ich bin gestern von meinem bis dato "langweiligsten" Trip nach Hause gekommen(was die Strecke betrifft).
Am vergangenen Montag habe ich mich mit meinem Kollegen Manuel an der Tanke ums Eck getroffen und beim Parken fast das Bike umgeworfen - der Trip fängt ja gut an und das ist kein gutes Omen.
Die Herbsttour steht an und wir waren im Mai bei schlechtestem Wetter in Monaco und den Alpen.
Nun möchten wir zumindest besseres Wetter haben - eine Zielregion steht nicht fest.
Also trinken wir einen kalten Kaffee um 08 Uhr morgens, tratschen etwas und fragen uns im Zuge des Gesprächs, in welche Richtung wir nun eigentlich aufbrechen sollen.
Zuerst überlegen wir nach Albanien zu fahren, dort mit der Fähre nach Italien überzusetzen und dann wieder nach Österreich retour zu fahren.
Nachdem wir allerdings absolut keine Vorplanung betrieben (Fähre und so?) und keine Lust auf 40°C in Südeuropa haben, entschließen wir uns einfach in den (Nord-)Osten zu fahren - dort waren wir die letzten Jahre wenig bis gar nicht.
Wie immer sind wir ohne fixes Navi unterwegs. Einfach nach Gefühl in die gewünschte Richtung fahren und bei ner Pause via google maps am Handy checken ob man ungefähr richtig ist.
Also geht es vollgetankt um ca. 08:30 los gen Osten.
Der "Plan" ist von Österreich in die Slowakei zu fahren und dann..mal sehen.
Der Berufsverkehr wird außerhalb unserer Heimatstadt (Graz) weniger und wir landen im Burgenland.
Dort geht es durch div. Dörfer und Orte zum Neusiedlersee und von dort aus in Richtung Bratislava. Wir fahren das letzte Stück in die Slowakei über die Autobahn und überqueren die Grenze südlich von Bratislava.
Die slowakische Haupstadt wird großräumig umfahren - wir sind positiv überrascht..sieht eigentlich eh aus wie "bei uns im Westen".
Weiter geht es in den Norden - dort sieht es grün aus auf google maps und wir finden eine alte Haubitze o.ä. in nem Ort bei ner weiteren Pause. Wir fahren weiter nach Nordosten und suchen dann ne Unterkunft auf booking.com
Die Fahrerei nördlich von Bratislava ist ganz OK. Ab und zu sieht man eine Burg und ansonsten geht es eben zwischen Dörfern durch die Pampa.
Irgendwann kommen wir in ner Pension am nem See an..da gibt's Essen und ja..sonst nix Spannendes.
Am Dienstag geht es weiter in den Osten.
Wir wollen schauen was die Slowakei so zu bieten hat - irgendwas mit "Tatra" und "Nationalpark" steht auf google maps.
Im Grunde genommen einfach Landstraße und mal mehr, mal weniger Verkehr...nicht extra spannend und kein Vergleich zu den Alpen.
Wir nehmen in irgendeinem Dorf eine kleine Straße in die Hügel..da sind primär Radfahrer und wir kommen irgendwo nach einer Rechtskurve zu einem kurzen, unbeleuchteten Tunnel.
Ich fahre vorsichtig mit ganz leichter Schräglage in den Tunnel - die Augen auf den gegenüberliegenden Ausgang gerichtet - nicht, dass jemand entgegenkommt.
1 Sekunde später liege ich auf der Fresse.
Manu ist ein paar cm weiter rechts in den Tunnel eingefahren - nicht wie ich über ein Stück Rollsplitt, das ich nicht gesehen habe.
Da hilft auch die Traktionskontrolle nicht mehr - mein erster Sturz als Motorradfahrer auf der Straße..einfach weggerutscht.
Hilfsbereite, folgende Autofahrer und der übers Headset informierte Manu kommen sofort und helfen mir das Bike aufzurichten. Hinter dem Tunnel folgt die Schadensbegutachtung.
Mir ist im Grunde nix passiert. Ich bin mit offenem Visier gefahren (also nur runtergeklappte Sonnenblende) und bin beim Sturz mit der Sonnenblende/dem Auge gegen meinen rechten Spiegel geprallt.
Allerdings war nur das Lid etwas rot und meine Kontaktlinse hat sich im Auge verabschiedet.
Die Linse habe ich in einem Eck des Auges wieder gefunden und konnte sie gleich wechseln - Glück gehabt!
Das Motorrad hat ein paar Kratzer mehr auf den Sturzbügeln und ich bin froh, dass ich vor der Reise in Barkbusters Handguards investiert habe.
Also kurz erholen vom Schreck und weiterfahren.
Die Straße ist eine Sackgasse und führt nur zu einer Antenne..also retour, neu orientieren und weiter gehts in eine andere Richtung. Unterwegs haben wir noch beim Hitzeschutz des Auspuffs etwas gerade gebogen..da fehlt nun auch so ein kleines Plastikteil..aber der Hitzeschutz hält wieder.
Geschlafen wird in einem Hotel/Restaurant.
Am nächsten Tag fahren wir weiter gen Osten.
Allerdings nicht zu weit, da die Grenze zur Ukraine näher rückt.
Als Tourist in ein Land zu fahren, in welchem Krieg herrscht, finden wir
a) unsicher
b) geschmacklos
deshalb geht's ~ 50km von der ukrainischen Grenze entfernt nach Polen. Nach der Grenze (da war kein Mensch), sind wir wieder gen Westen gefahren.
Am Anfang hatten wir kaum Verkehr und viel Landschaft, danach ging es nur von Dorf zu Dorf mit 40-60 km/h..wahnsinnig langweilig.
Positiv überrascht hat uns aber die Sauberkeit der Tankstellentoiletten - so schön & rein geht man in Österreich nicht aufs Klo an ner Tanke.
So setzen wir unseren Weg fort, buchen ein Hotel und wundern uns bei der Ankunft am Abend über den leeren Parkplatz.
Nur die Herrin des Hauses (oder deren Angestellte) ist anwesend, teilt uns via Zeichensprache mit (sie konnte weder Deutsch noch Englisch), dass es kein warmes Wasser gibt und via google Übersetzer bekommen wir von ihr die Info, dass wir in 15 min essen können.
Also eine kalte Dusche..was nicht so toll war, da das Wetter gegen Abend sehr frisch war & Schnitzel + Bier.
Sie fährt wieder weg und wir sind komplett alleine in der Unterkunft. Also zu Fuß zur Tanke ums Eck um noch ein Feierabendbier zu holen und den Tag auf der Terrasse ausklingen zu lassen. Gefrühstückt wird an der nahe gelegenen Tankstelle.
Beim Check, wie wir weiterfahren könnten, sehen wir, dass Auschwitz quasi "auf der Strecke" liegt.
Also geht es in Richtung Tschechien, mit nem Stop beim ehemaligen KZ (da waren wir beide noch nie).
Das finden wir natürlich nicht auf Anhieb und beschließen nach einiger Sucherei, welche gegen Ende erfolgreich war, es bei einem Stop außerhalb der Anlage zu belassen - keine Lust mit der Motorradkombi bei heißen Temperaturen durch die Anlage zu laufen. Der Anblick von außen ist entmutigend genug. Schlimm was damals passiert ist und wir hoffen, dass der Mensch irgendwann aus der Geschichte lernt....
Die Fahrt geht weiter in Richtung Tschechien über die Autobahn.
An der Grenze geraten wir in einen Stau - nicht wegen Kontrollen, sondern wegen Bauarbeiten.
Nach der Grenze versuchen wir einfach von den Ortschaften wegzukommen - das gelingt uns mal mehr, mal weniger gut.
Die Fahrerei ist dabei OK. Nicht extra nervtötend aber auch nicht extra spannend. Warm ist es halt.
Dafür haben wir am Abend ein schönes, kleines & günstiges Hotel mit gutem Essen.
Am vorletzten Fahrtag geht es wieder retour nach Österreich.
Wir queren die Grenze bei Laa an der Thaya. Seltsame Gegend..Sonnenblumenfelder und ausgestorbene Ortschaften..dazwischen..nix. Zumindest kommen wir ganz gut voran, da sich der Verkehr auch in Grenzen hält.
Wir fahren weiter in Richtung Wachau - dort sind wir am frühen Nachmittag angekommen.
Ich schlage vor, dass wir heute eigentlich noch retour nach Graz fahren könnten. Manu will nicht mehr so lange fahren an dem Tag..also gondeln wir durch den "Naturpark Jauerling Wachau", genießen die Landschaft und buchen uns ein Hotel, dass zwischen hier und unserer Heimatstadt liegt.
Interessant: Direkt an der Donau war richtig viel los. Autos, Radfahrer, Biker...sobald man in die schönen Hügel dahinter kommt ist tote Hose..keine Ahnung warum die Leute so gerne nen Fluss entlangfahren. Vor allem Motorradfahrer.
Zumindest war es gut für uns, weil wenig los in den Hügeln.
Unser letztes Hotel liegt im Naturpark Ötscher-Tormäuer.
Dort eilen wir dann auch hin, da uns eine dunkle Wolke bedrohlich folgt.
Beim Orientierungscheck an der Tanke, fällt uns auf, dass die Haupststraße angeblich gesperrt ist. Aber es gibt eine kurvige Alternative durch den Naturpark.
Eigentlich haben wir keine Lust mehr auf Fahren an dem Tag aber vielleicht ist es ja netter als die "offizielle Umleitung".
Gesagt, getan -> Abkürzung genommen -> Regen hat angefangen -> coole Strecke die in Schotter übergeht.
ENDLICH zahlt sich meine Reiseenduro aus (Manu fährt ein altes Naked Bike) und ich cruise fröhlich den Berg hoch. Er ist ja meistens schneller und agiler unterwegs als ich..aber die paar km hatte ich zumindest das passendere Motorrad
21" Vorderrad und lange Federwege bringen halt auf Asphalt nicht wirklich was..
Bei ner kurzen Pause (wo das letzte Foto entstanden ist), hat google maps die Straße gar nicht mehr erkannt und wir dachten, dass wir "irgendwo falsch abgebogen sind".
Falsch gedacht - die Straße endete in nem Bergdorf, in dessen Nachbardorf auch unser letzte Hotel zu finden war.
Das war..mäßig..
Osteuropa bietet da schon mehr fürs Geld.
In der Nacht ging ein Sturm in der Region nieder..ich bin um 1 Uhr früh aufgestanden und hab nach den Motorrädern gesehen, da ich Angst hatte, dass meine Transalp zum zweiten Mal während der Tour den Boden küssen muss.
War aber alles gut - bis auf den unruhigen Schlaf.
Am letzten Tag ging es noch über schöne Straßen via Mariazell, über die Wildalpen, Admont, Hohentauern und das Gaberl nach Hause.
Fazit:
* in SK, PL & CZ hat man das Gefühl, dass die letzten 20 Jahre echt was weitergegangen ist bezgl. dem Lebensstandard. Es ist kaum noch ein Unterschied zu AT zu erkennen - find ich gut.
* der Osten ist für Touris noch deutlich günstiger als zB der Westen...
*..allerdings findet man als Biker nicht so viele schöne Kurven wie in den Alpen
* Sturzbügel & Co. rentieren sich für mich - und die Transalp 750 hält einiges aus.
