Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

Fragen zur Straßenverkehrsordnung, TÜV, Zulassungsrecht, Versicherungen und Gewährleistung von Kawasaki.
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Michael_1969

 
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#101 Beitrag von Michael_1969 » 12. Dez 2015 11:42

Also ich bin ja schon froh, wenn ich es überhaupt bis zur Verhandlung schaffe. Meistens scheitert das Verkaufsgespräch vorher schon aus vielerlei Gründen - meistens keine Lust, keine Zeit oder keine Ahnung des Verkäufers.

Oftmals hatte ich aber auch schon den Eindruck, dass es diverse Verkäufer lieber mit planlosen und uninformierten Kunden zu tun haben. Denen können sie das aufs Auge drücken, was am schnellsten raus muss und wo es den höchsten Verdienst gibt. Kommt dann ein Kunde, der genau weiß was er will oder braucht, geraten viele rasch an ihre Grenzen.

Von daher habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, nur dann noch in den lokalen Einzelhandel zu gehen, wenn ich wirklich persönliche Beratung benötige und diese im Netz nicht bereits ausreichend finden konnte. Dann kaufe ich aber auch dort und nicht online. Doch seltsamerweise kommt das immer seltener vor, je komfortabler das Internet und seine Möglichkeiten werden. Und nicht zuletzt aufgrund eines informativen Forums wie diesem hier :cheers:

Michael
Zuletzt geändert von Michael_1969 am 12. Dez 2015 11:43, insgesamt 1-mal geändert.

snap-on
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#102 Beitrag von snap-on » 12. Dez 2015 13:14

Jau, der mündige Verbraucher weiß genau, was er braucht.

Z.b. zwei etwas fülligere Mittvierziger einen Chopper der unteren Mittelklasse mit winzigem Sitzbrötchen zum Tourenfahren, oft gehabt bei Wiedereinsteigern.

Ein kompetenter Verkäufer weiß, dass das nicht die richtige Wahl ist, wenn es um Praxistauglichkeit geht.

Das Problem: Papi ist mit Mami vielleicht schon 5 Mal abends vor dem Schaufenster gestanden, bis sein Traum genehmigt wurde.

Was mache ich dann?
Zerstöre ich seine Illusion und empfehle ihm was Soziustaugliches?
Viele sind beratungsresistent, gehen zum nächsten Händler, der ihnen nach dem Mund redet und ihnen das gewünschte verkauft.

Soll also ich ihm also etwas untaugliches verkaufen um mich nicht selbst vom Markt zu kegeln??
Dann steht er womöglich in drei Monaten wieder auf der Matte und will das Ding für was vernünftiges in Zahlung geben, wobei er natürlich ordentlich Geld verliert.

Nun könnte man meinen, es sei ja ganz toll, wenn man nicht ein, sondern zwei Moppeds verkaufe.
Aber zum einen will man gut beraten und nicht nur Stückzahlen kloppen.
Und zum anderen will man zufrieden Kunden, und keine, die Frust mitbringen, weil es unnötig teuer wird.

Es ist also Ansichtssache, was ein guter Verkäufer ist.
Die ganz Gescheiten können mit Beratung oft erstaunlich schlecht umgehen.

Und absolut jeder Mechaniker kann was von einem Fehler erzählen, den ein TÜVler mal übersehen hat.
Jeder Selberschrauber von der haarsträubenden Dummheit der Werkstätten.
Jeder Arztjunkie von Fehldiagnosen.
Großenteils ist das Geseier von Leuten, die in ihren Jobs nie Fehler machen und als einzige in der Lage sind, ihre hohen Ansprüche zu erfüllen :-)

Ich habe an den Rennstrecken dieser Welt bei Kollegen haarsträubende und gefährliche Fehler gesehen.
Wenn bei WM-Läufen Fehler von Spitzenkräften gemacht werden, dürfen sie auch überall sonst gemacht werden.

Jeder der Verantwortung übernimmt, muss bereit sein, sich klar zu machen, dass auch er mal Fehler machen wird.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#103 Beitrag von everyday » 12. Dez 2015 13:55

Ich seh keinen Wiederspruch zwischen Verkäufer und Käufer.
Ich sehe viele gemeinsame Schnittmengen.

Wenn der Kunde ein Motorrad will, sollte ein Verkäufer in der Lage sein ihm das Motorrad seines Willens zu verkaufen.
Man sollte in so einem Fall seine Meinung nur dann äußern wenn sie gefragt wird. Eine freiwillige Abgabe von persönlichen Meinungen zieht das Gespräch nicht nur in die Länge, sondern auch in einen zwischenmenschlichen Bereich. Dann kommt es oft dazu das man nicht zusammenfindet (da haben beide Seiten > 1000 Möglichkeiten das die Chemie nicht stimmt).

Wenn aber der Kunde sich nicht sicher ist, welches Model für seine Wünsche im zukünftigen Fahrverhalten das richtige Model ist, dann kann man persönliche Meinungen so geschickt einbauen, das der Kunde zufrieden sein muss (wenn er halt kein Vollpfosten ist, da gebe ich snap-on Recht).

Wenn der Kunde 'oberschlau und beratungsresistent' ist, kann man i.d.R. davon ausgehen das man an diesem Kunden eh nichts verdient. In diesem Fall kurz und knapp abwarten ob er was kauft oder eben nicht. Soll er sich doch in einem Forum unbeliebt machen aber nicht in meinem Laden.

Noch etwas zu den beschriebenen Mängeln.
Ein Motorrad ist was besonderes, alles voller toller Technik auf engstem Raum ungeschützt von Wetter und nur schwer zugänglich. Selber schrauben ist mehr als nur eine Einstellungssache, es ist echte Maloche.
Aber die, die Motorradmechaniker werden wollten und auch geblieben sind, verdienen Respekt.
Das sind meist zuverlässige Mechaniker mit Spirit (deshalb gebe ich auch zuverlässig mein Trinkgeld).
Die Bedingungen unter denen sie arbeiten (Saison, in bestimmten Zeiten unter Hochdruck arbeiten, Probefahrten bei jedem Shitwetter machen, sich anblaffen zu lassen ohne eine Kopfnuss als Antwort zurückzugeben und vieles mehr) sind echt nicht die idealsten. Da haben es Gewerkschaftliche bei Autogroßkonzernen aber viel besser. Warum ich soweit aushole, die Dienstleister die Kunden mit Mängeln wegfahren lassen, haben den Spirit gar nicht mehr, oder nur manchmal nicht mehr, oder einfach nur mal einen schlechten Moment gehabt.

Deshalb ist verhandeln eine Selbstverständlichkeit und keine Einbahnstraße.
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#104 Beitrag von everyday » 12. Dez 2015 14:21

everyday hat geschrieben: Deshalb ist verhandeln

abwägen und erst dann den Dienstleister/Kunden auswählen
everyday hat geschrieben: eine Selbstverständlichkeit und keine Einbahnstraße.
Zuletzt geändert von everyday am 12. Dez 2015 14:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#105 Beitrag von snap-on » 12. Dez 2015 15:29

Soll man dem Kunden kommentarlos verkaufen, was er möchte?

Im Sporttourer-Bereich fahren viele völlig unnötigerweise Sportreifen.

Ist dann der gute Händler der, der den 4.- billiger verkauft und für 10.- Euro montiert?

Oder ist der Händler besser, der seine persönlichen Erfahrungen teilt und dem Kunden einen Tourensportreifen ans Herz legt, der 50% länger hält, bei kühlem Temperaturen viel besser haftet und harmonischer zu fahren ist?

Welche Beratungsleistung ist besser?

Und kann der Kunde im I-net soviel sparen, wie der richtige Reifen länger hält?
Wohl eher nicht.
Bei meiner RC36 waren der Unterschied zwei Satz statt drei Satz auf 12.000km.
Für Leute, die Räderausbau etc. zahlen müssen ein beträchtlicher Unterschied.

Diese Beratung gibt es halt nicht mehr, wenn sich Leute mit Waskostet vorstellen.
Der eine oder andere fährt damit mit Sicherheit anders als gedacht nicht billiger.

Es gibt genügend mündige Verbraucher, die das Internet nach dem besten Preis für einen Sch...reifen durchforsten, den ich schon vom Neumotorrad schmeissen würde, weil er die Fahreigenschaften des Moppeds komlett verdirbt. Aber Hauptsache, was gespart.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#106 Beitrag von snap-on » 12. Dez 2015 15:37

Ich teile die Ansicht nicht, dass man verkaufen sollte, was der Kunde will.

Eine Freundin wollte als ersten Ski einen ellenlangen Rennski. Weil die Farbe so geil war.
Mit dem MTB war's das gleiche.

Ich fände es eine Fehlleistung, sowas zu verkaufen.
Fachlich und menschlich. Auch wenn der Ladenhüter gut weg wäre.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#107 Beitrag von everyday » 12. Dez 2015 15:46

Du beschreibst das ganze Thema aus dem Mittelpunkt all Deiner Emotionen im Motorradhandel/Zubehör.
Daran gibt es nichts auszusetzen.

Ja, wenn ein Kunde einen Artikel ohne Beratung will, kann er ihn haben soweit es nichts illegales ist.

Wenn ein Kunde beraten werden will, kann man ihm persönliche Erfahrungen/Meinungen mitteilen. Ich schreib hier extra, persönliche Erfahrungen/Meinungen.
Keiner ist allwissend aber manchmal treten leider Händler/Kunden so auf als wären sie es.

Deshalb wünsch ich mir allseits mehr Gelassenheit.
Eine andere Meinung zu haben ist kein Hinweis auf eine verstörte Denkweise oder einen Wissensmangel.
Zuletzt geändert von everyday am 12. Dez 2015 15:57, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#108 Beitrag von snap-on » 12. Dez 2015 15:59

Ich nehme an, du wünscht mir und nicht dir mehr Gelassenheit.
Damit könntest du richtig liegen :-)

Einem Kunden zu verkaufen, was er nicht brauchen kann, ist nichts illegales, stimmt.

Aber ich schätze es, wenn mir Verkäufer sagen, dass Sie die billigere Lösung vorschlagen würden. Auch wenn es schlecht für's Geschäft ist.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#109 Beitrag von everyday » 12. Dez 2015 16:24

:D
Auch mir wünsch ich mehr Gelassenheit.
Ich kann nicht allen Verführungen der Werbebranche widerstehen.
Ich kann mich nicht vor allen Giftpfeilen schützen.
Ich kann nicht immer meinem moralischen Kompass folgen.

Ich bin ein Mensch.

Ich verkaufe den gelben Ski wenn keine Beratung gewünscht ist. Der Hinweis auf das evtl. falsche Produkt kann der Kunde wohlwollend, oder belehrend finden. Diesen 50:50 Joker ziehe ich nicht. Der Kunde ist erst mal König und ich will nicht Kalif anstelle des Kalifens werden.

Dann gibt es aber den nicht wie GrafvonundzuZwickundZwack auftretenden Kunden. Natürlich bekommt dieser feindosierte Hinweise.

Und der, von Anfang an, mir unsympathische Kunde, lass ich auch im Geschäft, verdienen kann ich meist nichts an ihm, aber ein Kauf seinerseits hilft mir Fixkosten, Löhne und soz.Vers. zu zahlen, sprich Umsatz.

Ich verhandle aus Überzeugung, es gehört für mich zum Handel dazu.
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#110 Beitrag von snap-on » 12. Dez 2015 16:44

Alles absolut richtig, was du sagst.

Aber ich ziehe es vor, den Joker zu ziehen.
Verträgt nicht jeder.
Aber die, die es vertragen, sind oft langfristig völlig angenehme Kunden.

Ich wollte bei meine snap-on Dealer einen neuen Schalensitz-Bürostuhl kaufen. Kostet viel.
Wir sind auf den Grund zu sprechen gekommen, der alte macht schlapp.
"Das Ersatzteil gibt es, hab ich da, Fehlbestellung, schenk ich dir."

Man muss nicht immer verkaufen, was man verkaufen kann.
Er wollte mir offensichtlich weder den Stuhl für über 500.- Tacken noch das Ersatzteil verkaufen.

Aber jeder, wie er mag. Für jede Methode gibt es Argumente.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#111 Beitrag von Lucky66m » 12. Dez 2015 17:05

Wenn ich nicht handeln würde, wäre ich meinen Job los...;-)
Gruß Stefan/Lucky66m

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#112 Beitrag von everyday » 12. Dez 2015 17:23

Ich bin als Kunde in der angenehmen Situation meine Reifen direkt bei Detlefs Großhändler zu bekommen.
Auch mein :) bestellt dort seine Reifen.
Um alle leben zu lassen :pfeif: und weil es mir zeitlich passte, habe ich Reifenwechselaufträge allen drein übertragen.
Der Reifengroßhändler ist 6km von mir entfernt. Gibt immer Kaffee und tolle Gespräche. Dort kann ich selber wechseln oder wechseln lassen.
Wechseln lassen kostet mehr. ;)
Bei Detlef war ich auch schon weil es auf einer Tour lag. Gab damals tolle Gespräche, Kaffee und Kuchen.
Bei meinem :) lasse ich die Reifen wechseln, wenn sie zufällig zum Inspektionstermin eh wenig Profil aufweisen.
Gibt immer Kaffee und tolle Gespräche.

Die Preise waren 4 x unterschiedlich.
Detlef war am günstigsten,
dann kam der selbst durchgeführte Reifenwechsel beim Großhändler,
dann der beauftragte Reifenwechsel beim Großhändler
uns zum Schluss mein :) .
Das wusste mein :) selbstverständlich selber und kürzte ohne mein bitten die RG um einen Arbeitswert mit der Begründung, dass meine 3 Versys eh schon oft genug für Inspektionen und Zubehöranbauten bei ihm standen.
Er weiß auch das ich den Mechanikern Trinkgeld gebe.

Die Qualität des Reifenwechsel war stets gleich sehr gut.

Das gute Verhältnis zu meinen Händlern/Dienstleitern haben wir uns gegenseitig aufgebaut.
Jeder zu viel gezahlte € kam irgendwann als Ersparnis zurück in meinen Geldkreislauf und ich hatte immer einen Kaffee und tolle Gespräche. 8-)
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#113 Beitrag von snap-on » 12. Dez 2015 17:34

Der letzte Satz fasst eigentlich alles zusammen und bringt es auf den Punkt...:-)

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Walter
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#114 Beitrag von Walter » 12. Dez 2015 17:36

Aus aktuellem Anlass möcht ich doch noch was zu diesem Thema beitragen.
Gewisse Dinge bestelle ich ja selbst auch aus dem Internet da es einfach bequemer ist.
Aber richtig billiger hab ich im Internet noch nie gekauft,USB Stick Speicherkarten und Co. hätt ich vor Ort auch zum gleichen Preis bekommen wenn ich die Versandkosten noch dazu rechne.

Aber......
Meine Tochter wünscht sich zu Weihnachten eine Nähmaschine von Pfaff.
Zum Glück ist bei uns ein kleines Nähmaschinengeschäft in der Nähe.
Meine Frau mit Tochter fuhren dahin und suchten sich ein Modell aus das der kleine Händler allerdings auch erst bestellen mußte.
Kostenpunkt im Fachgeschäft mit Reparaturservice vor Ort 399.- Euro.

Am Abend recherchierte ich im Internet und fand das gleiche Modell tatsächlich deutlich billiger.
Im Internet wurde die gleiche Maschine um 349.- Euro angeboten,also deutlich billiger.
Der Haken war nur das die Versandkosten zusätzlich 65.- Euro ausmachten.

Vielleicht liegt es daran das ich in Österreich lebe und die meistens Internethändler aus Deutschland liefern.
Selten habe ich weniger als 10.- Euro Versandkosten wenn ich was bestelle.

Die Nähmaschine wurde also vor Ort beim kleinen Händler bestellt (was mich nur einen Anruf kostete) und auch dort gekauft.
Die freudige Überraschung war das uns der Händler nicht nur 20% Rabatt gewährte sondern sich auch die Zeit nahm sämtliche Funktionen der Maschine zu erklären und teilweise auch vorzuführen.

Somit wäre der Kauf im Internet deutlich teurer und sogar viel Umständlicher gewesen da uns dort ja niemand was erklärt hätte.

Lg Walter
Today
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for the rest
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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#115 Beitrag von DerDuke » 12. Dez 2015 18:06

Everyday spricht auch mir aus der Seele!

Auch wenn in unserem Land Trinkgeld nicht überall üblich ist oder erwartet wird, so hilft es in Verbindung mit einem Augenzwinkern, einem Lächeln oder einem guten Wort den Dienstleistern - die auch mal wie wir nen schlechten Tag haben können. Da hellt sich oft die finsterste Miene auf.

Und oft genug macht es dann auch mal ein kleines Wunder für einen selbst möglich, wenn der Dienstleister sich wohlwollend dran erinnert und auf einmal doch noch ein vermeintlich vergriffenes Teil aus seinem privaten Lager "findet" oder einen kurzfristigen Termin ausnahmsweise möglich macht.
Selbst wenn man nicht Stammkunde ist und die benötigte Dienstleistung weit über den normalen Service rausgeht. Stichwort Feierabend/Ladenöffnungszeiten im Notfall.

Wie immer und überall wäscht eine Hand die andere. Kann man gut finden oder auch nicht, es ist halt so.
Und hier ist das ja noch recht harmlos ausgeprägt. In anderen Ländern läuft ohne kleine finanzielle Aufmerksamkeit alles extrem zäh und langsam.

Ich fahre überall gut damit und kann es mir zum Glück leisten, nicht immer um den letzten Cent feilschen zu müssen.
Außer dort, wo man sich bereits gut kennt (um ein Spässchen zu machen) oder in anderen Ländern, wo der Händler es sogar von mir erwartet und es auch zum guten Ton gehört. Und trotz extremer Preisfeilscherei immer noch gut an mir verdient.

So ein bisschen Schauspielern macht ja auch Spaß.
Stichwort z.B. meine armen (nicht real vorhandenen) Kinder, die (im echten Leben nicht!) shoppingsüchtige Frau, mein kaputter Wagen, der kranke (nicht existierende) Familien-Hund, Omas undichtes Dach aufm Haus, etc...

Sogar beim Doc hier in D schmeiß ich ab und an was in die Kaffeekasse. Geschadet hat´s mir noch nie.
Zuletzt geändert von DerDuke am 12. Dez 2015 18:07, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn ich nicht mehr weiter kann, schließ ich Plus an Minus an... :floet:

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#116 Beitrag von blahwas » 12. Dez 2015 21:59

In meinem jetzigen Job werde ich nicht reich, aber ich verdiene völlig ok und komme viel rum. Jede Woche Hotels mit 4 und 5 Sternen auf Firmenkosten entsprechend unserer Dienstreisenregelung. Meine Kollegen ebenso. In Gesprächen mit Kollegen kam raus, dass niemand dem Hotelpersonal Trinkgeld gibt. Auch wenn eine Nacht in Hotel 100-140 Euro kostet, das Zimmermädchen bekommt Mindestlohn - wenn sie Glück hat, und nicht einen "Alle Hotelzimmer sauber machen XX Euro"-Werkvertrag hat. Dieses Trinkgeld kann man nicht nicht abrechnen oder steuerlich geltend machen, aber deshalb werde ich mir kein Brötchen weniger leisten und keinen km weniger Versys fahren.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#117 Beitrag von snap-on » 13. Dez 2015 02:06

Trinkgelder sind eine nette Geste.
Das höchste am Stück war mal 300.- Deutsch Märker, das andere eine Ballonfahrt für 2 Personen.
Die standen aber im Verhältnis zum Auftragswert.

Trinkgelder sind nett, und weil Mechaniker nicht im Geld schwimmen auch willkommen, ja.
Trotzdem sind sie mir jedesmal auch etwas peinlich.
Ich will nicht, dass der Kunde denkt, man würde sich nur Mühe geben, wenn er was drauflegt.

In meiner Bude würde ich viel mehr Trinkgeld kriegen, wenn ich bar kassieren würde, da rundet bei Werkstattleistungen fast jeder auf.
Aber ich gebe jedem ne Rechnung mit, mir ist das Geld rumtragen zu blöd.

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#118 Beitrag von Michael_1969 » 15. Dez 2015 15:23

Aus Trinkgeldern werden rasch Schmiergelder. Was als nette Geste gedacht ist, wird plötzlich als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Statt kleiner werden bald große Zuwendungen erwartet.

Und *schwupps* wachen wir morgens in einem Bananenstaat auf und nix geht mehr von selbst ;)

Habe gerade einen Werkvertrag über einen relativ kleinen Betrag abgeschlossen. Der Beauftragte teilte mir vor Fertigstellung per E-Mail seine Bankverbindung mit zur Überweisung des vereinbarten Betrages. Leider fühlte ich mich genötigt ihn darauf hinzuweisen, dass er mir doch zunächst einmal seine ordentliche Rechnung zukommen lassen solle.

Wie sagte schon ein großer Heiliger: Wehret den Anfängen...

Grüße
Michael

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Re: Mein "Freundlicher" und die verweigerte Reifenmontage

#119 Beitrag von everyday » 15. Dez 2015 16:59

Es gibt in meiner Welt einen Unterschied zwischen Schmiergeld und Trinkgeld.
Das Deutschland eine Bananenrepublik wird/ist, liegt nicht an Trinkgeldern.
Da ist Gier der Schlüssel um das Tor zu öffnen.
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#120 Beitrag von Michael_1969 » 15. Dez 2015 19:21

Gier öffnet keine Tore - die schlägt sie zu, da die eigenen Bedürfnisse stets über denen der anderen stehen und nach immer mehr Befriedigung rufen. Gib mir mehr, dann erst kriegst du was du willst. Ist im Kleinen ja leider nicht viel anders als in der großen Politik.
Zuletzt geändert von Michael_1969 am 15. Dez 2015 19:22, insgesamt 1-mal geändert.

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