Sicherheit auf der großen Tour

Tipps und Erfahrungen zu Fahrtechniken, Sicherheits- und Schräglagentrainings.
Antworten
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
blahwas
Der schräge Admin
Beiträge: 10615
Registriert: 21. Feb 2011 22:03
Geschlecht: männlich
Land: Deutschland
Motorrad: Versys 650
Baujahr: 2007
Farbe des Motorrads: blau
zurückgelegte Kilometer: 40000
Wohnort: Nürnberg
Hat sich bedankt: 451 Mal
Danksagung erhalten: 1147 Mal
Kontaktdaten:

Sicherheit auf der großen Tour

#1 Beitrag von blahwas » 16. Feb 2021 21:43

Bei der Reiseplanung macht man sich natürlich auch mal Gedanken um Sicherheit, gerade wenn man etwas weiter fährt, oder wenn man sehr häufig fährt. Dazu habe ich mal was aufgeschrieben, und daran möchte ich euch Teil haben lassen.

Sicherheit hat viele Dimensionen. Schutz vor Verletzungen bei Stürzen ist eine davon. Dass man nicht riskant fährt und Schutzkleidung trägt sollte selbstverständlich sein. Man kann zwar kein Risiko ganz ausschließen, aber risikobewusst handeln. Abends 3 Minuten zum Restaurant fahre ich auch mal ohne Lederkombi ;) Ansonsten bin ich da aber konsequent und trage Schutzkleidung, die auch bei der größten Hitze noch erträglich ist. Auch wenn ich dann bei Kälte mal 'ne Regenkombi drüber ziehen muss.

Schutz vor Beschädigungen am Motorrad finde ich auch wichtig. Ein paar Sturzpads für die Achsen kosten wenig Geld und können den Unterschied machen zwischen Aufheben und Weiterfahren oder Werkstattsuche, ADAC und den ganzen Driss, der einen sofort 'nen halben oder ganzen Tag kostet, selbst wenn die Teile irgendwo in der Nähe auf Lager sind. Auch ein sinnvolles Maß an Sturzteilen habe ich dabei: Vor allem Handhebel und Fußrasten. Die passen unter die Sitzbank und kosten fast nix. Bei längeren Touren ist auch einen Rückspiegel fürs Lenkerende dabei, Packmaß 8x10x2 cm. Sturzpads für den Motor finde ich je nach Modell auch sinnvoll, bei meiner MT-09 hat der Vorbesitzer den linken Motordeckel durchgeschliffen. Kaltmetall hat wenig Packmaß, ca 2x2x12 cm, und es dabei zu haben kann da auch helfen.

Dann hätten wir noch Schutz vor Unfällen, da hilft Vermeidung von Zivilisation - da sind halt weniger Autos unterwegs, an denen man sich weh tun kann. Außerdem sind die Strecken da meist schöner und es ist weniger Verkehr ;) Wenn andere Verkehrsteilnehmer in der Nähe sind, einfach den lokalen Verhältnissen anpassen. Wenn man nicht unmittelbar überholen will, Abstand halten! Wenn man überholen will, dann bitte nur da, wo der langsamere nicht links abbiegen kann. Nicht auf Vorfahrt bestehen. Dran denken, dass es in vielen Ländern mehr rechts vor links als bei uns gibt. Und dass die Einheimischen nicht in allen Ländern mit schnellen Zweirädern rechnen. Nicht im Dunkeln fahren, Puffer einplanen, auch wegen Wildunfällen und Straßenschäden. Abseits der Verkehrsunfälle kann man auch sonstige Unfälle vermeiden, indem man nicht gerade im Urlaub und 3h vom nächsten Krankenhaus entfernt ausprobiert, ob man in den Fluss da wirklich rein springen kann, oder ob der Grill mit viel Benzin nicht doch schneller angeht. Auch das Motorrad alleine aufzuheben (zu versuchen) kann unangenehme Folgen haben. Dabei habe ich mir 2019 anscheinend einen Leistenbruch gehoben. Das nächste Auto wäre 5 Minuten später gekommen. Die 5 Minuten hätte ich also noch warten sollen. Ich habe es kaum bemerkt, der Urlaub ging weiter, aber die Leistungseinschränkungen und die OP im Nachgang hätte ich mir sparen können.

Schutz vor Krankheiten, dafür seid ihr alle erwachsen genug, und seit Corona gibt's genug Tipps ;) Die Hausapotheke im Plastikbeutel dabei zu haben, ein Streifen Tabletten von allem, was man die letzten Jahre so genommen hat, braucht echt wenig Platz und spart die Suche nach der offenen Apotheke. Alter Handelsreisender-Trick ;) Dazu zähle ich jetzt auch mal Ersatz-Sehhilfen. Alte Brille gut einpacken, mitnehmen, oder zusätzlich Kontaktlinsen (in der Schweiz sogar Vorschrift).

Schutz vor Kriminalität, da hilft gesunder Menschenverstand und das Vermeiden von Großstädten oder Touri-Hotspots. Und nicht rumprotzen, natürlich. Langfristig verliert man mehr Sachen durch Vergesslichkeit oder Unachtsamkeit als durch Diebstahl. Alles was "missionskritisch" ist, muss man sichern. Der Rest ist Luxus. Überlegt euch, was das ist, und handelt entsprechend. Für mich heißt das, Schlüssel, Geldbeutel, 1 Handy und 1 Navi immer am Mann. Dafür habe ich auch jeweils Ersatz dabei, z.B. Zweitschlüssel. Ein aufgebrochener Koffer ist ärgerlich, aber noch ärgerlicher ist es, wenn man ihn zurücklassen muss, weil er nicht mehr schließt. 1-2 kleine Ratschengurte zusätzlich haben sicher noch Platz. Softgepäck ist leichter zu reparieren oder zu ersetzen und zwar leichter zu klauen, wirkt aber auch weniger attraktiv. Kabelschloss hilft, wenn man mal Helm und Jacke am Mopped zurücklassen will. Nicht alles Geld und alle Kreditkarten an einer Stelle haben. Alle Dokumente fotografieren und online hinterlegen, so dass man im Notfall rankommt, und zwar auch an fremden Geräten: URL merken, und Passwort dazu. Clever packen, z.B. alle "missionskritischen" Sachen in die Jacke und den Tankrucksack, dann hat man mit zwei Handgriffen alles im Restaurant oder Supermarkt dabei. Wenn Spaziergänge unterwegs vorkommen, Schulterriemen dazu.

Grundsätzlich ist es hilfreich, nicht alleine zu fahren. Je einsamer und schlechter die Strecke, desto mehr. Und das gilt natürlich nicht nur für die Sicherheit. Wenn einer von zweien stürzt und sich richtig weh tut, kann der zweite helfen oder zumindest Hilfe rufen, das Motorrad aufrichten, oder einfach Beistand leisten.

Man kann sich echt gut vorbereiten, auch auf Ausnahmesituationen, wenn man sie vorher durchspielt. Proper preparation prevents piss poor performance.

Andererseits: Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. Die Wahrheit liegt irgendwie in der Mitte, und ängstlich werden braucht man nicht. Dafür ist die Welt viel zu gut :clap:

Benutzeravatar
Ast

Beiträge: 224
Registriert: 26. Sep 2018 22:59
Geschlecht: männlich
Land: Deutschland
Motorrad: Versys X 300
Baujahr: 2017
Farbe des Motorrads: Lime Green
zurückgelegte Kilometer: 13000
Hat sich bedankt: 39 Mal
Danksagung erhalten: 41 Mal

Re: Sicherheit auf der großen Tour

#2 Beitrag von Ast » 16. Feb 2021 22:49

Ich selbst laufe auch vor jeder Fahrt lieber noch zweimal ums Moped und schau mir Reifen, Kette, Helmvisier (!) etc. an und horche in mich selbst hinein, wie ich mich fühle. Zum Motorradfahren hat Unsereins ja generell immer Lust. Die eigene Konstitution sollte man aber vielleicht, wie auch die Wetterprognose nicht ganz außer Acht lassen und sein Handeln und Fahren entsprechend anpassen.

Am meisten zu meinem Sicherheitsempfinden haben tatsächlich ein Fahrtraining und der Wechsel auf ordentliche Bereifung (CTA3) beigetragen.
3 bis 11 -> Versys
ganzjährig -> S51 B2-4
Auf jeden Fall immergrün :dance:

Benutzeravatar
fransjup

Beiträge: 989
Registriert: 2. Mai 2012 20:49
Geschlecht: männlich
Land: Deutschland
Motorrad: Versys 650 C
Baujahr: 2010
Farbe des Motorrads: Maya Gelb
zurückgelegte Kilometer: 0
Wohnort: Grevenbroich ( NRW )
Hat sich bedankt: 172 Mal
Danksagung erhalten: 63 Mal
Kontaktdaten:

Re: Sicherheit auf der großen Tour

#3 Beitrag von fransjup » 16. Feb 2021 23:33

Danke euch beiden
Einiges an neues in euren Berichten entdeckt :top:
Danke dafür ! :]
gruß fransjup

Benutzeravatar
blahwas
Der schräge Admin
Beiträge: 10615
Registriert: 21. Feb 2011 22:03
Geschlecht: männlich
Land: Deutschland
Motorrad: Versys 650
Baujahr: 2007
Farbe des Motorrads: blau
zurückgelegte Kilometer: 40000
Wohnort: Nürnberg
Hat sich bedankt: 451 Mal
Danksagung erhalten: 1147 Mal
Kontaktdaten:

Re: Sicherheit auf der großen Tour

#4 Beitrag von blahwas » 16. Feb 2021 23:42

Was ich noch nicht beschrieben habe sind Versicherungen. Eine einfache Auslandskrankenversicherung für 20 Euro im Jahr deckt den Rücktransport nach Deutschland ab, auch wenn er medizinisch nicht notwendig ist. Schutzbriefe oder ADAC können bei Pannenhilfe einspringen. Da muss man abwägen, ob es die 100 Euro abschleppen, 50 Euro Übernachtung wert ist. Wenn Rückholung von Fahrzeug und Fahrer nötig wird, weil vor Ort nicht repariert werden kann, lohnt es sich ziemlich schnell. Und bei Extremsituationen natürlich auch - wobei da Geld eher die kleinere Sorge ist, aber die Betreuung wiegt schwer.

@Ast
Das sind gut Punkte. Man sollte nicht fahren, wenn man sehr emotional ist oder sich krank fühlt. Als Ersatz fürs Helmvisier habe ich eine Sportbrille im Gepäck, so wird's weniger schlimm, wenn mir unterwegs mal das Visier kaputt geht, und sei es nur, weil der Helm runter fällt. Da die Sportbrille selbsttönend ist, taugt sie auch als Sonnenbrille. Die nehme ich daheim zum Radfahren.

Beim Wetter ist das Regenradar auf dem Handy eine echt praktische Hilfe. Oft kann man bei "schlechtem Wetter" doch eine schöne Tour fahren, weil das Wetter halt nur daheim schlecht war, aber 40 km weiter kann das ganz anders aussehen. Gerade bei längeren Aufenthalten wie 7 Tagen in einem Hotel kann man sich auch ruhig vorher einen Plan machen, was man bei echtem Schietwetter als Plan B machen kann - Hallenbad, Motorradmuseum, Karthalle, es gibt immer was zu tun ;) Und die längste Tour macht man an dem Tag mit dem besten Wetter. Und die Tour mit dem meisten zu erwartenden Touriverkehr am Tag mit dem eher schlechten, oder noch okayem Wetter.

Antworten

Zurück zu „Fahrtechnik und Sicherheit“