsnamen (lateinisch, kyrillisch).

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Schick sind auch die frei hängenden Stromleitungen, die werde nämlich von den Störchen zahlreich und dankbar angenommen.

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Irgendwann erreicht mich dann leider der Regen, also rein in die Regenkombi. Das macht nicht so viel Spaß, und irgendwie ist es immer hinter mir heller als vor mir. Da lohnt sich doch eigentlich eine Pause? Schnell mal tanken, reicht dann für heute, und aufs Regenradar gucken: Ja, diese eine sehr große Wolke fährt meine Route vor mir ab. Das nächste "Motorest" ist dann meins, es stehen auch ein paar Motorräder davor - dann kann's ja nur gut sein! Dort gibt's 450 Gramm Hähnchenbrustsalat und 0,5 L Cola für mich, macht 6 Euro. Das Lokal hat tatsächlich kein Handynetz, aber dafür natürlich ein kostenloses öffentliches WLAN, dass so schnell ist, als wäre ich allein und zuhause.

Die Tour heute ist mit 11 Stunden wieder sehr lang, so dass das Sena wieder Angst kriegt. Nach dem letzten Grenzübertritt nach Polen rein habe ich sagenhafte 30 km einen Streifenwagen der Polizei vor mir, den ich aus Höflichkeit nicht überhole. Immerhin, so kann mir nichts passieren. Meine Unterkunft ist heute ein 5 Bett-Zimmer mit eigenem Bad. Es gibt noch drei weitere Zimmer, die sich ein Bad und eine Dusche teilen müssen. Das kostet mich sagenhafte 12 Euro. Ich bin auch nicht der einzige Gast hier. Zwecks Abendessen decke ich mich im nächsten Dorfsupermarkt 2 km weiter ein - zwar nicht so herzhaft wie gewünscht, aber dafür lecker und sündig. Gesund gab's schon heute Mittag ;) 509 km heute.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#7 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:44

Di 22.7. Polen fertig, Slowakei

Heute kehre ich Polen den Rücken und fahre in die Slowakei, wo ich dann auch bleibe. Am Ende des Tages stehen hoffentlich 100% Polen. Allerdings auch wieder 11 Stunden Fahrzeit.

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Polen ist jetzt ländlich und man hat auch mal ein paar Kilometer ohne Ortsdurchfahrt. Dafür mehr Touristen und weiterhin lange Entfernungen zwischen den Passknackerpunkten. Ich erreiche den östlichsten Punkt meiner Reise und meiner bisherigen Motorradkarriere: Von Wyznej Przelecz nach Süden geht es schon knapp in die Ukraine.

Ich fahre ab jetzt wieder insgesamt westlich, in den Sonnenuntergang, und auf Miss Blahwas zu ;) Und das war dann auch schon mein vorletzter Pass in Polen. Der letzte heißt Szczerbanowka Przelecz. Ich will das Motorrad fürs Foto besonders clever parken und wende auf einem sandigen Streifen am Straßenrand, wobei mir der Fuß wegrutscht und ich keine andere Möglichkeit mehr sehe, als die Versys recht sanft abzulegen und meine Gräten in Sicherheit zu bringen. Der Lagesensor stellt den Motor ab, und ich sortiere mich: Alles gut! Topcase abbauen, dann klappt das aufheben leichter. Hier sind doch eigentlich genug Touristen? Mal dem Auto dort winken, prompt kommt ein junger Pole angetrabt: Alles gut, bitte aufheben helfen. Bis ich 1, 2, 3 zählen kann hebt er das Motorrad schon alleine am Topcaseträger vom Boden - gemeinsam klappt's gut. Vorher den Seitenständer ausklappen wäre noch schlauer gewesen, das kriege ich aber auch jetzt noch hin. Puh! Da wird einem warm. Zündung aus, Zündung an, Motor startet. Umparken, Foto machen, und Pause einlegen. Es ist noch Essen da. Und damit habe ich 100% Polen! Zur Feier ein Selfie für die Passknacker-Datenbank!

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Bald geht’s wieder in die Slowakei rein, und dort bleibe ich dann auch den Rest des Tages und danach noch eine Weile. Es ist wirklich sehr ländlich hier. Wegen Hitze und Mattheit mache ich eine Pause am Supermarkt und mampfe ein Magnum am Parkplatz. Man darf vor nix fies sein.

Diese Tour hat insgesamt wenig niedliche Aussichten, weil meistens viel Wald rumsteht. Dieser Badesee ist eine Ausnahme, und die Gastro am See scheint geöffnet zu sein. Als rein da, auf dem Parkplatz fast noch im feuchten Gras/Matsch ausgerutscht, und als frühes Abendessen einen Hamburger mit Seeblick gemampft.

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Danach habe ich endlich mal schlechte Straßen. Ist ja peinlich, wenn man daheim schlechtere Straßen hat als knapp vor der Ukraine! Das Topcase macht es noch tapfer mit. Bisher war der Zustand 50% tadellos, wie nagelneu, 30% wie in Deutschland auf Hauptstraßen und 20% wie in Deutschland auf Nebenstraßen. Dafür glänzen die Kirchturmspitzen weiterhin, und die Gräber auf den Friedhöfen sind überall in Tschechien, Polen und der Slowakei top gepflegt und von der Straße aus zu sehen.

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Mein Getriebe fühlt sich knochig an, der Leerlauf geht nicht mehr ohne weiteres rein. Mir schwant Übles, denn bei meiner letzten Versys hatte ich einen Getriebeschaden. Nach kurzem Nachdenken und einen Blick auf den Lenker stelle ich fest, dass sich nur der Kupplungszug verstellt hatte - rausdrehen, und alles ist gut. Das sollte sich im weiteren Urlaub noch wiederholen. Ebenso wie der links Rückspiegel, der alle 10 Minuten einklappt, weil er nicht fest genug mit dem Lenker verschraubt ist.

In ein paar Bergdörfern der Ostslowakei bzw. außerhalb davon fahre ich an bevölkerten Elendsbehausungen vorbei. Da hausen Menschen anscheinend ohne Strom und Wasser in Bretterbuden und einstöckigen 5x5 Meter Rohbauten. Ich kann kaum glaube, dass es sowas in der EU noch gibt. Aber die Autos haben noch Nummernschilder, und die Kinder scheinen Spaß am Leben zu haben. Sie motivieren Motorradfahrer, ordentlich Gas zu geben. Den Gefallen tue ich ihnen gerne. Mir gefällt mehr die immer mal wieder tolle Aussicht auf Berge.

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Gegen Ende der Route beginnt es dann schon zunehmend zu dämmern, zumindest im Tal.

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Meine Unterkunft heute ist oberhalb einer Bar. Ich werde zur Anmeldung vollgeraucht. Sonst ist aber eine gute Unterkunft und mit großen 3 Bett-Zimmer. Das Motorrad steht auch erstmals überdacht.

522 km heute. Ich habe 100% Polen und 52% Slowakei :)

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#8 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:44

Mi 23.7. Slowakei

Heute bin ich mal nur in der Slowakei unterwegs. Ein ganzer Tag ohne Grenzübertritte - fast schon ungewohnt. Ich schlafe schlecht, weil mein Kissen anscheinend mit einer Mischung aus Daunen und Zement gefüllt ist. Zumindest bin ich drauf allergisch und es ist zu hart. Die Route führt mich heute im Zickzack durch die Mitte der Slowakei.

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Leider werde ich schon recht früh von einem Mann mit Kelle angehalten... der mich nur vor einer Straßensperrung warnen möchte. MÖÖÖÖÖP, das kann man als Passknacker auf Landespreismission ja gar nicht gebrauchen. Zum Glück kann er englisch. Eine eingestürzte Brücke auf einer Passstraße ist aber ein gültiger Grund, es auch als Motorradfahrer wirklich nicht zu probieren. Den Sedlo Predna Hora kann ich also nicht von Süden anfahren. Eine Umleitung muss her. Mein Navi schlägt einen Weg vor, der nicht so weit ab ist, aber eine Stunde länger dauert. Das kann ich mal versuchen, auch wenn ich etwas misstrauisch bin. Eigentlich müsste der Umweg weiter sein. Es geht asphaltiert in den Wald hinein und den Berg hoch. Irgendwo endet des Asphalt und es stehen Schilder, die ich nicht verstehe. Hmmm. Man könnte jetzt anhalten und bei Openstreetmap nachgucken, wie es weitergeht, aber wo bleibt denn da das Abenteuer? Die Straße ist doch gut!

Natürlich wird die Straße bzw. der Weg immer schlechter, immer steiler, und so richtig trocken ist es auch nicht. Dafür bin ich wahrscheinlich der einzige Mensch im Umkreis von 20 km. Immerhin, als ich doch mal bei OSM nachschaue, habe ich LTE, und der Weg führt tatsächlich zum Sedlo Predna Hora, und er wird nicht noch schlechter, zumindest nach der OSM-Klassifizierung. Da ich bereits 200 Meter höher als der anvisierte Pass bin muss ich also auch wieder runter. Auf einem einen unbefestigten Weg mit der Versys bergab fahren ist nicht so richtig cool, denn das ABS ist nicht deaktivierbar. Man sollte es also vermeiden, stark zu bremsen, sonst rodelt man auf ruckelnden Rädern auf geradem Weg bis ins Tal bzw. bis ins erste feste Hindernis. Ich muss da wirklich mal einen Schalter hinter die Sicherung bauen bzw. zwischen Raddrehzahlsensor und Steuergerät.

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Bald komme ich zu einem Weidezaun, dahinter viele Kühe, daran ein Zettel. Slowakisch kriege ich mit dem Handy übersetzt.

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Da steht: Bitte den Zaun wieder schließen, die Kühe ziehen ihre Kinder auf. Hmmm. Sollte ich da mit dem Motorrad durchfahren? Zwischen Kuh und Kalb? Während ich hadere, sehe ich eine Gruppe Wanderer ankommen. Prima, die kann ich fragen. Ich öffne ihnen das Tor und wir kommen auf Englisch ins Gespräch. Na klar kann ich da fahren, die Straße ist gut. Dass es die Kühe oder irgendwen stören könnte, der Gedanke kommt ihnen gar nicht. In Deutschland würde man für sowas wohl erschossen. Also gaaanz vorsichtig da reingefahren und die Kühe dezent verscheucht. Kälber galoppieren entlang des Weges, das hilft auf Dauer nicht... und dann ist auch schon die zweite Kordel, prima, fast fertig.

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Dann geht's den Berg runter, und zwar wesentlich steiler als hoch. Macht mir nichts, 1. Gang einlegen und mit Standgas runter. Wo es schneller geht auch im 2. Gang. Dann kommt erkennbarer Asphalt unter dem Naturboden und ich bin glücklich, fahre auf der Mitte entlang... bis ich 50 cm tiefe Abbrüche zu den Spuren rechts und links sehe, und ich fahre längst in der Mitte entlang. Jetzt bloß nix falsch machen! Und hoffen, dass es vorne sanft runtergeht. Ob die Wanderer das bemerkt haben? Mögen die mich überhaupt, oder schicken die mich absichtlich in die Scheiße? So oder so, es geht gut, und ich komme am Ende an der Straße raus, wo ich tatsächlich hinwollte. Ich bin sogar schon einen Pass weiter. Zum Sedlo Predna Hora geht es links, und nach rechts geht meine Route weiter. Ich frage eine Autofahrerin, ob die Straße gesperrt sei, und sie meint, in ein paar Kilometern links. Perfekt! Ich fahre links und erreiche den Sedlo Predna Hora. Dahinter ist die Straße gesperrt. Wie vermutet ist die Sperrung also an der Südseite des Sedlo Predna Hora. Gut, dass der Umleitungsmann heute Morgen Englisch konnte. Im Nachhinhein betrachtet hätte man diesen Versuch aber alleine besser nicht gestartet.

Es folgen ein paar kleinere Pässe. Hier fällt die Dichte an touristischen Motorradfahrern auf. Ich bin jetzt wohl im Touri-Mainstream-Gebiet unterwegs. Und das hat auch seinen Grund, denn hier hat man kaum Ortsdurchfahrten, dafür aber Kurven, Landschaft und prima Straßen. Kurz: Spaß am Gas! ;)

Es gibt ein paar Passknacker in der Slowakei, die in keine Route so recht reinpassen. Priesmyk Branisko ist so einer. Ich fahre bei Levoca unter der Autobahn durch, und dann am Stadtrand entlang zurück zur Autobahn, wo eine gigantomanische Autobahnauffahrt gebaut wurde, als gelte es, Avus, Indianapolis und Daytona nachzubauen. Tipp für Knieschleifer! Ebenfalls kurios: Außer mir fährt hier niemand. Auf der Autobahn genieße ich den Fahrtwind und lüfte die Birne etwas, denn viel Konzentration braucht man hier nicht - es ist kaum Verkehr. Der Pass ist dann ganz nett, aber besser als das Kreuz gefällt mir eigentlich das Graffiti auf dem leerstehenden Haus daneben.

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Und dann geht's auf gleichem weg zurück, aber die Autobahn noch weiter westlich. Hier bauen sich rechts richtig hohe Berge auf, da bin ich ja gespannt. Zunächst muss ich links, durch Poprad durch, eine typische Ostblockstadt. Zwei Pässe in der Nähe und einen im Hinterland sammeln, und dann wieder unter der Autobahn durch, auf die imposanten Berge zu.

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Der Passknacker hat den griffigen Namen "Strbské Pleso / Rázcestie Pred Heliosom" und ist mitten einem Touri-Skiort, der auch im Sommer gut gefüllt ist. Mit 1322 Meter dürfte es einer der höchsten Punkte der Slowakei sein, und er ist touristisch überlaufen.

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Ab jetzt geht's vor allem nach Süden. Der Norden der Slowakei wäre abgehakt. Ein großer Höhenübergang auf dem Weg in den Süden ist Certovica. Hier sitzt auf der Höhe eine Hütte mit Terrasse und Aussicht.

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Da sage ich nicht nein, langsam kommt auch ein Hüngerchen auf. Die Bedienung vergisst anscheinend meine Bestellung, aber nach einer Erinnerung kommt das Essen und Trinken flott auf den Tisch. Ceasar-Salat und Kofola. Leider wird die eine dicke Wolke nicht nur dunkler, es fängt auch an zu regnen. Erst leicht, dann hart. So hart, dass ich den Helm aufsetze, bevor ich zum Motorrad gehe, um die Regensachen zu holen. Als ich aufsitze, lässt der Regen bereits wieder nach, und bald ist er weg. Die Gischt der Autos bleibt leider, denn das hier scheint eine wichtige PKW-Transitstrecke zu sein. Am Fuß des Passes biege ich ab und habe die Straße wieder für mich alleine. Schon am Sedlo Pravisa bin ich wieder trocken und lege das Regenzeug ab.

Dann folgen kleinere Pässe am ADW. Teilweise sind die Wege zwischen den Punkten weit, obwohl es auf der Karte kürzer aussieht. Als ich am Ende des Tages bereits mit den Kräften ziemlich am Ende bin, komme ich auf die fragwürdige Idee, einen direkteren Weg zu versuchen, und erlaube unbefestigte Straßen. Das China-Navi freut sich, mit einen 15 km kürzeren und 3 Minuten schnelleren Weg vorzuschlagen, der nur 100 Meter unbefestigt sein soll. Den will ich ausprobieren. Dafür muss ich leider einige Kilometer den Weg zurückfahren, den ich gerade gekommen bin. Und das war eine so schlechte Straße, dass man sich die Fahrlinie aussuchen muss, wie bei einer Naturstraße. Nur dass man nicht so weich fallen würde. Au Weia. Ich beiße die Zähne zusammen und halte durch. Dann kommt die Abzweigung, und ich habe Bedenken. Aber seht selbst:

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Nein, ich fahre jetzt ganz sicher keine Flussdurchfahrt und dann steil in den Wald rein, du chinesisches Schlitzohrennavi! Was sagt eigentlich das Garmin? Es gibt noch einen anderen, etwas weiteren Weg? Dann machen wir doch den! Es geht den Weg weiter zurück, und dann rechts ab, zwischen gepflegten Häusern durch auf einer 2 Meter breiten Asphaltstraße. Da fühle ich mich wohl. Als ein Traktor auf der ganzen Straßenbreite parkt, während hinten Heu entladen wird, wundere ich mich schon, aber ich mich dran vorbei zaubern.

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Dahinter will Chinanavi nach links (Flussdurchfahrt) und Garmin rechts (Schotterweg). Flussdurchfahrt kommt nicht in Frage. Den Schotterweg fange ich an, erkenne aber bald die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens. Es ist nach 18 Uhr und dämmert schon. Es hat heute geregnet. Ich sitze seit 10 Stunden und 500 Kilometern im Sattel. Ich hatte heute schon ein Schotterabenteuer. Ich bleibe jetzt auf befestigten Straßen. Und ich will nicht das dritte Mal diese richtig schlechte Strecke fahren. Tatsächlich geht das auch und ich komme in Hrinova an. Da gibt es auch eine Tankstelle. Es ist inzwischen nach 19 Uhr und damit haben alle Geschäfte geschlossen. Also gibt es den Abendsnack und Frühstück von der Tankstelle, und gleich noch einen vollen Tank für Morgen.

Die Unterkunft heute ist ein richtiges Hotel in Hrinova, das bisher modernste. Es liegt in einer Kleinstadt und damit für meinen Geschmack zu zentral - je mehr Leute in der Nähe, desto eher passiert meinem Motorrad nachts etwas. Der Checkin zieht sich über 20 Minuten hin, weil mir mit Hand und Fuß alles erklärt wird, was eigentlich selbsterklärend ist. Außerdem muss ich zwei Formulare ausfüllen, und erstmals auf dieser Reise wird bei mir Fieber gemessen: Laser auf die Stirn ergibt 36,5°. Ich bin halt 'ne coole Sau. Das Zimmer hat ein eigenes Bad, wie sich das in Hotels gehört, Handtücher und Fön! Dafür ist es mit 25 Euro auch das bisher teuerste. Es würde auch Frühstück gegen Aufpreis geben, aber das will ich nicht.

Ich habe 100% Polen und 84% Slowakei. 550 km heute.

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#9 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:45

Fr 24.7. Slowakei fertig, Österreich

Heute schließe ich mit der Slowakei ab und fahre nach Österreich, wo ich dann knapp vor Wien übernachten werden. Am Ende des Tages stehen hoffentlich 100% Slowakei.

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Ich schlafe dank Lichtschutz länger als sonst, komme dann aber gut aus dem Bett, auch weil die Deckenlampe jedes Mal klappert, wenn in der Etage über mir jemand auftritt. Das Motorrad ist noch da und der Checkout verläuft glatt, außer dass ich dafür quer durch die morgens schon vollgerauchte Bar muss. Ich lüfte mich aber danach gründlich aus ;)

Die heutige Route hat in der Slowakei 2 Cluster mit je 5-6 Passknackerpunkten, davor, danach und dazwischen sind Überführungsetappen. Also 70 km Bundesstraßengebratze, Pässe, 90 km Bundesstraßengebratze, Pässe, Slowakei fertig, dann 90 km Bundesstraßengebratze mit Autobahn und einem Miniabstecher schon in Österreich.

Mein Auspuff ist weiterhin sehr laut. Eine genaue Prüfung ergibt, dass die Dichtung komplett weg ist, und dass der Krümmer frei gegen den Topf schwingen kann. Aus der Lücke dazwischen kommt Saaaauuund raus. Und das klingt ehrlich nicht viel anders als diverse Zubehörtöpfe. Weil es ein Underengine-Auspuff ist, geht der Lärm eher zur Seite als nach hinten. So würde ich in Deutschland nicht rumfahren und auch hier schäme ich mich etwas, auch wenn ich damit in guter Gesellschaft bin. Also versuche ich über den Tag, eine Lösung zu organisieren. Ich komme später an Bratislava vorbei, Hauptstadt der Slowakei, und dort gibt es auch Kawasaki. Es braucht 4 Anrufe, 2 SMS und 3 Emails, bis sie mir sagen, dass sie das Teil nicht auf Lager haben. Diverse Werkstätten in der Nähe von Wien haben samstags gar nicht auf, und was nicht Kawasaki ist, hat die richtige Dichtung auch garantiert nicht auf Lager. Dann muss ich wohl in einem Baumarkt was zum ferkeln suchen, es muss ja nur der Spalt geschlossen werden mit etwas hitzefestem. Für daheim bestelle ich mir schon mal die neue Dichtung zu 10 Euro inkl. Versand, Lieferung bis Mittwoch.

So, Tagesablauf. Die ersten Punkte sind im Hügelland zwischen 500 und 750 Meter. Es ist ganz nett zu fahren, haut mich aber auch nicht um. Nur den Penhybel, den will mein Navi von Süden anfahren. Ich habe bei der Planung nicht gesehen, dass das Schotter ist. Laut meines China-Navis ist es auch befestigt. Immerhin kommen mir Lieferwagen und zivile PKW entgegen, dann kann das nicht so schlimm sein. Denkste... 5 km, die es in sich haben. Tiefe Löcher, auch auf ganzer Breite und Auswaschungen, aus denen das Motorrad nicht mehr raus will. Eigentlich ist Schotter fahren ganz einfach: Nicht anhalten und nicht vom Weg abkommen. Ich bin aber froh, als ich wieder PKW parken sehe, denn dann ist klar, ab jetzt wird's leichter. Bald ist's geschafft. Puh!

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Bis 11 Uhr bin ich mit der ersten Passgruppe durch. Es folgt wieder Strecke machen, mit einem Besuch bei Lidl und anschließender Pause an einer schattigen Bank am Wegesrand knapp vor der zweiten Pässegruppe. Hier wird's streckenweise schon einsamer, ansonsten habe ich den ganzen Tag mehr oder weniger viele LKWs und Autos vor mir. Der Westen scheint dichter besiedelt zu sein als der Osten und es ist alles etwas weniger marode. Gegen 13 Uhr knacke ich den nächsten Pass. Eine halbe Stunde später den nächsten. Dann mal die Prüfung, habe ich auch alle? Nein, habe ich nicht - da fehlt einer - Planava! Also noch mal zurück, 45 Minuten eine Strecke. Grrrr. Bundesstraßengebratze, leider viel Verkehr, immerhin auch Motorräder.

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Wie konnte das jetzt wieder passieren? Immerhin bietet die Strecke zum Planava eine tolle Aussicht von einer Kammstraße.

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Ich bin insgesamt recht geschlaucht vom vielen Strecke machen und muss drauf achten, nicht zu schnell bzw. zu risikofreudig zu fahren. Außerdem ist es schwül-warm. Auch die Versys fiept um Benzin. Hinter der Tankstelle spenden Bäume Schatten, Zeit für ein Eis. Das tut gut und beruhigt. Auch mit dem Umweg werde ich nicht erst im Dunkeln im Hotel ankommen. Jetzt fehlen nur noch 2 Punkte zum Landespreis. Knappe 70 km weiter ist der erste davon erreicht, ein ungarischer Friedhof.

Der letzte heißt Pezinska Baba und liegt oben auf einer langen Kurvenstrecke, die offenbar auch als Bergrennstrecke dient, und zwar völlig zurecht. Leider ist der Belag eher eine 3- und in beiden Richtungen viel Verkehr, noch dazu durchgezogene Linie. Da fährt man einfach mal hinterher, um es nicht auf den letzten Metern zu versauen. Es gibt in Kurven auch Parkplätze. Komischerweise glotzt niemand, dabei ist gerade Freitagnachmittag. Auffällig sind Werbetafeln für diverse Motorradgeschäfte. Problemstrecken kann man als Problem begreifen, oder monetarisieren. Ich komme oben an und habe es geschafft - 100% Slowakei! Anlass für das nächste Selfie!

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So, jetzt geht's Richtung Wien, wo ich übernachten werde. Nach Bratislava und dran vorbei gibt es endlich mal wieder eine Autobahn. Dass ich mich darüber mal freuen würde! Um aber nicht auf die österreichische Mautobahn zu geraten (ich habe keine Plakette), habe ich noch einen Passknacker in Österreich eingebaut, den Braunsberg. Außerdem war ich da noch nie und überall mal gewesen zu sein ist ja auch ein Ziel (nennt man beim Passknacker Lebenswerk). Der Braunsberg ist ein Abstecher von Hainburg an der Donau den Berg hoch mit recht imposanter Rundum-Aussicht.

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Danach wird über die Dörfer mit 50 gefahren, teilweise Verkehrsreich…

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... und zwischen den Äckern mit 100. Alles ganz einfach und gerade auch recht willkommen, die 500 km heute und die letzten Tage stecken mir in den Knochen. Es sieht immer so aus, als würde ich in ein Gewitter reinfahren, aber es wird dann doch nie nass. Ein ganzer Tag ohne einen Regentropfen! 17:50 komme ich am Hotel an, 17:55 bin ich am Zimmer, das ganz okay ist. Ich suche einen Baumarkt in der Nähe, zwecks Auspuffreparatur, und es gibt sogar einen! Leider schließt er 18 Uhr. Wer macht denn sowas? Bei genauer Betrachtung parke ich aber mit dem Seitenständer auf einer Red Bull-Dose, die man eigentlich auch zur Dichtung zerbasteln könnte.

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Naja, Auspacken, Duschen, Spazieren gehen? Da war ich die letzten Tage recht faul, wird echt wieder Zeit die Knochen zu bewegen. Leider fängt es echt nach 3 Minuten zu regnen an. Im hoteleigenen Restaurant gibt's Wiener Schnitzel vom Schwein mit Erdäpfelsalat und Spezi. Macht 19,10 Euro. Da sind schon andere Preise als die letzten Tage. Dass die Spezi zum Selbstmixen aus 2x 0,33 Flaschen ist, hätte man mir vorher sagen können, denn das kriege ich kaum runter. Das zweite der beiden Schnitzel auch nicht, aber das kann ich noch morgen essen.

Ich habe 100% Polen und 100% Slowakei :) 517 km heute.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#10 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:46

Sa 25.7. Nordösterreich

Die Nacht ist ruhig. Es hilft halt, wenn die Häuser nicht direkt an der Straße stehen, und wenn innerorts keine dreistelligen Geschwindigkeiten gefahren werden. Ich bin trotzdem 6 Uhr auf den Beinen und stopfe den Auspuff-Krümmer-Übergang mit der Red Bull-Dose, die ich auf dem Parkplatz gefunden habe. Der Wetterbericht meldet die höchsten Temperaturen der bisherigen Reise, also kleide ich mich leicht und starte ohne Membran in der Kombi. Heute fahre ich durch den Norden Österreichs. Ohne Druck, vielleicht ein wenig Passknacker Lebenswerk pflegen. Also dort entlangfahren, wo ich noch nie war. Man könnte auch von Wien in einem Rutsch 500 km Autobahn nach Hause brettern, womöglich mit Mautaufkleber, aber das Gemütliche gönne ich mir jetzt einfach mal.

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Zunächst geht es durch Wien durch, anscheinend ist das Hotel so nah dran dass sich eine Umfahrung nicht lohnt. Es folgen einige Passknackerpunkte im Wiener Umland, die freundlicherweise Richtung Westen liegen. Direkt nach dem Ortsschild ist schon Tempo 100 erlaubt, aber hallo - doch dann Kopfsteinpflaster und 50 mit Zusatzschild "gilt für gesamte Höhenstraße". Zonk!

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Die Höhenstraße ist dann auch weiterhin Kopfsteinpflaster und Tempo 50. Das muss wohl so sein, am Rande einer Metropole, sonst würden hier ständig Motorräder und zerfetze Lederkombis in den Bäumen hängen. Ab dem Punkt Hinterer Steinberg / Rauchengern ist dann wieder Strecke machen angesagt. Ich habe mir extra einen Baumarkt ausgesucht, und steuere den jetzt an, denn meine Red Bull Auspuffdichtung versucht schon wieder abzuhauen. Mit zwei Rohrschellen und einem extra dafür gekauften Schraubendreher (ich habe zwar Werkzeug dabei, aber keinen Schlitz-Dreher) gelingt das auch - dauert allerdings auch geschlagene 40 Minuten. Und dann klingt das am Ende nicht mal viel anders.

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Es folgen 75 km Überführung quer durch Dörfer und über Äcker. Schön daran ist, dass außerorts kein Verkehr ist und keine besonderen Limits. Einfach in Ruhe Motorrad fahren. Innerorts muss ich mich resozialisieren nach den Erfahrungen im alten Ostblock. Dann folgt die Route der Donau, die sich ordentlich eingebuddelt hat - erinnert an Mosel oder manche Abschnitte des Rheins. Sehr schick, und nicht mal überlaufen, obwohl es ein sonniger Samstag ist.

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Schließlich biege ich ins Hinterland ab. Bei einer Rast mampfe ich mein Rest-Schnitzel von gestern weg. Der Magen wundert sich und fordert süß statt herzhaft. Dann geht es zum Bärnkopf. Das scheint eine Motorradstrecke zu sein, denn es sind diverse Freizeitfahrer unterwegs. Ich habe zwar nicht wirklich Zeit, aber ich gönne mir ein Eis im augenscheinlichen Bikertreff. Die Österreicher haben die gleichen Themen wie die Deutschen auch. Mein Auspuffsaaauund erweckt kein besonderes Interesse, da bin ich ja beruhigt.

Nun folgen 5 Passknacker die auf einer Nord-Süd-Linie liegen, von Sankt Thomas am Blasenstein bis Mandelstein / Grenzland Heinrich. Ich reise zwar Ost-West, aber das macht ja nichts. So kann das Navi fröhlich Abkürzungen durch Bauerndörfer vorschlagen, weil da Tempo 100 gilt. Das ist 'ne echt gute Gegend zum Motorradfahren hier. Ich wurde mich, dass man von Oberösterreich nicht öfter was liest als Motorradregion. Das Wetter droht mit Wolken, ich kontere mit Mirdochegal, obwohl ich keine Membran unter der Textilkombi trage. Wenn's richtig los geht, ziehe ich die Regensachen drüber. Und wenn die Straße nicht nass bleibt, dann trocknen meine Klamotten ja wohl erst recht schneller, als sie nass werden! Was mich eher umtreibt ist die FUEL-Anzeige. Die erste Tankstelle hat nur Diesel. Die zweite Tankstelle gibt's nicht mehr. Die dritte Tankstelle ist ein Automat, nimmt nur Kundenkarten und "Bankomatkarte" (also anscheinend keine deutsche), die vierte hat wieder nur Diesel, und die fünfte ist wie die dritte, aber es gehört eine Bar dazu. Dort gefragt, nein wir gehören nicht dazu, aber einfach weiter die Straße runter kommt gleiche eine belebte OMV-Tankstelle. Echte Abenteuer und schwierige Versorungslagen erlebt man offenbar nicht in der Ostslowakei, sondern in Nordösterreich. Dort versammeln sich bereits 15 Motorräder, die Angst vor dem gerade sanft einsetzenden Regen haben. Ich tanke 18,6 Liter in meinen 19 Liter-Tank und trotze tapfer den Elementen, denn in der Richtung, in die ich will, sieht der Himmel blau aus.

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Danach geht es durch Freistadt westwärts zum Roten Kreuz (Kammerschlag). Auch hier ist alles dabei, Knieschleiferkurven, Wechselkurven, enge Straßen, Aussichten.

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Am Passknackerpunkt … halte ich mich wieder mal für schlauer als meine eigene Planung und will nicht wenden, sondern weiter… und lande auf 5 km Schotter. Naja, ist nicht so schlimm. Aber der Autofahrer vor mir will mich nicht vorbeilassen und beschleunigt arg, als ich bereits überhole. Das ist im Ostblock die 7 Tage vorher 0x passiert. Rote Kleinwagen sind halt gefährlich.

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Dann hätte ich noch die Option zwei Punkte 50 km weiter nördlich zu holen im Böhmerwald, also an der Grenze zu Tschechien, aber es wäre über 1 Stunde Fahrzeit zusätzlich und ich hänge schon ziemlich in den Seilen. Also geht es direkt zur Unterkunft. Es ist ein Ausflugslokal (geschlossen) mit einigen hochwertigen Zimmern in Haibach ob der Donau. An der Donau entlang ist es schön, und die paar Kilometer Berg hoch ins Dorf schaffe ich auch noch. Der Checkin erfordert wieder Telefon, denn es ist niemand da, und der Code für den Schlüsselsafe muss erfragt werden. Das klappt gut und das Zimmer ist prima.

Ich habe natürlich weiterhin 100% Polen und 100% Slowakei, aber jetzt auch 2234 verschiedene Punkte geknackt ;) Es gibt in Summe zur Zeit 4674 Stück. Gerade mal 47,7%. Es gibt noch viel zu entdecken. Es war eher kalt am dem Motorrad heute. 460 km heute.

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#11 Beitrag von blahwas » 30. Jul 2020 22:50

So 26.7. Österreich-Heim

Heute will ich mal ausschlafen und mich langsam wieder an meinen Alltags-Schlafrhythmus gewöhnen. Darum geht es erst um 8:30 los. Den Heimweg habe ich mir mit einem Passknacker gestaltet, den Brahmsberg. Das führt zu netter Abwechslung in der Route und ein wenig Aussicht. So fahre ich nicht nur Autobahn und bin trotzdem mittags daheim.

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Auf der A3 erwischt mich noch ein Regengebiet, aber ich kann mich vorher wasserdicht anziehen und danach zumindest die Jacke wieder ausziehen. So komme ich ohne besondere Vorkommnisse nach 282 km wohlbehalten daheim an und habe den Nachmittag noch frei für mein Privatvergnügen ;)

Der Kilometerzähler zeigt 5014 km für diese Tour an. Für 10 Tage recht ordentlich, und 2 der 10 Tage waren ja nur halbe Tage…

Fazit

Die Slowakei hat mir besser gefallen als Polen. Die Landschaft kommt bei den Alpen nicht mit und ist eher mit Eifel oder Harz zu vergleichen. Dafür sind die Straßen besser. Wer schotter fahren will wird hier vermutlich selig. Es war mein vermutlich günstigster Urlaub bisher. Die Übernachtungen kosten etwa 15-22 Euro, Sprit 1,05-1,15. Beim Essen kommt man mit 7 Euro schon sehr weit. 0,5 Bier 1,50 Euro.

Die Tagesetappen wir mit um die 500 km recht anspruchsvoll lang geplant, zumal in den Regionen wenig Schnellstraßen vorhanden sind. Durch Umleitungen und Navigationsfehler meinerseits wurde es teilweise noch länger, was dann eine Herausforderung an die Ausdauer gestellt hat. Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich es noch kann, denn ich hatte wenig Probleme. Das lag vor allem an meiner Goldwing-Supermoto für Arme namens Kawasaki Versys 650 mit Givi Airflow, hoher Sitzbank, hohem Lenker, tiefen Fußrasten, und einem geräumigen Tank. Gehörschutz und Musik in der Rübe helfen auch. Ich habe viele kurze Pausen gemacht – alleine ist man da flexibel. 9 Tage alleine rumfahren ist nicht so ganz der Bringer, aber für eine derartige Ochsentour findet man schwer Mitfahrer. Ich würde künftig auch eher kürzere Etappen planen, alleine schon um einen Puffer zu haben bei Umleitungen oder kleinen Fehlern. Dass ich spontan etwas ändern wollte ging immer in die Hose – ich sollte meiner vorherigen Planung mehr vertrauen. Dass eine Unterkunft geschlossen hatte, ohne dass mir booking das so angezeigt hat, dass ich es auch wahrgenommen habe, das fand ich schon sehr irritierend. Ich habe keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen - Wertsachen und alles missionskritische im Tankrucksack wenn ich auf dem Motorrad sitze, oder am Mann, wenn nicht. Zweiter Satz Papiere/Bargeld/Plastikgeld in der Motorradjacke versteckt - habe ich aber immer so.

Am Motorrad hat alles funktioniert außer loser Spiegel, der Auspuffdichtung, und der Seitenständer entwickelt auch immer mehr Axialspiel, d.h. das Motorrad rückt nach und steht schiefer. Von schwankender Spritqualität habe ich nichts bemerkt, und die einzige nervige Tankstellensuche hatte ich in Österreich. Österreich ist in Fahrkultur und Preisniveau natürlich das Kontrastprogramm zum ehemaligen Ostblock.

Danke fürs Mitkommen! Nachmachen ist möglich!

Nach diesem Urlaub brauche ich erst mal eine Woche Arbeit zur mentalen Erholung ;)

frieda
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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#12 Beitrag von frieda » 31. Jul 2020 00:00

Is schon toll wie lange ein junger Mensch im Sattel sitzen kann wenn er Spaß an der Sache hat die ihn antreibt.

Erinnert mich wehmütigt an alte Zeiten.

Wie immer, spannend zu lesen.

Die Krümmerdichtung ist eine alte Versyskrankheit, löst sich bei jeder Versys irgendwann vor der 100000 Km Marke auf, zerbröselt einfach.

Reparatur lässt sich auch schlecht improvisieren, original Ersatz dann ist wieder knapp 100000km Ruhe.

:clap:

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#13 Beitrag von Exilfranke » 1. Aug 2020 12:54

Danke Blahwas für den Reisebericht!
Hab ihn in einem Stück durchgelesen - sehr unterhaltsam.
Auch weil ich (ohne Passknacker) eine ähnliche Tour geplant (aber wg. Corona nicht gemacht) habe. :clap:
Cheers,
Sven

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Re: Polen und Slowakei Passknacker-Solotour 2020

#14 Beitrag von nexiagsi16v » 2. Aug 2020 12:44

Großartig geschrieben, wie immer. Aber so eine Ochsentour, werd ich mein Lebenlang nicht mal planen. :D

*edit: wenn du nochmal einen undichten Auspuff hast und einen Baumarkt ansteuerst, guck mal im Bereich Ofenbau und Kamine, da gibt es Abdichtbänder, die 500°C abkönnen.*
Tschau Norman :hello:

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