Versys Höhentreffen Kärnten 2015

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Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#1 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:13

Versys Höhentreffen Kärnten 2015

Wer's nicht kennt: Das Kärntentreffen ist ein einwöchiges Hoteltreffen im Hotel Gartnerkofel im Ort Sonnenalpe Nassfeld, der eigentlich ein Wintersportort aus der Retorte ist und der auf 1400 Höhenmetern wenige Meter von der Österreichisch-Italienischen Grenze liegt. Im Sommer gibt es aber keinen Schnee mehr, daher orientieren sich die Hotels dann auf Wellness- und Aktivurlauber um. Oder sie bleiben gleich geschlossen. Zu unserem Versys-Treffen sind 34 Leute angemeldet, darunter viele „Wiederholungstäter“ (dies ist das vierte Kärntentreffen), aber auch einige Erstreisende. Leider ist kein Teilnehmer mit 2015er Versys dabei. Schade, die hätten sich einige bestimmt gerne näher angeschaut.

Ich werde aus Düsseldorf auf eigenen Rädern anreisen und abreisen, mit jeweils einer Übernachtung in Nürnberg, wo ich Familie habe. Das liegt nebenbei noch genau auf halbem Weg: 500 von 1000 km. Das Leben in NRW hat viele Vorteile, aber ein kurzer Weg in die Alpen ist keiner davon.

Freitag, Anreise Teil 1
Freitag morgens geht es zunächst reisefertig bepackt zur Freundin, die vier Wochen vorher beim überqueren der Straße so blöd umgeknickt ist, dass sie sich dabei einen Fußwurzelknochen angebrochen hat und daher auf Krücken angewiesen ist. „Unterarmgehstützen“ hatte ich als Motorradfahrer natürlich noch griffbereit im Keller. Heute jedenfalls gibt es den Abschiedsbesuch mit gemeinsamem Frühstück, Fahrt zum Arzt und betreutem Einkaufen. Nachmittags schwinge ich mich auf die Versys und reite in den Süden. Sie versichert mir, dass sie auch alleine zurecht kommt. Tatsächlich hat sie die letzten zwei Wochen Fortschritte gemacht und ist ein ganzes Stück selbstständiger geworden, da sie jetzt auch ein paar Schritte mit einer statt zwei Krücken gehen und so Dinge in einem Raum von A nach B transportieren kann. Ich bin froh, dass sie mich fahren lässt. Ich weiß was ich an ihr habe.

Die Abreise beginnt um 15 Uhr und soll mich auf schnellstem Weg (mit Autobahn) nach Nürnberg bringen. Es ist der Beginn des Pfingstwochenendes und die Deutsche Bahn hat die Tage zuvor gestreikt. Logisch, dass da mit viel Verkehr zu rechnen ist. Google Maps zeigt vor der Abreise auf der Karte zweimal rot auf der A45, aber sonst viel grün. Auch das Wetter ist „grün“: Weitgehend trocken und 15-20°. Passt!

Los geht’s mit der vor wenigen Jahren neu gebauten Ortsumgehung Günnigfeld, wo man tatsächlich ein paar brauchbare Kurven hat. Nur die „Tempo 130“-Schilder wurden vergessen. Dann überquere ich die A40, den legendären Ruhrschnellweg, fahre an meiner alten Wohnung in Bochum-Stahlhausen vorbei, wo ich 2006-2008 gewohnt habe, als ich in Bochum studiert hatte, und fädle ein auf die neue Autobahn 445, die vormals Donzcek-Ring hieß. Dieser Umbau und die Verbreiterung der A40 sollte das Bochumer Opel-Werk unterstützen. Ob das funktioniert hätte wird man wohl nie erfahren, denn leider wurde das Opel-Werk schon vorher geschlossen. Ich fahre sogar daran vorbei, als ich auf die A44 nach Witten wechsle. Oder besser gesagt, ich fahre an dem vorbei, was davon übrig ist, denn die Bagger sind bereits zugange. Ein Bild des Grauens. Mein letztes Auto wurde hier gebaut, und so schlecht wie der Ruf von Opel war es noch lange nicht. Traurig, gerade auch für Bochum. Das neue Detroit im Ruhrgebiet?

Die A44 ist die verwirrendste Autobahn in NRW, da mehrere Teilstücke diesen Namen tragen, die gar nicht miteinander verbunden sind. Das liegt teilweise an der visionären Planung der 70er Jahre, als man scheinbar nicht genug von Autobahnen kriegen konnte, und teilweise am Braunkohletagebau mitten in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas, dem auch Autobahnen weichen müssen. Dieses Teilstück ist jedenfalls schnell abgefrühstückt und ich fädle in die A45 ein, die mich mit vielen Schwüngen und teilweise in großer Höhe übers Sauerland bringt.

Bis zu einem Stauende. Wenn der Verkehr dreispurig steht, wo Google Maps schon zwei Stunden vorher rot gezeigt hat, dann ist das etwas ernstes. Ich nehme also lieber die Abfahrt, so wie tausende Autofahrer vor mir, die dort bereits eine Schlange gebildet haben. Die gucke ich mir lieber von vorne an. Das Navi stelle ich auf „Autobahn vermeiden“, und folge damit der Blechlawine, oder zumindest ihrem Weg, denn Überholen geht ja doch. Platz ist ja bekanntlich überall. Mit Tankrucksack, Packrolle und Topcase bin ich recht schmal und komme immerhin mit Tempo 30 vorwärts.

Die Blechlawine staut sich an einer Baustellenampel, wo ich natürlich vorne stehe. Kaum zeigt sie grün, habe ich völlig freie Fahrt in diesem nicht völlig uninteressanten Landstrich. Irgendwann bin ich aber genervt von den ganzen Ortsdurchfahrten, Tempolimits und Blitzern und fädle wieder auf die Autobahn ein. Der Verkehr läuft wieder. Für die Autofahrer hat sich die Umleitung definitiv nicht gelohnt.

100 km später wiederholt sich dieses Stau-Umleitung-Nerv-Spiel nochmal, aber ab der A3 läuft es dann ganz gut – interessante Abwechslung, normalerweise ist das andersrum - und ich fahre tatsächlich auf der A3 zu Ende, obwohl ich mir ab Kitzingen eigentlich die schönere B8 vorgenommen hatte. Ich will ja schließlich auch irgendwann ankommen, und die Ankunftszeit wäre sonst von 20:30 mehr Richtung „Fahrt bei Dunkelheit“ gerutscht.

Soviel Autobahn zu fahren ist echt öde. Da freut man sich, wenn im Heimatdorf ein paar Kurven zu finden sind und gast die letzten Meter etwas an. Mit hoppelndem Hinterrad erwische ich noch die Abbiegung zum Elternhaus hinein, wo auch gerade mein Vater draußen steht. Gutes Timing. Oder vielleicht auch schlechtes? Gegenüber den Eltern möchte ich ja eigentlich nicht den Sportfahrer raushängen lassen, zu groß waren ihre Vorbehalte gegen meinem Hobby, und sie sind es vermutlich immer noch, obwohl es nicht mehr thematisiert wird. Ich darf die Versys in der Garage hinter dem elterlichen PKW parken und dann gibt es Abendessen, Unterhaltung und Bettruhe. Dieser Tag war anstrengend für mich und ich spüre es in den Knochen.

Um 22 Uhr gucke ich noch ins Versysforum und sehe, dass iOn eine Mitanreisemöglichkeit ab Nürnberg für morgen früh sucht. Das passt doch perfekt, den kenne ich ja vom letzten Kärntentreffen und auch dem 2013er Höhentreffen.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#2 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:14

Samstag, Anreise Teil 2
8 Uhr Frühstück, 8:30 alles eingepackt und iOn angerufen. Er freut sich über die Begleitung und wir einigen uns auf eine direkte Anreise und ein Treffen um 9 Uhr zwei Dörfer weiter, wo ich auf die Autobahn wechseln würde. Die Route soll München und die A8 München-Salzburg vermeiden, aber ansonsten möglichst schnell sein.

Wir erreichen den Treffpunkt zur gleichen Zeit, quasseln etwas und schon geht es los auf die A73, A6 und schließlich A3, wo wir bis knapp hinter Regensburg im Verkehr mitschwimmen, hier mal tanken und da mal rasten oder irgendwas an der Klamotte korrigieren. Dann geht es auf die B20 direkt Richtung Süden. Die B20 ist gut ausgebaut und eigentlich durchgehend dreispurig, also mit einem Überholstreifen, der abwechselnd genutzt werden darf. Wir machen gut Strecke. Landschaftlich ist es nicht so spannend hier, aber das Donautal ist noch so eine Art Moseltal in flach und eigentlich ganz putzig, zumindest beim Überqueren.

Als wir uns auf „bald mal Mittagspause“ einigen, überqueren wir auch bald schon den Inn und fahren also nach Österreich rein. Ungefähr genau hier fängt der Regen an und nimmt in der Intensität auch zu, während ich nach Gasthäusern Ausschau halte und an einem geschlossenen Restaurant nach dem anderen halte, bis wir endlich Glück haben: Gasthast Pommer hat zwar keine Karte, aber serviert Suppe, Schweinebraten, Salat und Spezi. Der Hausherr zeigt uns anschließend noch seinen neuen Beruf, den er seit 20 Jahren ausübt: Er baut Fresken, also Wandgemälde aus vier Schichten verschiedenfarbigem Beton. Zunächst werden die Schichten übereinander aufgetragen, und dann wird runter gefräst, bis das Bild fertig ist. Die Maße schwanken zwischen 2x2 und 1x1 Meter. Man sieht diese Wandverzierungen häufiger im Süden und sie vermitteln etwas unheimlich ländliches, gemütliches und traditionelles. Seine Motive sind vor allem religiöser Natur, aber auch ein Harley Davidson-Logo ist dabei. An der Rückseite des Gasthauses prangt noch sein Familienwappen.

Weiter geht’s dann zunächst mal einige Meter ohne Regen, der fängt aber leider schnell wieder an, und kalt wird es auch noch dazu, also rein in die Regenklamotten. Herr iOn thront auf seiner Versys 1000 hinter einem Windschild von der Größe eines vernünftigen Fernsehers, während ich die Serienscheibe der Versys 650, die ohnehin nicht größer als ein DIN A4-Zettel ist, auch noch flacher eingestellt und Hinterströmung ermöglicht habe, damit ich weniger Krach am Helm habe. In 99% der Kilometer ist das für mich so angenehmer, aber hier haben wir mal das eine restliche Prozent. (Bin ich jetzt ein 1%er?)

Auf der erstbesten Tankstelle in Österreich füllen wir die Tanks, so dass wir bis zum Hotel kommen, und kaufen das Pickerl für die Autobahn für freundliche 5 Euro (10 Tage, passt reichlich). Dann geht es für die nächsten Stunden auf die Autobahn Salzburg-Villach, wo es noch mehr regnet, noch kälter wird, wo gut 50% der Strecke Tempolimit 100 hat und wo gefühlt alle 100 Meter ein Blitzkasten steht (mit Heckfoto, Vollstreckungsabkommen und Punktetransfer nach Deutschland). Spaß ist anders, aber bei diesen Bedingungen geht für uns auch die Sicherheit vor. Außerdem hätten diverse Pässe vermutlich auch gar nicht geöffnet, so dass man am Ende ohnehin wieder auf dieser Autobahn gelandet wäre, um in den mautpflichtigen Tauern- und der Katschbergtunneln die Ostalpen zu unterqueren. Das kostet zwar 11 Euro, aber wer es einmal befahren hat, versteht den Aufwand der nötig war, um in dieser Landschaft eine Autobahn errichten zu können.

Nach der schier endlosen verregneten und kalten (4°C) Autobahn und einer Rast geht es dann endlich runter von der Bahn und ab auf die Windischen Höhen Richtung Hotel, die in einem Abschnitt bekanntlich nicht sehr gut ausgebaut sind: schmal, holprig und mit einem komplett an die Natur angelehntem Streckenverlauf. Aber das schaffen wir noch und es kommt sogar Fahrspaß auf. Spätestens in Hermagor kommt auch schon die Freude des Wiedersehens dazu, und in Tröpolach, dem letzten Dorf vor dem Hotel, tanken wir, so wie wir hier immer getankt haben, wenn wir die letzten Jahre abends von einer Ausfahrt zurückkamen. Man fühlt sich schon fast wie zuhause. Dann geht es den Nassfeldpass hoch zum Hotel. Dieser Pass war immer die Hausstrecke für diese Woche im Jahr, und er wird es auch diese Woche wieder sein, also Augen auf und alle Antennen an: Was hat sich verändert, woran kann man sich erinnern, wo war noch gleich die beste Linie? Insgesamt hat sich nicht viel verändert. Im unteren Abschnitt ist er prima zu befahren und abwechslungsreich. Nur die letzten 10-15 Kurven über etwa 900 Höhenmeter haben fiese Aufbrüche. Die waren da auch schon im letzten Jahr, nur vielleicht nicht so schlimm. Aber man ist ja auch ein besserer Fahrer geworden, das Tempo bleibt also gleich. Das macht ja direkt wieder Spaß hier, und zwar auch wegen der Vorfreude auf all die lieben Leute aus dem Versysforum.

Zur Begrüßung gibt es ein großes Hallo, lecker Abendessen und man freut sich über das Wiedersehen und das warme Hotelzimmer. Den Racer in mir zieht es aber noch in die Tiefgarage, denn an meiner Versys sollen noch ein paar Kilos purzeln: Heckrahmenverstärkung mit Soziusrasten, Topcaseträger, Scheibenhalter und Scheibe müssen dran glauben. Ich schleppe diese ca. 10 kg nutzloses Gewicht aufs Hotelzimmer, wo es fortan im Badezimmer schlummert. Da ist es besser aufgehoben als meinem Motorrad, wo es vor, nach und in jeder Kurve an meinen Reifen zu zerren. Leichtbau regiert einfach. Außerdem hat man ohne Scheibe und -halter völlig freie Sicht nach vorne, was ich einfach klasse finde, und ich habe dann auch noch keinerlei Windgeräusche, die mich bei den allermeisten Motorrädern sehr stören. Die Verkleidungsvorderseite alleine sorgt bereits für ausreichend Windschutz bis zu etwa Tempo 130. Sehr zufrieden geht es nach kurzem Umtrunk ins Bett. Auf diesen Moment habe ich mich schon seit Wochen gefreut.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#3 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:14

Sonntag, Pyramidenkogel
Heute ist Tagesziel der Pyramidenkogel für alle. Es gibt eine „Lindwurm“-Gruppe mit ca. 20 Teilnehmern und eine schnelle Gruppe mit Führung durch mich zunächst durch Italien, einer Ecke Slowenien und dem gleichen Tagesziel. Route unseres Hinwegs) Vielleicht passt die Ankunftszeit ja. Angstnippel, Silver Surfer, DerAlex und iOn fahren bei mir mit. Es ist Kaiserwetter angesagt.

Wenn man nach dem Hotel rechts statt links abbiegt, kommt man man nach Italien auf den Passo Pramallo, einen sehr abwechslungsreichen Pass mit geringer Straßenbreite, Fahrverbot für Großfahrzeuge und einem für seine Farbe erstaunlich griffigen Belag. Wir hatten Spaß. Dann geht es etwas das Tal entlang und schließlich links über den Sella Nevea, einen sehr abwechslungsreichen und gut ausgebauten Pass. Kurz vor dessen Ende an einer T-Kreuzung gibt es rechts ein nettes Cafe mit Blick auf den See, wo ich mir die italienische Version von „heiße Schokolade“ gönne. Der Löffel steht drin, und wenn man die Tasse umdreht, dauert es eine Weile, bis irgendwas passiert. Lecker!

Weiter geht es über Hauptstrecken kurz nach Solowien rein und dann linksrum gleich wieder raus, über den Predil. Der ist an sich nicht uninteressant, aber leider stellenweise arg holprig und vor allem für Motorradfahrer völlig sinnfrei auf Tempo 30 beschränkt. Mein Navi führt uns über den schnellsten Weg zum Pyramdienkogel, und etwa 10 km vorher laufen wir auf die Hauptgruppe auf. Wenn das mal kein gutes Timing ist! Da haben wir ja noch Zeit für eine meiner gefürchteten Pippi-Pausen. Die Bergstrecke hoch ist dann frei befahrbar und am Ende öffnet eine Parkwächterin jedem Zweiradfahrer die Schranke, insbesondere solchen, die rechtzeitig anhalten können und sie nicht im Kurvenrausch fast umfahren.

Der Pyramidenkogel ist ein Aussichtsturm und sieht gar nicht mal schlecht aus. Dass wir direkt davor parken dürfen ist ein besonderes Leckerli. Angesichts des Eintrittspreises belassen es aber viele Teilnehmer bei der Aussicht vom Fuß des Turmes, obwohl es von ganz oben runter anscheinend auch eine Rohr-Rutsche gegeben hätte. Auf dem Platz werden die Fotokameras und Lunchpakete gezückt und es wird viel Benzin geredet. Das ist Urlaub!
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Happy blahwas feeling
Nach der Mittagspause geht es in den gleichen Gruppen weiter. Wir wollen unter Führung von iOn durch den übernächsten Pass nach Solowien übersetzen, dann westwärts durch Italien zurück zum Hotel. Sein Navi führt uns bald in diverse grenznahe österreichischen Ministräßchen, was zwar durchaus reizvoll ist, aber irgendwann wird es zu spät, um noch nach Italien überzusetzen, weil die Ankunft am Hotel sonst so spät geworden wären, dass das Abendessen womöglich entfallen wäre – und das geht ja gar nicht! Also geht es halt auf direktem Wege wieder ins Hotel. Bundesstraßen sind zwar etwas doof, aber wir hatten ja schon zahlreiche Highlights heute.

Nach dem Essen lädt das Orgateam in die Kawasaki-Bar ein. Das ist ein Bar-Bereich mit offenen Zapfhähnen von Cola über Bier bis Wein (mit Tagescocktail im Schädel und Kühlschrank für hartes Zeug daneben), der nur für unsere Gruppe zur Verfügung gestellt wird. Es gibt auch Beamer und Leinwand. Heute Abend hält der Fahrsicherheitstrainer Varahannes einen Vortrag über sichere Linienwahl. Man hat auch die Möglichkeit, während des Treffens einen Tag für ein Fahrsicherheitstraining zu nutzen. Danach lassen wir den Abend gemeinsam an der Kawasaki-Bar ausklingen. Es ist toll, wie die Besucher zusammen zur guten Stimmung beitragen.
Zuletzt geändert von blahwas am 1. Jul 2015 22:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#4 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:14

Montag

Heute haben wir laut Wetterbericht das voraussichtlich beste Wetter der ganzen Woche, also nutzen wir es zur längsten aller Tagestouren: Hauptziel ist Sauris, Hinweg über Lanzenpassen, Rückweg über Monte Zoncolan. Ich darf wieder führen, etwa die gleiche Gruppe wie gestern: SilverSurfer, Angstnippel, iOn, Fransjup, DerAlex und zusätzlich Lucky66m kommen mit.

Als erstes geht es wieder runter nach Italien. Immer wieder schön. Dann 1x rechts, 1x links, schon ist man auf dem Weg zum Lanzenpass. Der ist schlecht ausgebaut, aber meistens auch wenig steil. Geringe Fahrbahnbreite, viel Kies auf dem Asphalt, dafür aber auch mitten in der Natur und sehr einsam. Und kommt man nach 30 Minuten Walddurchfahrt dann auf eine Alm werden die Augen umso größer.

Wenig später finden wir uns auf einer perfekten Kurvennstrecke wieder, die auch temporär als Bergstrecke genutzt wird.
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Dreck auf der Linse, oder doch nur Kurvenrausch?

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Ey, den kenne ich! Vorbildliche Linie.
Oben ist sogar ein Bikertreff. Weil heute Pfingstmontag ist, hat der Bikertreff-Imbiss leider geschlossen. Aber wir haben ja Lunchpakete. Weil hier richtig Platz ist, und weil heute die meisten Teilnehmer in einer der drei Gruppen den gleichen Weg fährt, kommt es zum ganz großen Zusammentreffen, was die Gelegenheit für Fachgespräche und Versysrudelfotos schafft.
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Wir sind seriös!

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Wirklich seriös!

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Und wir fahren total verschiedene Motorräder :)
Weiter geht es zunächst im freien Fahren, die Bergrennstrecke vorsichtshalber nochmal runter und wieder rauf. Dann geht es auf der anderen Seite in Kehren durch den Wald bergab. Rechtsab führt ein Abenteuerweg: Geringe Straßenbreite, aber fester Belag, mit Kies auf schmalen Brücken, kaum einsehbaren engen Kurven. Das ist etwas für engagierte Piloten. Nicht alle Mitfahrer sind happy. Ich schon :) Aber nächstes Jahr dann gerne wieder außenrum.
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Die Beschilderung ist auch seriös
Unten im Tal angekommen verfranzen wir uns etwas, da mein Navi wohl irgendeinen Punkt ausgelassen hat und wieder zurück will. Bei einer schattigen Pause klären wir das und planen den korrekten Weg zum Tagesziel, der Ortschaft Sauris.

Sauris ist so etwas wie mein Lieblingsziel in den Alpen. Warum genau, kann ich nicht sagen, vielleicht weil es eine deutsche Sprachenklave ist, was ich prinzipiell erhaltungswürdig finde. Vielleicht wegen des tiefblauen Stausees, mit der unfassbar hohen und überhangsteilen Staumauer. Vielleicht auch wegen der allgemein hohen fahrerischen Schwierigkeit auf dieser Tour. Die Grip- und Sichtverhältnisse sind für Fortgeschrittene, und unbeleuchtete Tunnels mit Kurven, Gegenverkehr und Wasser drin haben die meisten von uns auch nicht auf ihrem täglichen Arbeitsweg.

Das kann mich alles nicht mehr schocken, und auch die anderen bleiben cool. Nach dem x-ten finsteren Glibbertunnel plötzlich an einem See aus der Berg ausgespuckt zu werden ist schon etwas besonderes.
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Am See genießen wir die Aussicht und einige Teilnehmer meiner Gruppe machen mit bei meinem Abstecher ins Dorf Sauris. Sehr idyllisch.
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Danach geht es durch den anderen Tunnel wieder runter ins Tal, und dann bald wieder hoch, den Monte Zoncolan. Mit vier Worten beschrieben: Rauf eng, runter episch. Leider hat man wenig Aussicht, weil alles voller Bäume steht, obwohl es rauf sehr steil und in engen Kehren den Berg hoch geht. Oben ist man jedenfalls ziemlich geschafft.

Ein Gruppenteilnehmer bekommt noch Nachhilfe in Passetiquette: Fremde schnellere Fahrer bitte immer vorbeilassen, denn wer hinter dir auftaucht und sich hinter dir halten kann ist schneller, und du versaust ihm gerade den Pass. Außerdem kommt er früher oder später eh an dir vorbei, also mache es für beide sicherer, und suche dir eine Stelle aus, wo du dich dabei wohlfühlst. Blinker rechts, ggfs. blinken und langsam fahren, Problem gelöst. Optional dran klemmen und sich etwas abgucken, aber nie außerhalb des Wohlfühlbereichs.

Runter geht es dann über die Ostseite. Die ist vom allerfeinsten. Die Kehren gehen im dritten, und zwischen den acht Kehren gibt es auch noch genug zu tun. Nach jedem Richtungswechsel windet man sich erneut der gleichen Bergformation entlang, so dass man quasi mehrere Variationen des gleichen Streckenverlaufes ausprobieren kann. Fast wie in einem Computerspiel. Das Tempolimit reicht reichlich, die Straßenbreite erlaubt sicheres überholen und die Sicht stimmt auch. Erinnert ein wenig an den Mendelpass. Motorradwunderland Alpen!

Unten im Tal haben wir die Wahl zwischen dem engen und anstrengenden Lanzenpass oder dem Bundesstraßen-mäßig ausgebauten Plöckenpass. Wir entscheiden uns für letzteren. Hier gibt es auf der Südseite (Italien) steil angeordnete Tunnelkehren, aber dazwischen freie Fahrt. Oben gibt es noch ein Heißgetränk für alle die wollen – zwei Teilnehmer fahren lieber direkt weiter.

Auf der Nordseite (Österreich) geht es eher geradeaus, sogar im Tunnel. Wir kassieren eine Multistrada mit Sozia und ich habe noch eine Begegnung der dritten Art mit einem Fuchs. Er sitzt links am Straßenrand und guckt mich an. Ich fahre mit 100 km/h dieser Gerade entlang und gucke zurück. Und, leider wie immer, verwechsle ich Tiere mit Fußgängern und denke die erste Zehntelsekunde „Blickkontakt, klare Vorfahrt, mein Anhalteweg reicht vermutlich nicht, der wartet!“ In der zweiten Zehntelsekunde wird man dann (wieder mal) klar, nein, du Idiot, das ist ein Tier, das kümmert sich nicht um StVO und kann auch weder meine Geschwindigkeit noch meinen Anhalteweg abschätzen und benimmt sich ohnehin unberechenbar. Aber hier, ein Fuchs? Der ist ja nicht mal halb so hoch wie mein Vorderrad. Da komme ich ja wohl drüber. Fuß auf den Bremshebel, Gas zu, Lenker festhalten, aber bloß nicht lenken oder gar Vollbremsung machen! Diese Entscheidung trifft irgendein Teil des Gehirns alleine und der Körper macht augenblicklich mit. Rationalisieren kann man das hinterher, denn während einer ABS-Bremsung auf einen Fuchs zu fahren führt vermutlich eher zum Sturz als einfach feste druff zu halten.

Der Fuchs rannte dann tatsächlich los und ist noch knapp vor mir durchgekommen, ca. 1-2 Meter vor meinem Vorderrad. Da hat es sich wohl gelohnt, vom Gas zu gehen. Der weitere Weg zum Hotel verläuft dann ohne besondere Vorkommnisse.

Abends gab's nach dem leckeren Abendessen noch einen spontanen Foto-Vortrag von iOn, der von seiner geführten Himalaya-Tour berichtet hat. Das ist etwas völlig anderes, sehr abgefahren und sicherlich wesentlich strapaziöser als unser Vier-Sterne-Reiseenduro-Asphalt-Trip.

Als nächtliche Tuningmaßnahme bekommen danach meine Gabelprotektoren noch etwas Farbe verpasst. Links blau, da nehme ich eigens dafür gekauften Nagellack (1,29 bei dm) und rechts orange, da hatte ich noch Foliatec Sprühfolie übrig. Dafür demontiere ich das Teil sogar. Außerdem frische ich die Oberseite der rechten Seitenverkleidung auf, hier hatte sich ja einiges abgerieben. Andere Leute schrauben lieber daheim rum, aber daheim habe ich durch meinen Job leider kaum noch Zeit für mein Hobby: Wer jede Woche Dienstreisen macht, dabei auswärts übernachten und auch nur jedes zweite Wochenende daheim verbringt, der muss Prioritäten setzen.
Zuletzt geändert von blahwas am 2. Jul 2015 08:45, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#5 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:14

Dienstag
Heute hat everyday Geburtstag. Und zwar den 50. Geburtstag! Als Organisator des Treffens, Forums-Promi und Beinahe-Österreicher ist das natürlich ein Event. Da gibt es also nicht nur Kuchen und Gratis-Massage vom Hotel, sondern auch Geschenke von der Gruppe und auf seinen Wunsch eine Tour zu seinen Lieblingsplätzen. Da er bekanntlich Geschmack hat, was Strecken und Landschaften angeht, kann das ja nur gut werden.

Da der eine oder andere noch tanken will, und weil ich morgens nicht richtig aus dem Quark komme, fahren die anderen schon mal vor und wir treffen uns unten im Tal an der Tankstelle. Den Pass runter flutscht es bei mir richtig und ich schnupfe einige andere Teilnehmer auf. Ich hoffe, ich habe niemanden erschrocken. An der Tankstelle werden die Gruppen eingeteilt.
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Fremdprodukt eingefangen und umzingelt!
Hier komme ich auf die völlig schwachsinnige Idee, den Luftdruck zu prüfen, obwohl ich gerade 1a kurvensurfen vollzogen hatte. Es wird zuviel Druck angezeigt, ich lasse Luft ab und eiere den Rest den Tages rum – mein Motorrad schiebt über ca. 45° Schräglage fortan über das Vorderrad, was ich so noch nie erlebt habe.

Von der Tanke ging es also in vier Gruppen nach Osttirol in die Lienzer Dolomiten, und zwar über das Lesachtal (schöne Aussichten, wenig Verkehr, immer wieder auch spannende Kurven, und auch prima Anreisestrecke Richtung Bozen) und die mautpflichtige Pustertaler Höhenstraße (noch schönere Aussichten, noch weniger Verkehr, dafür mehr Kurven) zur Dolomitenhütte. Das ist ein Cafe mit Aussicht, wie ich noch keines erlebt habe. Absoluter Tipp!

Zurück ging es über den Kreuzbergsattel. Das ist, um es auf den Punkt zu bringen, eine schweingeile Kurvenstrecke mit 1a Belag. Unten sammeln sich alle Gruppen, und einige Teilnehmer erledigen diverse Prüf-, Test- und Spaßfahrten. Ich darf Pilot Road 4 auf einer Berliner 650er ausprobieren (sehr neutral, aber hier auch nicht mehr Grip als BT023) und eine V-Strom 650 (Motor Sahne, Sitzposition mir zu passiv, Fahrverhalten weniger agil als Versys 650, Schräglagenfreiheit rechts ok aber links bedenklich: Seitenständerauflagenverbreiterung!).

Abends berichten die Teilnehmer der ersten, kleineren Gruppe von Varahannes' Fahrsicherheitstrainig, die heute damit den Tag verbracht haben. Und wir berichten ihnen von Osttirol. Ich persönlich werde morgen am Fahrsicherheitstrainig teilnehmen, und zwar mit einer Exklusiv-Gruppe: Nur Besucher dieses Treffens, also nur Versys und zwei Fremdfabrikate, aber wir sind ja tolernt, weltoffen und wertfrei gegenüber Leuten, die das falsche Motorrad fahren ;) Das geht, obwohl die Gruppe eigentlich schon voll war, nachdem everyday telefoniert. Das er mir zugunsten auf seinen Platz verzichtet hat, sagt er mir erst hinterher. Bin sprachlos von soviel Fürsorge. Das gab dann ein Freibier extra ;)
Zuletzt geändert von blahwas am 1. Jul 2015 22:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#6 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:14

Mittwoch
Heute ist für mich das Fahrsicherheitstrainig mit Varahannes, der uns an der Tankstelle im Tal abholt. Wir fahren einzeln runter, und da ich etwas spät dran bin, sind am Hotel die anderen schon alle weg. Ich gehe aber davon aus, sie am Pass einzuholen. Und das klappt dann auch, wir kommen gleichzeitig an der Tankstelle an. Mit dem gestern abend korrigierten Luftdruck geht’s wieder gut. BT023 braucht wirklich 2,5 vorne und 2,9 hinten – mindestens. Auf dem Weg zur Tanke hatte sich ohne unser Wissen everyday mit einer Kamera im Gebüsch versteckt und Fotos von uns Vorbeifahrenden angefertigt.
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Ich bin gedanklich schon drei Kurven weiter

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Herr Angstnippel hat als einziger den Fotografen bemerkt
Varahannes führt uns von „unserer“ Tanke zu einem Verkehrsübungsplatz, wo jeder Teilnehmer Achten fahren soll, und Varahannes guckt sich das an, um Technik und Blickführung zu bewerten. Ich gucke ihm nicht weit genug in die Kurve rein. Das höre ich oft, aber so ganz glaube kann ich es nicht.

Danach geht es zur ersten Übungssgtrecke. Hier schlängelt sich eine Landstraße ein enges Flußtal entlang. Es gibt reichlich unregelmäßige Kurven, die nicht einsehbar sind. Hier gibt es auch Felsen nah an der Strecke, auch an engen Kurven, so dass Großfahrzeuge über den Mittelstreifen hinaus ragend um die kurve fahren müssen. Entgegenkommende Fahrzeuge müssen also ganz rechts bleiben. In einer Kurve liegt aber leider auch noch ein Gullideckel so in Fahrbahn, dass viele Motorradfahrer sich dafür entscheiden, zunächst links dran vorbeizufahren. Und danach wird die Kurve auch noch enger. Und weil das immernoch nicht genug Gemeinheiten sind, geht es hinter Leitplanke auch noch steil runter in den Fluss. Wer in Österreich also gelb-rote statt weiß-roter Pfeiltafeln an Kurven sieht, oder einen gelben Unterfahrschutz, der sollte echt aufpassen, denn weitere Warnhinweise gibt es nicht.

Viele meinen ja, dass sie noch ausweichen könnten, wenn ihnen plötzlich ein Bus entgegen kommt, der ihre Spur mitbenutzt. Das schaffen auch alle – nur die Kurve kriegen dann viele nicht mehr. Letztes Jahr sind in dieser besonders gemeinen Kurve drei Motorradfahrer verstorben. Videoauswertungen des regulären Straßenverkehrs von Varahannes zeigen, dass über 95% der Motorradfahrer so nah an der Mittellinie fahren, dass sie auf entgegenkommende Großfahrzeuge reagieren müssen. Und ein erheblicher Anteil nutzt selbst die Gegenfahrbahn mit. Während der ca. 10 Minuten der Erklärung sehen wir nicht nur den Linienbus, sondern auch noch größere LKW, die diese Strecke nutzen, und die über die Mittellinie hinausragen.
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Die allgemein sichere Linie für Motorradfahrer besteht laut Varahannes darin, Kurven immer außen anzufahren (im äußeren drittel der eigenen Fahrbahn), und dann so lange außen zu blieben, bis man den Kurvenausgang sehen kann. Dann zieht man nach innen und beendet z.B. Rechtskurven so weit wie möglich rechts.

Bei Wechselkurven landet man so automatisch auf der richtigen Linie für die nächste Kurve. Durch das lange Außenblieben hat man die bestmögliche Sicht in die Kurve. Vor allem aber trainiert man das Ausweichen nach innen, wenn man jede Kurve so fährt. Dieser letzte Punkt überzeugt mich, von meinem bisherigen „immer rechts anfahren“-Maxime abzuweichen. Außerdem erschreckt man die Fußgänger dann weniger, die es auch in nicht einsehbaren Rechtskurven geben kann.

Dann montiert Varahannes die Kameras, um uns zu filmen und fährt die Strecke vor. Anschließend fahren wir frei die Strecke ab, wobei Hannes an den definierten Wendepunkten wartet, die Teilnehmer dann in ihrem Wunschtempo führt, mit Bordkamera filmt und anschließend persönlich Feedback gibt. Später wird er eine Videoauswertung zustellen. Da Videoschnitt sehr zeitraubend ist, passiert das normalerweise erst im Winter.

Nach gut einer Stunde auf dieser Strecke geht es zur Mittagspause, wo ordentlich getafelt wird. Danach üben wir regelmäßigere Kurven am Berg (Mallnitz). Auch hier wird erklärt, wo zu fahren ist. Die Fahrbahnbreite ist hier großzügiger bemessen, so dass sich Unachtsamkeiten nicht so schnell rächen. Hier gibt es dezente grüne Markierungen auf der Straße, von denen man sich bitte rechts halten soll, um die Sicherheitslinie zu fahren. Rechtskurven sind auf der rechten Randlinie zu beenden.

Auf dieser Strecke kommt reichlich Fahrspaß auf. Da die Kurven regelmäßiger angelegt sind, kommt man nicht so schnell durcheinander mit innen und außen. Ich lasse es ziemlich fliegen und schnupfe die meisten anderen Teilnehmer und alles was sonst noch rumfährt großzügig auf. Varahannes fährt vor mir und ich treffe seine Linie nicht ganz. Er rät mir, lieber etwas langsamer und dafür genauer zu fahren.

Als sich die meisten schon satt gefahren haben und am unteren Wendepunkt stehen, kommt die Polizei: Ein Streifenwagen hält bei der Gruppe und fragt, was das hier soll, Anwohner hätten sich beschwert. Sinnloses Hin- und Herfahren wäre verboten. Was sagt man da?
a) „Wir üben hier schnelles Kurvenfahren!“ Naja, vielleicht nicht.
b) „Wir machen hier ein 1000 PS-Training!“ Klingt nicht so gut.
c) „Wir machen hier ein Fahrsicherheitstraining vom ÖAMTC! Trainer kommt gleich!“ *dingdingding*
„Ahsoo, na donn bassd dös! Gohde Fahrt noh!“ - und weg war er.

Aus Rücksicht auf die Anwohner (der untere Wendepunkt liegt neben drei Häusern), drehe ich im unteren Abschnitt fortan weniger hoch. Irgendwo habe ich da auch ein Ortsschild gesehen, glaube ich.

Statt einer formlosen Verabschiedung am Wendepunkt begleitet uns Varahannes noch bis zum Hotel. Hier habe ich Gelegenheit, direkt hinter ihm zu fahren, und zwar auch über den Kreuzbergsattel. Er fährt die sauberste Linie, die ich je gesehen habe, und hat sowas von alles unter Kontrolle, dass man die Uhr danach stellen könnte. Das Hinterherfahren macht Spaß, dafür könnte er Geld verlangen. Moment, das macht er ja schon. :) Vom Kurventempo her könnte ich vielleicht einen Ticken schneller, aber er gibt hier sicherlich nicht alles. Er überholt genau wie ich an Stellen, wo das durchaus geht, wo aber sonst keiner auf die Idee kommen würde. Und die StVO wird beachtet.

Vielleicht das Highlight des Tages ist die Fahrt von der Haustankstelle Tröpolach den Nassfeldpass hinauf. Ich bitte Varahannes, mich vorfahren zu lassen und mich zu filmen, was er auch prompt tut. Ich fahre in meinem gewohnten Tempo mit seiner Linie den Berg hoch. Anfangs klebt er noch an mir dran. Als dann aber die Kehren und Wechselkurven kommen und ich die Gänge 2, 3, 4 ohne Kupplung, aber mit Vollgas bis 8500/min durchs Getriebe schaufle, wie ich das so gerne tue, wird es dunkel in den Rückspiegeln. Ui. Okay, er ist der bessere Fahrer und hat 30 PS mehr, aber er trägt auch bestimmt 50 kg mehr hier den Berg rauf und hat vermutlich eine längere Übersetzung. Und er will im Straßenverkehr nicht über 45° Schräglage fahren, hat er gesagt. Da nehme ich doch mal etwas Tempo raus, denn ich will ja ein Fahrvideo von mir auf dem Pass und nicht primär einen Ego-Boost für mich und die Versys. Bald wird Hannes wieder größer im Spiegel. So geht es für mich dann mit 90% Einsatz den Pass rauf, und bis auf eine Linkskehre bin ich mit meiner Linie recht zufrieden auf dieser Fahrt.

Oben angekommen parken wir nebeneinander und wechseln zunächst kein Wort, dann aber sehr viele. Innerlich hatte ich mich auf einen Anschiss eingestellt, aber der entfiel. Es herrscht höchste gegenseitige Anerkennung. Varahannes glaubt nicht an das Märchen, dass nur langsames Fahren sicheres Fahren sein kann und ist auch in vielen anderen Punkten konform zu meiner Sicht auf das Motorradfahren. Seinen Lebensweg, seine Fähigkeiten und was es daraus macht bewundere ich ohnehin. Ich bekomme noch schnell die Speicherkarte aus seiner Frontkamera, gehe ins Hotelzimmer und kopiere mir das gerade entstandene Video. Varahannes ist hochgekommen, um Everyday persönlich zum 50. zu gratulieren und um die Teilnahmeurkunden zu überreichen. Daran erkennt man, dass das hier für ihn nicht nur ein Job ist, denn bezahlt wird er dafür ja nicht extra, hat aber 2,5 bis 3 Stunden zusätzlichen Zeitaufwand. Es hat auch jeder von diesem Training profitiert, unabhängig vom vorherigen fahrerischen Können. Habe die Ehre, Varahannes!

Der Abend in der Kawasaki-Bar ist vergnügt wie immer und das frische Video hellt die Stimmung weiter auf.
Das WLAN in meinem Zimmer funktioniert immernoch nicht, und nachdem ich das dritte mal an der Rezeption reklamiere bietet man mir ein neues Zimmer an, aber ich versäume es, den Schlüssel abzuholen, bis die Rezeption schließt. Dann ziehe ich halt morgen um. Das neue Zimmer ist zur Bergseite, wovon ich mir mehr Schlaf verspreche, denn ich wache mit dem Tageslicht auf. Und Tageslicht gibt es hier ab 5 Uhr früh. Überall sonst habe ich Rollläden oder richtig dichte Vorhänge. Außerdem, wo ich gerade am Jammern bin, habe ich permanent Durst, seit heute morgen Zahnschmerzen und zwischendurch ein wenig Allergie, diese aber weniger schlimm als letztes Jahr. Jetzt ist aber genug mit Jammern, ich bin immerhin noch einer der jüngsten Teilnehmer hier und wenn die alle nur über ihre Wehwehchen reden würden, würde das weniger Spaß machen.
Zuletzt geändert von blahwas am 3. Jul 2015 09:27, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#7 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:14

Donnerstag
Heute fahren wir (Silver Surfer, Angstnippel und Florian aus Türingen) nach Slowenien, auf die Grenzkammstraße. Wir wählen Slowenientour 4 aus dem Fundus an Routen der „Reiseleitung“. Diese Variante ist mit 300 km nicht ganz so lang, wegen der vielen kleinen Straßen mit teilweise reinem Schotter aber auch bestimmt nicht zu kurz.

Ich bin wieder mal ab 5 Uhr früh wach, aber dieses Mal döse ich nicht sinnlos rum, sondern nutze meine Zeit: Der Reisebericht wird angefangen, und im Zimmer räume ich auf und packe ein. Schließlich will ich nach dem Frühstück noch das Hotelzimmer wechseln.

Am Frühstück dauert es etwas länger, und so verschieben wir die Abfahrt um 30 Minuten. Pünktlich um 9:30 ist meine Truppe abfahrtbereit. Oder doch nicht? Einer der Teilnehmer hatte gestern nicht getankt und jetzt nur noch 150 km Reichweite, will aber unbedingt in Slowenien tanken, und nicht in Italien (20 cent pro Liter Preisunterschied). Ein freundliches „Schaumermal“ später geht’s den Nassfeldpass auf der italienischen Seite runter – Österreich wird heute nur wenige Hundert Meter befahren.

Hier lasse ich es bewusst ruhig angehen, ich bin doch ziemlich platt von gestern. Ich spiele mit den Linien und gebe wenig Gas. Das schont auch die Bremsen und die Reifen. Die sehen zwar noch gut aus, müssen mich aber ja noch 1000 km nach Hause tragen – und zwei Fahrtage in den Alpen. Meine Versys macht heute einen deutlichen Hops beim Wiederöffnen des Gasgriffs aus dem Schiebebetrieb und auch bei mir läuft es nicht so 100% rund. Und in den Rückspiegeln sehe ich gar nichts, auch der Rest der Truppe scheint noch im Halbschlaf zu sein. Da hilft nur eine Pause am ersten Abzweig – also nach sagenhaften 14 km.

Dann geht es über italienische Bundesstraßen Richtung Slowenien. Bald zweigen wir rechts ab und befinden uns auf einer schmalen Waldstrecke mit reichlich Rollsplit und Schmodder, und zu allem Überfluss auch noch einem heimischen PKW vor uns, der uns erst nach Minuten passieren lässt. Direkt danach laufen wir auf drei ältere Motorräder mit noch älteren Fahrern auf: R80 GS, Guzzi LeMans und als Ausreißer einer moderne Vespa. Die drei eiern um die Wette über die Strecke, als ginge es darum, wer als erster jemanden zum weinen bringt, hat gewonnen. Zum Glück kommen wir bald vorbei.

Bei Uccea überqueren wir die Grenze zu Slowenien. Kaum vorzustellen, dass hier mal der eiserne Vorhang hing: Westlich NATO, östlich Warschauer Pakt. Beide bis an die Zähne bewaffnet und nur auf ein Zucken des anderen wartend. Davon ist hier heute kaum noch etwas zu sehen, der Grenzübergang ist dauerhaft offen und ohne Personal. Sogar die Leitpfosten sind auf beiden Seiten die gleichen.

Dann werden die Straßen breiter und mit ein wenig Verkehr surft es sich gelassen über prima Neubaustrecke und brauchbare Altstrecken. Bald finden wir die versprochene Tankstelle, ich kaufe mir ein Eis und alle sind happy. Es ist warm heute. Wenig später geht es rechts ab auf die Grenzkammstraße. Sehr schmal, sehr wenig Verkehr, Zustand oft grenzwertig bis haarsträubend, aber hier und da auch brauchbar. Rastenschleifen gibt es hier nicht, dafür Schotterabschnitte. Anscheinend wir die Strecke laufend modernisiert, denn letztes Jahr war hier noch mehr Schotter, und es sind Bauarbeiten im Gange. Statt wie in Deutschland über die Straße dafür monatelang zu sperren, wird man mit Augenmaß durchgewunken. Sehr kulant.

Highlight der Tour ist ein Aussichtspunkt, der anscheinend auch ein historischer Militärposten ist. Sandsäcke und Schützengänge sind stumme Zeugen der Konflikte zwischen Ost und West der letzten 100+x Jahre. Als Mensch, der den kalten Krieg erlebt hat bin ich immernoch sehr froh, dass wir aus der Nummer rausgekommen sind und heute einfach nur die Aussicht genießen können.
Bild
Und unsere Versen warten mit gesenktem Haupt auf unsere Rückkehr. Heute mal eine homogene Modellauswahl (nur 650er bis 2009).
Bild
Als wir auf der Italienischen Seite raus kommen, suchen wir uns erstmal ein leckeres Mittagessen und werden auch in einem lokal fündig. Für mich gibt es Krabbensalat und reichlich flüssiges.

Zurück geht es ein paare Täler weiter in Slowenien. Hier ist Bundesstraße und mehr Verkehr, was die Gruppe auseinander rupft. Und die Hitze zehrt an der geistigen Fitness. Eine richtig gute Route für den Rückweg habe ich noch nicht entdeckt. Vielleicht fahre ich im nächsten Jahr einfach den gleichen Weg andersrum?

Viel später, am Rückweg fast schon wieder im Hotel, aber noch in Italien bin ich sowas von fit, ich kriege nicht mal mit, dass ich den gleichen Weg (SP76) schon 3 Tage zuvor gefahren bin. An der Ampel am Ende biegen wir links ab auf die große Bundesstraße. Nach einigen Metern zähle ich mal im Spiegel durch: eins, zwei – wo ist der dritte? Wir sind schon außer Sichtweite der Kreuzung, also bekommen eins und zwei Schimpfe, werden zum Warten verdonnert und ich fahre zurück, den dritten Mann suchen. An der Kreuzung wartet er nicht, geradeaus ging es nicht weiter, also fahre ich ihm entgegen – und da kommt er dann auch bald. Das ging ja nochmal gut. Dann schickt mich mein Navi wieder nach links, und keiner weiß so recht, wieso. Anscheinend liegt da ein Wegpunkt, der dort nicht sein sollte – in der ursprünglichen geplanten Tour ist er auch nicht vorgesehen. Bedienungsfehler? Weg mit dem Punkt, Leute einsammeln, umdrehen und wieder Bundesstraße bis Pontebba, und eine letzte Pause, wieder am morgendlichen Abzweig. Die Blechhütte dort wird langsam vertraut. Ob man die mieten kann? Die Mitfahrer bekommen noch frische Blumen ans Mopped, und dann fahren zwei direkt los, weil sie nicht nur den Pass hoch zum Hotel, sondern auch noch am Hotel vorbei den Pass wieder runter, tanken, und wieder rauf wollen. Tröpolach hat halt günstigen Sprit, wenn man in Italien abhockt, und man spart am nächsten Morgen Zeit und dem Tourguide Ärger – oder man sammelt sich direkt unten im Tal.

Stefan und ich rasten etwas länger, weil wir beide platt sind, und fahren dann gemeinsam zum Hotel. Es ist ja auch schon 18 Uhr. Ich reiße mich zusammen, sammle den Rest meiner Konzentrationsfähigkeit und fahre flüssig, aber weit vom Limit entfernt den Berg hoch. An einigen Stellen versaue ich die Linie, aber Stefan kann wieder größtenteils dranbleiben. Schöner Erfolg nach so einem langen Fahrtag.

Abends gibt es eine urige Schuhplattler-Vorführung, und den Rest des Abends nutze ich zum Rumschrauben (flacher „Hobbes“-Scheibenhalter statt verstellbarer Palmer Products-Halter, RAM-Mount für Gopro statt Rohrschelle, RAM-Mount für Navi am Lenker anders platziert für größeren Lenkeinschlag, Plastidip auffrischen und Stefans Topcase mit Plastidip „lackieren“).
Zuletzt geändert von blahwas am 1. Jul 2015 22:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#8 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:15

Freitag
Heute will ich mir mal einen ruhigen Tag machen. Gestern war ich schon nicht fit, im neuen Hotelzimmer schlafe ich auch nicht besser oder länger, und die nächsten beiden Tage stehen je 500 km auf dem Plan. Silver Surfer und Detlev lassen beim Frühstück durchblicken, dass es ihnen ähnlich geht. Schnell kommt der Plan auf, spazieren zu gehen. Daraus wird dann wandern, und Silver Surfer rüstet auf mittels Wanderstöcken.

Ich leihe mir derweil an der Rezeption bergtaugliches Schuhwerk, denn ich will weder meine Daytonas durchlatschen (so wie die letzten), noch in meinen ultradünnen Trainigsschuhen irgendwas riskieren. Ich erhalte auch ein Paar gut eingetragene Goretex-Wander/Berg/Arbeitsstiefel, die fast perfekt passen. Für einen Tag ideal. Top! Ansonsten improvisiere ich mir aus atmungsaktivem Longsleeve, Membraninsert von der Motorradjacke und einem Fleecepulli eine taugliche Klamotte. Lichtschutz besorgen Sturmhaube, Sonnenbrille und mitgenutzte Sonnencreme.

Nachdem die Ausrüstung geklärt ist, steht die Route zur Diskussion. Hier haben wir nicht besonders viel Plan und richtig schlau werden wir weder aus Plänen, Auskünften oder Betrachtung der Landschaft. Also kürzen wir das massiv ab, laufen nur einige Höhenmeter entlang der Straße nach Tröpolach zur Talstation der Seilbahn und fahren ordentlich weit hoch. Da könnte man als Flachlandei glatt Höhenangst bekommen, aber die Aussicht ist phänomenal! Wir gucken uns etwas um und entdecken diverse Wege von der Bergstation der Seilbahn hinab. An den Vierer-Gondeln ist seitlich ein Haken für Fahrräder. Unser Hotel hat Dutzende Leihfahrräder im Keller stehen. Was ergibt das zusammen? Richtig, keine Stunde später stehen wieder oben, aber dieses mal mit drei Mountainbikes und geifern auf die Abfahrt. Fahrradhelme gabs an der Rezeption, Motorradhandschuhe tragen wir auch noch dazu.

Hier der direkte Weg zum Hotel (in der Vergrößerung zu erkennen):
Bild
Wenn man mit einem Fahrrad auf x-Tausend Höhenmeter oben an einer Skipiste steht, gibt es zwei mögliche Reaktionen:
a) Die normale: Angst. Hilfe! Da runter? Mit einem Fahrrad?? Diese Steigung??? Auf einem Schotterpfad mit so groben Steinen, dass man sich mit dem Motorrad keinen Meter drauf trauen würde??!!
b) Die andere: Halleluja! Sieht gut aus, geht ja nur bergab, kein Strampeln, freie Fahrt bis zum Hotel, kein erkennbarer Verkehr und Adrenalingarantie. Keine Polizei, keine Schilder, und keine Ansagen, dass man irgendwo nicht fahren sollte, dürfte oder kann. Runter kommen sie immer!

Zwei von uns sind bei b), einer bei a), und der schiebt dann lieber den Berg runter. Der Rest lässt es fliegen und testet den Grip von Vorder- und Hinterrad, denn man bremst ja wirklich fast permanent. Und wenn das nicht mehr klappt, dann weicht man in den Hang hinein aus, denn Mountainbikes fahren da einfach hoch. Zumindest, wenn man eine Stelle findet, die etwas weniger steil und dafür vielleicht etwas kuscheliger ist als die schroffen Felsen auf den ersten paar Hundert Metern. Nach einigen Hundert Metern Schotter kommt auch bald Asphalt und schon ist man an der Passhöhe, wo wir erstmal Posingfotos machen und etwas mit einem Haufen Baumstämme spielen, auf den ich mich zuvor mit der Versys knapp nicht drauf getraut habe. Zurecht, denn die Dinger sind nass und selbst mit dem Fahrrad verflucht glitschig.

Stefan und ich sind sehr happy und wollen für Runde zwei einen anderen Weg finden, am besten entlang der Höhenlinien. Wir lassen uns dazu an der Rezeption beraten und erhalten auch Hinweise, denen ich nicht folgen kann. Ich nehme nur wahr „Da muss man etwas radeln.“ Stefan kriegt anscheinend mehr mit und macht für heute die Navigation. Also wieder zur Talstation der Seilbahn, rauf den Berg, und dann Richtung Italien runter, um den Gebirgszug der Staatsgrenze herum. Bergab geht es in Kehren auf Schotter.
Bild
Das sieht zunächst super aus, aber bald kommen Steigungsstücke, die uns „fußkranke Großstädter“ doch ziemlich quälen.

Kleiner Exkurs in Fahrradtechnik: Der Sattel eines Mountainbikes gehört zum Bergabfahren möglichst tief, damit man sich nicht selbst damit von unten KO schlägt, aber bergauf zum Strampeln gehört er eher hoch, damit man die Beine beim Strampeln ausstrecken kann. Ein unmögliches Unterfangen also, trotz Schnellspannern.

Richtig mies wird es dann später auf der italienischen Seite, als es zunächst so steil runter geht, dass man schieben muss (so ausgeschildert und tatsächlich empfehlenswert), und dann darf man alles wieder hoch strampeln. Die Pausen werden jedenfalls häufiger und länger. Wenn ich noch stehen kann, wenn ich wieder am Hotel bin, bekommt jemand an der Rezeption jedenfalls Ärger. Oder einen Defekt vortäuschen und abholen lassen? Nach dem alten Rennfahrermotto „Pokal, Spital, oder Defekt vortäuschen“? Aber dass ich bereits Motorräder hören kann, gibt mir Hoffnung, dass es nicht mehr weit ist. Mit letzter Kraft schaffe ich es dann noch. Und es war tatsächlich der letzte Anstieg. Am Ende überwiegt dann ganz klar die Freude, gerade auch wegen der Strapazen, und wir machen sogar ein Posingfoto an der Kawasaki-Bar.

Route: http://goo.gl/FAlBCq

Jetzt nichts wie ab unter die Dusche, letztes Abendessen mit ersten Wehmut, dann Motorrad wieder zurückbauen auf Tourenbetrieb. Leider kann ich die vordere untere Schraube der Heckverstrebung nicht finden, weder rechts noch links. Und das ist eine Spezialschraube. Man könnte zwar auch ohne fahren, aber mit ist besser bei Zuladung. Also frage ich an der Kawasaki-Bar in die Runde, wer mit Hänger abreist und mir die zwei Schrauben leihen würde. Sonnenhut erklärt sich bereit, sein Motorrad geht danach ohnehin zur Inspektion. Der Händler will später 5 Euro für die Schrauben, Sonnenhut schenkt sie mir, also buche ich das unter „Forenspende“ ab :) Es wird noch ein Gruppenfoto mit Motorrad an der Bar gemacht, wo wirklich (fast) alle drauf sind. Zwischendurch werden noch alle Fotos und Videos vom Treffen ausgetauscht, indem sie auf einen Laptop kopiert werden und später vom Medienbeauftragten online zur Verfügung gestellt werden. Man schmiedet Pläne zur Abreise und dann lässt man gemütlich das Treffen ausklingen.
Zuletzt geändert von blahwas am 2. Jul 2015 23:16, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#9 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:15

Samstag, Abreise Teil 1

Heute fahre ich nach Nürnberg. Das liegt für viele Leute auf dem Weg, also schließen sich mir iOn, Angstnippel, Silver Surfer, Debra und Hochstrubbl an. Wir fahren auf schnellstem Wege, ohne Autobahn in Austria und über den Großglockner. Der ist auch nicht viel teurer als die Autobahn (20 Euro mit Louis-Rabatt vs. 16 Euro Autobahnvignette + Tunnelmaut) aber wesentlich erlebnisreicher. Dass er für Motorräder befahrbar ist klären wir morgens telefonisch und lassen es uns auf einer Pause erneut bestätigen. Vor der Mautstation gebe ich freie Fahrt mit Treffpunkt Passhöhe. An der Mautstation werden wir noch belehrt, bitte ganz vorsichtig zu fahren, besonders in Tunneln. Jaaaa, Mama.

Knapp nach der Mautstation setzt leichter Regen ein, zwei Teilnehmer fahren am Kreisverkehr rechts, während ich Regenklamotten anlege (es wird ja auch kalt da oben) und mich dann zur Besichtigung des Gletschers (Kreisverkehr links) entscheide. Mir folgen zwei weitere Teilnehmer und wir gucken uns an, was vom Gletscher noch übrig ist. Ich bin zum ersten mal in meinem Leben an diesem Gletscher an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2369 m Höhe), ab ich kenne alte Fotos. Der Unterschied ist erdrückend. Und wir machen alle dabei mit. Auf dem Hinweg genieße ich die Kurven, auf dem Rückweg genieße ich die Aussicht. Die Straße ist mittlerweile nass, aber eisfrei, und es ist sehr wenig Verkehr. Die Temperatur bewegt sich vermutlich um 5°C. Reichlich Schnee neben der Straße.

Ab etwa 2000 Meter Höhe setzt stärkerer Regen ein und man tastet sich so vorwärts, natürlich nicht ohne noch hier mal einen Bus und da mal einen Porsche zu überholen. Es ist wirklich erstaunlich, was schon halbwegs moderne Tourenreifen der vorletzten Generation (z.B. mein geliebter BT023) für einen Nassgrip selbst bei dieser Kälte entwickeln. Ohne jeden Rutscher geht es hoch, durch den Tunnel, und den Abzweig zur Edelweißspitze hoch (2576 m Höhe), wo zwei Teilnehmer am Abzweig warten (2428 m Höhe). Hier im Regen und in den Wolken ist das ein wenig attraktiver Treffpunkt, und die Edelweißspitze liegt komplett in den Wolken, also schicke ich sie weiter. Die Maustation unten (1151 m Höhe) ist als Treffpunkt vielleicht besser geeignet, und es war freie Fahrt angesagt, da findet uns der Rest dann schon. Anrufen können Sie mich ja jederzeit, mein Headset im Helm dudelt mich nicht nur mit Musik voll, sondern ermöglich auch Telefonate.

Also runter den Berg, wieder am Porsche vorbei und tatsächlich klart es auf und der Regen weicht Sonnenschein. Schön durch die Kurven zu swingen ist im trockenen natürlich noch besser, und auch die Aussicht ist nicht von schlechten Eltern, obwohl man da nach 7 Tagen Austria ziemlich verwöhnt ist. Bald kommen mir Motorradfahrer ohne Regenklamotten, ja sogar ohne Motoradklamotten und mit Jethelm entgegen. Die wissen wohl nicht, was sie weiter oben erwartet. Ich will ja nicht schadenfroh sein, und ich gebe zu, auf jeden neidisch zu sein, der nie Schutzkleidung trägt und nie verunfallt, aber ein bisschen kichern muss ich bei dem Anblick schon.

Unten an der Mautstation packe ich das Lunchpaket aus und warte auf den Rest, der erste kommt nach 10 Minuten, der letzte nach 30. Ich habe Urlaub und Pausen erhalten die langfristige Konzentrationsfähigkeit. Dass es nach 25 Minuten wieder zu regnen beginnt stimmt einen da zwar weniger fröhlich, aber laut Regenradar-App hört es ja auch bald wieder auf, und hier im Tal hat es 15°C, es wird also nicht übertrieben kalt. Wir sehen noch einen Caterham 7-Nachbau mit Fireblademotor in unsere Richtung starten, vor uns. Den kann man sich mal merken.

Kaum sind wir komplett, geht es weiter Richtung Norden. Überhaupt ist unsere Route eine ziemlich gerade Linie von unserem Hotel nach Norden. Als die Berge flacher werden führt die Strecke zunehmend durch bebautes Gebiet, aber man kommt gut vorwärts. Hier und da mal ein Kreisverkehr, nur wenige Ampeln und Ortsunterführungen ermöglichen ein gutes Vorwärtskommen, wobei man auf der Autobahn sicherlich doch schneller wäre, aber da hätte man halt nicht den Großglockner erlebt. Wir sehen noch einen Caterham 7-Nachbau mit Fireblademotor an unmöglicher Stelle am Straßenrand, Fahrer mit Warnweste an und Handy am Ohr daneben. Braucht man sich nicht mehr merken.

Als wir uns schon der Grenze nähern werden Rufe nach einer Tankstelle und einem Gasthof laut. Die letzte Tankstelle in Austria hat leider höhere Preise als man in Deutschland erwarten würde, und wieder mal sind die meisten Gasthäuser vernagelt. Wir haben aber iOn dabei, der anscheinend besser als ich darin ist, offene von geschlossenen Gasthäusern zu unterscheiden, und bald haben wir dann auch eines gefunden, wo wir uns satt futtern, rasten und die weitere Route besprechen.

Mir wird das langsam alles etwas zu spät, ich will heute Abend noch meine Schwester besuchen und meinen 5 Wochen alten Neffen das ersten mal sehen, darum würde ich gerne den Rest des Weges Autobahn fahren, inkl. A8 und München. Der Rest der Gruppe will auf deutscher Seite lieber Bundesstraßen fahren. Also trennen sich die Wege hier. Silver Surfer folgt mir, da er auch in Nürnberg übernachten möchte.

Vor die Autobahn hat der liebe Verkehrsplaner eine Umleitung gesetzt, wo wir immerhin noch eine Tankstelle finden. Der Rest des Tages ist dann Autobahnfahren mit stündlicher Pause und Kopfschütteln über die südbayerischen Autofahrer. Unaufmerksam, aggressiv, oder beides zusammen - normal fährt da anscheinend niemand. Sicherheitsabstände werden in Zentimeter gemessen und es gibt eigentlich nur eine Spur, nämlich die linke (von drei).

Ich bin mit dem verstellbaren Scheibenhalter von Palmer Products zum Treffen gefahren und habe ihn dort durch Hobbes flachen Scheibenhalter ersetzt, da er mir zu sehr gewackelt hat. Der Windschutz war aber wesentlich besser. Jetzt muss ich mir fahrenden Windschutz suchen, z.B. Hochdach-Kombi, Sprinter und auch ein wild gewordenes Wohnmobil mit Tempo 130. Silver Surfer fährt hinter mir, sitzt hinter seinen drei Scheiben und versteht die Welt nicht mehr. Er kriegt keinen Windschatten ab, dafür aber noch die Verwirbelungen. Er macht was mit.

So oder so, es gibt sicherlich unterhaltsamere Methoden, Motorrad zu fahren. Wir sind sehr froh, als das endlich vorbei ist, und checken bei meiner privaten Übernachtungsmöglichkeit ein. Dann fahre ich in die Innenstadt zu meinem Familienbesuch und setze meinen Mitfahrer zwecks Innenstadtbesichtigung ab. Die Altstadt von Nürnberg wurde 44/45 zwar reichlich platt gebombt, aber originalgetreu wiederaufgebaut, so dass sie heute eine Touristenattraktion ist. Da kann auch der Berliner noch ma gucken, wa?
Zuletzt geändert von blahwas am 2. Jul 2015 23:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#10 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:15

Sonntag, Abreise Teil 2
Für mich geht es heute weiter nach Düsseldorf, für Silver Surfer weiter nach Berlin. Ich gebe ihm noch ein paar Routentipps und begleite ihn zu meiner Schnellstraßenauffahrt. Heute habe ich mehr Zeit und nehme die B8 Richtung Würzburg. Als ich aus dem Nürnberger Verdichtungsraum definitiv raus bin, und weil ich gerade getankt habe, starte ich Navigon und lasse mir eine schöne Route bis Aschaffenburg berechnen, wo ich dann wieder auf die Autobahn wechseln will, so als Kompromiss. Das Windschild habe ich morgens wieder demontiert. Wenn ich schon keinen Windschutz habe, dann will ich wenigstens Ruhe haben. Im Kopf konstruiere ich derweile an einem einfacheren, verstellbaren Zwischenstück mit Zwei Scharnieren, zwei geschnittenen Gewinden und zwei Handrädern von unten oder oben.

Die „schöne Route“ laut Navigon durchs fränkische ist tatsächlich schön zu befahren. Der Algorithmus von Navigon war leider nie offiziell in einem Motorrad-Gerät erhältlich, aber die komplette Navigon-Software läuft ja auch auf meinem Pearl SLX-350 Navi. Und genau dafür habe ich sie auch immer dabei.

Tiefpunkt der Heimreise ist ein Kreisverkehr. Rechts und links Bundesstraße, ich komme von einer Nebenstrecke und will gegenüber weiter Nebenstrecke fahren. Ich kann nach links und vorne sehen, dass nichts kommt, und fahre im vierten Gang in den Kreisverkehr. Ein PKW von rechts sieht mich für sein Tempo zu spät und nimmt mir die Vorfahrt. Ich kann aber noch bremsen. Soweit, so schlimm, aber nichts ungewöhnliches. Aber dann hält dieser Künstler auch noch per Vollbremsung genau vor mir mitten im Kreisverkehr an. Wieso, weshalb, warum, das weiß er vermutlich selbst nicht, ich tippe auf „Oh Gott ich habe den Motorradfahrer so spät gesehen, ich muss bremsen! Und wenn irgendwas schief geht, dann ist anhalten immer das sicherste!“. So kam er also nicht nur meiner Ideallinie in die Quere, er versperrte mir auch den Notausgang. Glücklicherweise hatte ich die Vorderradbremse ja schon benutzt um ihm geplant auszuweichen, sie noch nicht wieder ganz gelöst und konnte deshalb einfach den Bremsdruck erhöhen, als aus dem vorbeifahrenden Hindernis ein stehendes wurde. Ich komme sehr knapp hinter ihm zum stehen, vielleicht 30 cm vom linken Lenkerende zu seiner hinteren Stoßstange.

Ich äußere meine Meinung zu seinen Talenten und fahre weiter, ärgere mich aber die nächsten Minuten, u.a. auch darüber dass ich mir das Kennzeichen nicht gemerkt habe, denn sowas ist eigentlich absolut anzeige-würdig (Vorfahrt genommen mit Gefährdung = 100 Euro + 1 Punkt). Andererseits soll man ja auf dem Motorrad für alle mitdenken, also hätte ich auch ruhig vorsichtiger in den Kreisel einfahren können, und zwar insbesondere erst nach freier Sicht auch nach rechts. Vorfahrt hat man zwar auch ohne, das hilft einem im Zweifelsfall aber weder im Krankenhaus noch am Friedhof. Lesson learned!

Die Strecken sind weiterhin schön. Zwei Baustellen zwingen mich zu kleineren Routenänderungen, aber wenn man eh keine Zwischenziele im Navi hat, dann fährt man einfach der Umleitung nach und Navigon sucht sich einen anderen schönen Weg. Prima Funktion!

Ab Aschaffenburg geht es auf die A3 und der Rest ist wieder eher nervig, wobei ich das mit Windschatten bald sein lasse und mich bei Tempo 120, rechte Spur dem Schicksal ergebe. Einen Stau erlebe ich noch in der Entstehung, weil ein PKW auf der linken Spur am Berg parkt. PKW-Fahrer kriegen es ja nicht hin, dass drei Leute nebeneinander alle mal eine Minute warten, damit Pannenfahrzeuge auf den Standstreifen kommen, so dass da wahrscheinlich die nächsten 3 Stunden mehrere Kilometer Stau sein werden, denn die Verkehrsdichte war vorher schon so hoch, dass es bereits „Bremswellen“gab.

Auf der Autobahnpause sehe ich dann noch, dass meine Kette auf dem Kettenrad rechts und links unterschiedliche Spuren im Schmodder hinterlässt (= Kettenrad schief), und Gummiwürste mittig auf der Lauffläche (= hohe Reifentemperatur).

Dann entdecke ich einen Spalt zwischen Achse und Kettenspanner, der das wohl erklärt. Diagnose: Das Hinterrad steht schief! Da es aber auch fest sitzt, wird das nicht neu sein. Die Achse hatte ich das letzte mal lose im August 2014, als ich die Kettenspannung nach einer Inspektion bei Kawa reduziert hatte. Die Kettenglieder sehen alle ok aus und die Kette ist auch nicht besonders heiß. Wenn das so lange gehalten hat, dann hält es auch noch die nächsten 60 Minuten bei Tempo 120, denke ich mir, und es geht weiter.

Das klappt dann auch, und der Rest ist Routine. Motorrad abrödeln, Packrolle ausleeren, ausziehen, duschen und ab zu meinem Schatzi, die geduldig daheim saß, während ich mich in den Alpen ausgetobt habe.
Zuletzt geändert von blahwas am 2. Jul 2015 23:26, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#11 Beitrag von blahwas » 1. Jul 2015 22:15

Fazit
Kärntentreffen ist einfach Spitze! Wir hatten dieses Jahr auch noch unverschämtes Glück mit dem Wetter, zu 99% trocken, zu 80% eitel Sonnenschein, nur auf der Anreise war der eine oder andere Pass noch zu. Im nächsten Jahr wird das Treffen etwas später beginnen, obwohl Pfingsten „früher fällt“, damit wir beim Wetter sicherer sind. Wenn der Schnee auf 2000 Meter erstmal in der Sonne liegt, dann kann eine Woche früher oder später da einen echten Unterschied machen. Die Chemie unter den Teilnehmern passte wie immer und es gibt reichlich Abwechslung in jeder Hinsicht. Z.B. war das Mountainbikefahren in den Alpen (mit Skiliften!) für mich ein Highlight.

Die Orga ist klasse. Das Hotel ist klasse, nur WLAN kriegen sie nicht überall hin und der Lichtschutz auf den Zimmer könnte besser sein. Das ist mein persönliches Problem, darauf muss ich mich nächstes Jahr vorbereiten. Die An- und Abreise auf eigenen Rädern von insgesamt 2000 km kostete mich 4 Tage und ca. 600 Euro Betriebskosten auf dem Motorrad – das ist eigentlich Wahnsinn. Dieses Mal habe ich niemanden für eine gemeinsame Anänger-/Transporter-Anreise gefunden, und ich wollte ja auch noch den Extrastopp in Nürnberg am Heimweg. Es wird also Zeit, dass ich mich da künftig selbst versorgen kann. Mietmoppeds sind auch eine Option (Anreise per Flugzeug oder Auto), aber mit der eigenen Mühle über die Pisten zu fliegen hat natürlich auch seinen Reiz. Ich sehe in meiner Zukunft also eine Anhängerkupplung am Auto.

Meine Gorpro vibriert gerne ihre Speicherkarte raus. Und ich kann sie nicht vom Lenker aus steuern. Und da das Gehäuse fest mit dem Sturzbügel verbunden ist, ist es oft auch dreckiger als man denkt. Ergebnis des ganzen sind elendige siebeneinhalb Minuten selbstgemachte Videos von einem 9 Tage-Trip, davon 0% freie Fahrt und ein paar Fotoserien mit Fliegendreck vor der Linse. Da muss sich etwas ändern. RAM-Mount ist schon vorhanden, um das Gehäuse in Pausen zu entfernen, und neue Gopro + Wifi Remote ist schon fast bestellt...

Abteilung Kleinholz
Drei Teilnehmer haben die Schräglagenfreiheit bei 0 km/h ausgetestet:
Kandidat A) hat hinter einem Auto fahrend in einer Kurve eine Verschmutzung nicht sehen können und sich beim folgenden Sturz einen Koffer angequetscht,
Kandidat B) scheiterte beim Versuch der Überquerung einer Schneeverwehung mit Straßenreifen, und
Kandidat C) versagte beim Wenden über einen glitschigen Holzstamm und titschte sich den Koffer an.
Niemand hat sich verletzt und alle Fahrzeuge blieben fahrbereit. Auch von Knöllchen wurde nichts bekannt.

Meta-Fazit
Ich glaube, das ist mein bisher längster Reise-Bericht. Es hat wegen des Umfangs viel Zeit gekostet, aber so macht das Lesen auch noch mehr Spaß. Mir zumindest – ihr anderen müsst da halt durch. Wieder mal habe ich zu wenig Fotos gemacht, daher bediene ich mich ganz dreist aus dem Fundus der Mitreisenden. Wer eines seiner Fotos wiedererkennt und entfernt haben möchte, bitte PN an mich. Ich weiß leider nicht mehr, von wem welches Fotos stammt :(

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#12 Beitrag von Walter » 1. Jul 2015 23:04

Wow was für ein geiler Bericht!
Mal sehen,könnt leicht sein das ich nächstes Jahr auch für ein paar Tage vorbeischau....liegt ja ganz in der Nähe von mir und ich muß zugeben das ich die halben Straßen vom Reisebericht gar nicht kenne. :oops:

Lg Walter
Today
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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#13 Beitrag von andre » 1. Jul 2015 23:14

Hi,

bezogen auf deine Frage zur Länge eines Reiseberichts kann ich dir versichern, dass ich deinen Bericht wirklich unterhaltsam fand.

Die Länge (ein Weizenbier) war ok, unterhaltsam geschrieben, mit der nötigen Portion Humor und Ironie und ohne dich persönlich zu
kennen, glaube ich, dass der Bericht sehr authentisch geschrieben ist....

Viele Grüße ;)
...die einen kennen mich, die anderen können mich...

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Gesamt gefahren mit allen Motorrädern über 250 TKM...

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#14 Beitrag von everyday » 2. Jul 2015 13:30

Ja Servus Versyshannes, 8-)

Yiihaa, :jubel: liest sich als wär man dabei gewesen, kurzes Nachdenken.... :fool: jo, ich war ja auch dabei. ;)

Ich denke aber dass auch nicht-Teilnehmer beim Lesen einen lebendigen Eindruck Deiner Reise erhalten.
Ach ja, wenn meine Konzentrationsfähigkeit früher in der Schule....... aber watt solls, man hat als Germane nur ein Leben und wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Topcase (zuerst stand hier was versautes, dann vielen mir zum Glück die u.18jährigen im Forum noch ein) nicht so schwer. :crazy:

Immer wieder schön mit Dir, eine gemeinsame Zeit erweitert jedes Mal meinen Horizont in unterschiedliche Richtungen.

Dein nächster Reisebericht könnte noch länger ausfallen (zum Glück :sabber: für uns), denn dann geht´s erst zum Jahrestreffen des Versysforums nach Norderstedt und von dort aus nach Südtirol zum Höhentreffen in den Dolos.

Tschööö Versyshannes, wir sehn uns im spät. im August wieder (gute Laune jetzt hab obwohl Mittagspause zu Ende)!!! :hello:
Zuletzt geändert von everyday am 2. Jul 2015 13:33, insgesamt 2-mal geändert.
fahr so als ob Du sie geklaut hättest

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#15 Beitrag von blahwas » 2. Jul 2015 17:08

@Walter
Klar, komm vor! Für Erstbesuch gibt's FREIBIER!

(für alle anderen übrigens auch!)

@andre
Danke :)

@everyday
erst zum Jahrestreffen des Versysforums nach Norderstedt und von dort aus nach Südtirol zum Höhentreffen in den Dolos.
... und dann zwei Wochen middem Zelt nach Frankreich :clap: Weil die französischen Hochalpen echt die Krönung sind. :thx:

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#16 Beitrag von Dedra » 2. Jul 2015 22:25

Sehr schön geschrieben blahwas! Hat mir, wie das gesamte Treffen richtig gut gefallen. War sehr angenehm und kurzweilig zu lesen. Vielen Dank dafür, hat wieder viele Eindrücke an diese genial organisierte Woche zurück gebracht.
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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#17 Beitrag von Umsteiger » 2. Jul 2015 22:34

Toller Bericht, Johannes :clap:
Ermöglicht dynamisches mitbewegen so als ob man dabei ist (na ja, nur als Du Verhannes verblawahst hast, konnte ich dynamisch nicht mehr ganz Schritt halten :pfeif: ).
:think: Hm, da Du ja wahrscheinlich auch einen Bericht zum Südtiroler Höhentreffen verfasst, könnte ich da ja fast mitfahren ohne hinzufa.........
Ach ne, lass mal, ich trag mein Moped doch lieber selbst durch die Tornantis.
Und freu mich schon :D

Grüße

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#18 Beitrag von hage » 3. Jul 2015 08:06

Sehr schöner Reisebericht, toll geschrieben. :thx: :top: :clap:

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Re: Versys Höhentreffen Kärnten 2015

#19 Beitrag von mikethebike » 3. Jul 2015 13:43

Danke für die schöne Erinnerung an unser Treffen - genauso war es!
Gruß vom Mike

Allzeit Gute Fahrt!

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