Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

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blahwas
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#21 Beitrag von blahwas »

Do 24.9. Auvergne, Cantal-Massiv

Heute geht‘s ins Cantal-Massiv. Das Cantal-Massiv ist ein Teilbereich der Auvergne und ein einziger erloschener Vulkan, von der Größe des Saarlandes. Das Cantal-Massiv liegt in der Region Auvergne. Die Auvergne ist ein Teilbereich des Zentralmassivs. Das Zentralmassiv ist der riesige, übergeordnete Naturraum in Frankreich. Es ist ein uraltes Mittelgebirge, das fast ein Sechstel der gesamten Fläche Frankreichs einnimmt (33x Saarland, oder einfacher Niedersachsen plus Baden-Württemberg). Die Bevölkerungsdichte ist aber eher die von Bawü minus Niedersachsen, man hat die Welt also ziemlich für sich alleine. Aufgrund des guten Erfolgs meiner Frühstart-Strategie geht‘s auch heute wieder früh los.

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Erster Stopp nach dem ersten Passknackerpunkt ist eine Bäckerei. Am nächsten Pass gibt‘s dann die Frühstückspause. Bei 11 Grad kann man die Jacke ruhig anlassen.

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Und dann kommt auch schon das touristische Highlight der Region. Ich fahre eine 4,50 Meter breite Passstraße hoch, die alle 500 Meter eine einspurige Brücke hat. Es ist alles gut einsehbar, ich freue mich. Ich wundere mich noch etwas über die ausführliche Beschilderung, wer hier alles wann nicht fahren darf, z.B. Wohnmobile nur 12:45-24:00. Jenseits der Waldgrenze wird mir schnell klar warum: Ich bin am Puy Mary, dem zweithöchsten Gipfel des Zentralmassivs, gleichzeitig der höchste Pass des Zentralmassivs und Anziehungspunkt für 500.000 Besucher jährlich.

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Gänsehaut! An diesen Punkt hier erinnere ich mich noch von meiner allerersten Frankreich-Tour. Das war 2013. Die Route hatte Duck (Markus) damals alleine geplant, und das hat er echt gut gemacht. Ich bin die ganze Zeit nur hinterhergefahren, ohne mich auszukennen. Zum Glück bin ich heute sehr früh dran und habe freie Fahrt und freie Aussicht. Mein Navi irritiert mich etwas, denn Kurviger will hier noch 2x drüberfahren. Das liegt an der Umfahrung einer angeblichen Sperrung später in der Route, die ich nach Gegenprüfung bei Google Maps einfach deaktiviere. Google ist meistens aktueller als die TomTom-Daten, die Kurviger nutzt. Meine Route geht weiter, weg vom Touri-Hotspot, durchs Hinterland. Es ist sehr landwirtschaftlich geprägt hier. Man muss jederzeit mit langsamen Großfahrzeugen rechnen. Hier werden die Kühe gerade in ihr Winterquartier gebracht.

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Es ist einfach eine nette kleine Welt hier, wo man anhand eines Fotos kaum sagen könnte, ob es 2026, 2005, 1990 oder 1960 entstanden ist.

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Und Motorradfahren kann man auch gut, denn 1960 gab‘s noch keine Verkehrsüberwachung ;) Ich komme gut zurecht, gut voran, und kann nach Belieben Pausen machen, um nicht zu früh am Ziel zu sein. Das Hochland erinnert mal wieder mehr an Schottland.

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Wenn ich das noch öfter schreibe, muss ich da wohl irgendwann mal hin ;) Mittagessen suche ich mir nach dem Mittags-Tankstopp in einem kleinen Restaurant in einer kleinen Stadt. Es gibt Salat mit Schinken und Ei, und das Gefühl, in einem Van Gogh-Gemälde zu sitzen.

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Was haben die hier eigentlich für ein unverschämt sanftes Licht… später wird‘s etwas grau, die Sperrung gibt‘s tatsächlich nicht, dafür ist es aber eine Nationalstraße. Also Tempomat an, Podcast an und cruisen. Dann erreiche ich mal wieder den Col du Guéry, das dritte Mal in meiner Passknacker-Karriere.

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Hoffentlich nicht das letzte Mal. Jetzt sind es nur noch 70 km zum Ziel, also in Billom volltanken und Abendessen einkaufen, dann geht‘s zur Ferienwohnung. Die liegt wirklich aufm Dorf. Ich darf mit dem Motorrad in den „Hof“ fahren, der sich eher als Garten entpuppt. Ich folge der Wirtin fahrend auf den schmalen Trampelpfad in der Hoffnung, da wieder irgendwie raus zu kommen.

347 km 6:15h heute, angenehm zu fahren
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Nach dem Check-In prüfe ich den Kettenöler: Ich habe einen mechanischen Öler kurz vor der Reise montiert, und am ersten Tag hat er gut sichtbar geölt, seitdem eher diskret. Ich drehe und drehe im Tagesverlauf, es passiert nichts. Heute Abend daher ein klärender Blick in den Vorratsbehälter: Leer, ausgelaufen. Tja, dafür habe ich noch eine Minidose Kettenspray dabei, die nutze ich aber natürlich nicht im Garten.

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Duck
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#22 Beitrag von Duck »

:) Sehr schön bisher! Ließt sich mal wieder richtig gut. Da wird Fernweh geschürrt. - Schade das die Franzosen jetzt diese Videoüberwachungswagen haben :-( - Hieß es nicht mal "rasen wie Gott in Frankreich..... " :heul: Bin auf die Fortsetzung gespannt. :]

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blahwas
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#23 Beitrag von blahwas »

25.09. Monts du Lyonnais

Ich starte wegen des großen Erfolgs der Hitzevermeidung heute wieder früh. Die tief stehende Sonne hält sich heute aber hartnäckig, bin ich schon so viel nördlicher unterwegs? Oder führt einfach nur die Route morgens überwiegend nach Osten? Symbolbild tief stehende Sonne:

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Das macht es schwerer, den Straßenzustand einzuschätzen. Habt ihr schon mal einen Motorradfahrer knieschleifen sehen, der sich in der Kurve die linke Hand über den Helm hält? Ich auch nicht. Ich bevorzuge andere Kurvenstile. Die Michelin Road 6 lassen sich von Temperaturen und Sonne nicht beeindrucken, wohl aber von unseren 100.000 kleinen Feinden, den Gravillons. Die habe ich heute öfters, und leider nicht immer angekündigt. Plus tief stehende Sonne verbieten sich damit allzu sportliche Ambitionen. Das TCS hebt mahnend den Finger, und hält die Fuhre auf Kurs.

Es ist auch echt frisch, je nach Mikroklima zwischen 5 und 10 Grad. Nach einer Stunde merke ich, dass die Belüftungen an meiner Motorradhose noch offen sind. Bei den Pausen merke ich, dass Trinken gar nicht so leicht ist, wenn man das Wasser über Nacht im Kühlschrank hatte. Und nach vier Stunden merke ich, dass meine Kopfhörer heute Früh ihr Noise Cancelling deaktiviert haben – das macht so leider schneller müde. Ich verlasse heute das Zentralmassiv Richtung Osten und passiere den Großraum Lyon. Ich habe immer mal wieder weite Aussichten, z.B. hier auf den Fluss Ain.

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Ansonsten habe ich überwiegend Hügelland mit Wald, Wiesen, Landwirtschaft und Dörfchen.

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In der Ferne kann ich schon den ersten Ausläufer der Alpen sehen. Da geht‘s morgen hin.

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Sonst passiert heute nicht wahnsinnig viel, worüber ich berichten könnte. Null Ärger, einfach nur Motorradfahren pur. Frühstück vom Bäcker. Mittags habe ich keine richtige Lust einzukehren, und vom Frühstück noch zwei Cookies übrig. Die Yamaha fühlt sich weiterhin sehr wohl hier. Der frische Reifensatz ist eine Wohltat, ich brauche nicht mit Profil zu sparen.

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Heute sammle ich insgesamt 16 Passknackerpunkte, die alle klar beschildert sind. Einige davon das erste Mal in meiner Karriere. Manche breite, manche schmal. Nichts, was ich als völligen Reinfall oder totales Highlight beschreiben würde. Nach dem letzten Passknackerpunkt geht‘s 100 km östlich zur nächsten Ferienwohnung, mit einem Einkaufs-/Pippi-Stopp eine Stunde vor dem Ziel, und noch einem Tankstopp kurz vor dem Ziel. Es geht mautfrei durch den Verdichtungsraum Lyon, und das ist ziemlich ätzend. Die Autofahrer sind zwar typisch Frankreich aufmerksam und hilfsbereit, aber es sind einfach zu viele. Dass es Freitag 15 Uhr ist hilft auch nicht. Heiß ist es auch, und eigentlich ist die Strecke schon ein Teil der Abreise. Meine Ferienwohnung heute ist eine Holzhütte mit eigenem Bad und Miniküche auf dem Grundstück eines Einfamilienhauses, wo ich nach der Dusche mein Abendessen (Sandwich und Salat) genießen werde. Die Restaurants in der Region öffnen leider erst recht spät, das passt nicht in meinen Tagesablauf bzw. zu meiner Absicht, nach der Tour zu duschen und dann nicht wieder aufs Motorrad zu steigen.

393 km 7:30 h heute, eher etwas anstrengend
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Morgen ist der letzte Passknackertag, Sonntag geht‘s nur noch nach Hause. Einerseits habe ich Heimweh, andererseits ist es schon echt schön hier...

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blahwas
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#24 Beitrag von blahwas »

26.09. Savoyer Voralpen

Morgens geht‘s auf die Maut-o-Bahn, um zügig Strecke zu machen. Nicht ganz so früh wie gestern, damit es nicht ganz so kalt ist. Östlich von Genf gibt‘s einen Zipfel Frankreich, in dem ich noch nie war. Der liegt südlich des Genfersees und ist damit ziemlich abgeschirmt. Leider komme ich auf dem Weg zur Autobahn bei keinem Bäcker vorbei, daher habe ich als Frühstück nur ein paar Kekse. Auf der Autobahn verlangt Total übrigens auch 1,99 für Super 95/98, was zu deutlichen Schlangen führt. Shell nimmt 2,60, weil eh keiner kommt, außer mit Firmentankkarte. Was die Schlange-Steher wohl über Elektroautos und deren Ladepausen denken? Ich habe gestern vollgetankt und rolle im Tempomat vorbei. Mein erster Pass heute ist der Col de Pierre Carrée. Sackgasse den Berg hoch, in einer offensichtlichen Wintersportregion. Hammer Landschaft!

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Dann geht‘s wieder runter und nach Norden weiter zum Col de Joux Plane. Sehr schmale Straße, wenig Betrieb. Und dann bin ich schon 220 km heute gefahren, was die Tankanzeige so nervös macht, dass ich die vorab ausgesuchte Tankstelle vorzeitig besuche – die Route macht hier eh einen Stern rund um Morzine, weil im Westen und Osten Pässe liegen, ich von Süden komme, und nach Norden weiter muss. Hier ist schon deutlich mehr Betrieb, und ich ärgere mich etwas über diese ewigen Ortsdurchfahrten leerstehender Wintersportkulissen. Nach dem Tankstopp möchte Kurviger gleich zum überüberübernächsten Punkt fahren, hmm. Ich wähle OSMand. Das führt mich direkt zu einer gesperrten Mini-Brücke. Grr. Noch ein Versuch mit Kurviger, Route neu laden, klappt auch nicht. GRRR. Also doch OSMand, aber westlich andersrum, erst den hinteren Punkt. Es gibt wieder Wintersport-Dorfkulissen, aber auch schöne Aussichten.

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Echt schön hier, aber echt schwer zu erreichen. Außer mir sind noch einige Autofahrer und Radfahrer hier. Autofahrer mit Schweizer Nummernschildern sind besonders zaghaft unterwegs. Zum Col de la Joux Verte hoch wird die Straße ziemlich schlecht, dafür wird die Welt schnell einsam. Leider habe ich einen Linienbus vor mir.

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Mein Magen denkt es ist Zeit für eine Pause, auch wenn ich eigentlich wenig Zeit habe. Im erstbesten Restaurant ist sehr viel Betrieb, die Kellnerin ignoriert mich schon noch stehend drei mal. Nö, weiter. Die nächsten 3 ausgesuchten „Snack“ bzw „Fast food“ haben entgegen ihrer Online-Angaben geschlossen, da steigt die Laune nicht. Das Ganze immer in ewigen „Dörfern“. Ich treffe die Entscheidung, die Suche abzubrechen und einfach durchzuziehen. Visier putzen, letzte Kekskrümel essen, und weiter. Westlich von Vernaz wird es deutlich ländlicher und weniger touristisch, was sehr viel angenehmer zu fahren ist. Allerdings gibt‘s hier auch viel mehr Passknackerpunkte, teilweise alle 2 km einer. Da die Schweiz in Funkdistanz sein könnte und mein Navihandy sich da sehr gerne einbuchen würde, aber ohne dass Roaming dort inklusive ist, bin ich mit OSMand offline navigierend unterwegs. Ungewohnt, etwas sperrig, aber machbar. Auch hier immer wieder schöne Aussichten.

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Ich ziehe tatsächlich durch ohne Einkehren, und nehme noch den optionalen Punkt La Croisette südlich von Genf in die Route. Das ergibt eine ziemlich nervige Etappe durch den Verdichtungsraum, aber da es Frankreich ist, gibt‘s genug zu tun und ich komme so gut voran, dass ich sogar die Abbiegung verpasse – peinlich. Der Punkt selbst ist durchaus schick, und lädt auch zum Einkehren ein, aber ich habe eine Idee! Eigentlich wollte ich hier in der Nähe in Annemasse übernachten („Wo soll ich den blauen Draht anschließen?“), aber ich kann bis 18 Uhr stornieren und bei ausreichender Restfitness heute noch ein paar km abspulen, die ich mir damit morgen erspare. Und ich fühle mich noch fit genug, nur das Tageslicht lässt absehbar nach. In der Schweiz finde ich keine geeignete (und bezahlbare) Unterkunft, daher wird es ein Hotel im französischen Jura. Nebenbei spare ich mir damit noch 44 Euro für die Schweizer Maut-Vignette. So geht‘s nach dem abendlichen Einkauf unter größter Vorsicht durch Genf, denn für die Umgehungsstraße braucht man eine Vignette. Herzlichen Glückwunsch an die Stadtplaner. Kaum raus aus der Schweiz wird wieder normal gefahren, und hinter Gex geht‘s sehr kurvig den Berg hoch. Da war doch ein Passknacker? Vraiment, Col de la Faucille! Und ich habe freie Fahrt wegen einer Baustellenampel!

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Der Belag ist auch einwandfrei. Ein letzter Blick auf die Alpen, und dann nach einigem Bundesstraßengenuss rolle ich um 19 Uhr beim Hotel auf den Parkplatz.

550 km 10:55h laut Routenplaner heute, real 9-19 Uhr mit ein paar Stehpausen, 2x tanken und 1x Einkaufen.
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fransjup
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#25 Beitrag von fransjup »

Moin blawas
Sehr schöne Gegend :]
Würde da auch mal gerne hin , scheitert bei mir aber an Orga , Sprache und Durchhaltevermögen .
Mal sehen wen ich Übereden kann mich mitzunehmen . :pfeif:
Dir noch eine gute Weiterfahrt :thx:
Gruß aus NRW-fransjup

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blahwas
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#26 Beitrag von blahwas »

Gestern gab's noch eine halbe Stunde Spaziergang, nach der Mammutetappe tat das gut. Der Ort Morez ist ein bisschen runtergekommen, eine Baustelle im Innenstadtbereich mit notdürftig zugeschütteten Leitungsarbeiten verwandelt die Innenstadt teilweise in Schotterpiste mit Staubwüstenflair. Aber Kunst im öffentlichen Raum gibt's, und das ist nett.

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27.09. Heimreise durchs französische Jura

Heute Früh gibt's Frühstück ab 8, ich bin um 7:45 da und schaufele rein. Der Kakao schmeckt nicht, ich trinke nicht aus - Lektion gelernt von der letzten Frankreichreise. Nach dem Frühstück wische ich die nasse Sitzbank mit einer Serviette ab und gehe aufs Zimmer, ein letztes Mal packen. Frisch gepackt und ausgecheckt am Motorrad ist sie schon wieder nass. Nanu? Tja, es hat 5 Grad. Während des Packens darf also die Sitzheizung arbeiten, bevor ich mich da mit meiner nicht wasserdichten Hose draufsetze, schließlich gibt's heute viel Autobahn und über 25 Grad.

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Ich will eigentlich nur auf schnellstem Weg nach Hause, aber ein Passknackerpunkt liegt noch im Jura auf dem Weg, den nehme ich eben mit. Da ich sonst wenig Fotos heute habe, müsst ihr jetzt eben das Passknacker-Nachweisfoto anschauen.

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Das ist dann aber auch das letzte auf dieser Reise. Insgesamt waren es 175 Passknackerpunkte mit Foto auf dieser Reise, da bleibt man mobil in der Hüfte. Da Mautstrecken nur 22 Minuten Fahrzeit laut Google sparen würden verzichte ich, und bekomme im Tausch einige Nebenstrecken durchs französische Hinterland, die abschnittsweise sogar verkehrsarm und kurvig sind, und damit durchaus spaßig. Und ich finde auch eine Stelle zum schattigen Rasten und Ablegen der wärmenden Schichten.

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Danach kommt mautfreie Autobahn in Deutschland und Frankreich, und wieder mal ist es in Frankreich angenehmer zu fahren. Die A5 nach Norden ist ziemlich voll, und da auch sonntags kein Autofahrer mit einem Funken Selbstwertgefühl die rechte Spur nutzt, auch in Baustellen natürlich, gibt's bald Stau ohne erkennbare Ursache. Ab der dritten Spur läuft's. Auf der A6 nimmt der Verkehr ab, jenseits der A81 ist es ziemlich leer, und ich rolle so dahin. Es gibt einen kleinen Burger als Mittagssnack und Vorwand zum Rasten in einem klimatisierten Raum, und noch einen Tankstopp im Dorf Kirchberg an der Jagst, das auch nett anzusehen ist.

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Dann rolle ich noch eine Stunde mit Tempomat 115 und Podcasts einfach nach Hause. Wetter und andere Umstände würden zwar auch noch eine kurvige Tour erlauben, aber ich fühle mich gerade nicht danach. Ich muss mich noch resozialisieren, ich bin wahrscheinlich nicht aufmerksam genug, und lang genug ist der Tag auch schon. Nach 675 km rolle ich um 17:30 sehr zufrieden in meine Garage, ohne nochmal vollzutanken. Ich will demnächst mit gefülltem Kanister starten und rausfinden, wie weit man auf Reserve wirklich kommt.

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Reise zu Ende, morgen wieder arbeiten, danke fürs Mitkommen, Fazit folgt später! :)

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Umsteiger
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#27 Beitrag von Umsteiger »

Danke Dir, Johannes, für´s mitnehmen. War wie immer wieder sehr schön und kurzweilig mit Dir unterwegs zu sein.

Grüße

Umsteiger

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Jada
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#28 Beitrag von Jada »

Hey Johannes. Auch von mir lieben dank fürs mitnehmen. Ich finde es immmer wieder faszinierend wie toll du deine berichte schreibst. Hatte ich ja auch versucht wo wir letztes Jahr in Schottland waren.
Lg die Berliner
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#29 Beitrag von tomtailor »

Klasse Reise, danke fürs mitnehmen....habe mir wieder viele Infos notiert, falls ich mal in der Gegend bin! :sabber:

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Ackerschnacker
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#30 Beitrag von Ackerschnacker »

:moin: Johannes,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für die tollen Reiseberichte, die man immer wieder gerne liest. :D

Du solltest über einem Zweitberuf als Reiseredakteur nachdenken ;)

Gruß Ralf
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#31 Beitrag von Pascal74 »

Cooler Bericht, vielen Dank fürs mitnehmen!
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#32 Beitrag von wortex »

danke fürs Mitnehmen, war eine schöne Abendlektüre.

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blahwas
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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#33 Beitrag von blahwas »

Fazit - Reiseansatz:
Erste Woche in Gruppe, zweite Woche solo – das hat sehr gut geklappt. Zwei Wochen solo zu reisen ist etwas einsam, für die zweite Woche wollte niemand mit, und ich bin auch ziemlich anspruchsvoll, was Mitfahrer angeht.

Ich habe 8 Stunden unterwegs täglich geplant, weil ich das so gewohnt bin. Wegen der Nachmittagshitze bin ich früh aufgestanden, was für mich gut funktioniert hat. Ein Bäcker findet sich ja immer, um unterwegs Frühstück einzukaufen. Zum Glück brauche ich morgens keinen Kaffee.

Ich mochte es dieses Mal auch, jeden Tag eine neue Unterkunft zu haben. Beim Packen stellt sich Routine ein, und immer wieder zwei Nächte in Folge dieselbe Unterkunft wäre natürlich praktischer, aber dann müsste man morgens überlegen, was man einpackt, statt einfach alles mitzunehmen. Andererseits war der Check-In wieder mal bei jeder zweiten Unterkunft eher blöd: mal noch noch nicht geöffnet, mal bei Nachbarn durchfragen müssen. Aber ein bisschen reizvoll ist es auch, sich abends immer auf etwas Neues einzustellen. Die Routeplanung streng entlang noch nie von mir besuchter Passknackerpunkte ließ aber eh keine Doppelübernachtung zu, ohne stundenlange Umwege.

Regionen im Review:
Vorabendanreise war cool, 2h Autobahn nach Feierabend statt am eigentlichen Anreisetag. Anreise über Timmelsjoch war nicht so cool, aber einen Tod muss man sterben. Eigene Reifen mitzuschleppen hat gut funktioniert und einige Euros, Platz im Keller und wertvolle Reisezeit gespart gegenüber dem Versuch, irgendwo in Frankreich unterwegs frische Reifen zu bekommen. Ich konnte meine geplanten Touren einfach abspulen, das war toll. Dazu hat auch beigetragen, dass ich unverschämtes Glück mit dem Wetter hatte. Die Dolomiten sind unverschämt schön, aber natürlich ist da auch etwas mehr Betrieb. Das Gruppenverbot wurde nicht kontrolliert. Im Trentino (Lavarone usw.) ist es auch sehr schön, aber nicht ganz so hochalpin, und dafür ist nahezu Null Vekehr. Da bin ich noch lieber unterwegs. In Ligurien sind die Landstraßen nach wie vor in einem erbärmlichen Zustand. In Frankreich ist die Route des Grande Alpes vermutlich das schönste, was man in Europa fahren kann, und der Verkehr verläuft sich. Allerdings hatte ich da auch so ein modernes Privatradar-Auto vor mir, dessen Fahrer mich auch aktiv zu Überholen vor dem Ortsausgang anstacheln wollte. So macht man Umsatz statt Prävention. In der Provence, am Rande des Vercors, in der Ardèche und in der Auvergne ist dagegen so wenig los, dass man kaum andere Motorradfahrer sieht. In den Savoyer Voralpen kann man gut Landschaft gucken, aber zum Motorradfahren ist das eher nervig wegen des vielen Ski-Tourismus und der Nähe zur Großstadt Genf mit 1,3 Mio Einwohnern in der zugehörigen Metropolregion. Auf dem Rückweg die Schweiz über den Jura zu Umfahren hat dieses Mal gut geklappt, dank bestem Wetter und ein paar erneuerten Landstraßen. Google Maps hat das auch sehr gut gemacht mit den Optionen mit und ohne Maut: Bei 20 Minuten Unterschied verzichte auf 44 Euro für die Schweizer Vignette bzw. auf den Aufpreis und die Schlangen an den Mautstationen in Frankreich. Meinen Maut-Transponder habe ich direkt daheim gelassen.

Zum Material:
Das war die erste Mehrtagestour mit meiner neuen MT-09 SP (RN69). Die Sitzbank habe ich sehr kurz vor der Reise aufgepolstert, weil sich die Fußrastentieferlegung nicht bewährt hat. Leider bin ich nicht gut im straffen Bespannen der Sitzbank, also saß ich 16 Tage und 6500 km am Stück auf Falten am Übergang von Oberschenkel zu Gesäß. Das war nicht nur auf der Tour unangenehm, auch in der Woche danach spüre ich das noch. Am Tag nach der Rückkehr musste ich ein Leihfahrrad nach fünf Minuten schmerzbedingt stehen lassen, und danach mein geschwundenes Fleisch einige Tage immer wieder mit Creme bearbeiten. Das hatte ich in 20 Jahren Motorradfahren noch nie, und das ist auch nicht so toll wenn man einen Job hat, bei dem man im Sitzen arbeitet. Dazu gab’s noch eine Schürfwunde am rechten Knie, vom Auf- und Absteigen über den Gepäckberg ohne lange Unterhose an den heißen Tagen. Da reibt man sich die Haut von innen an der Motorradkleidung auf. Das kann übrigens auch bei einem Sturz unangenehm sein, ist da aber normalerweise nicht lebensbedrohlich.

Hätte die Tour mit einer Tracer 9 weniger Spaß gemacht? Vielleicht – genauso handlich sein kann sie nicht mit 25 kg Mehrgewicht, längerem Radstand und hohem Vorbau. Nervige Windgeräusche gibt’s auch gleich dazu und zwei separate Tacho-Displays, wo man lieber nicht hinschauen möchte. Aber sie hätte einen größeren Tank, und am Fahrwerk der GT könnte ich die Dämpfung vorne und hinten elektronisch umschalten von hart zu weich. Klingt in Summe nicht wie etwas, das mir Tausende Euro Aufpreis wert ist. Der Tempomat hat sich wieder so enorm bewährt, dass mein letztes Motorrad ohne Tempomat jetzt ehrlicherweise wohl bald gehen muss. Das macht für mich einfach keinen Sinn mehr, ich habe Schulterprobleme. Der Blipper ist zwar nett, erhöht das Standgas aber so, dass man dafür vor der Kurve mehr bremsen muss. Man spart also links Handkraft, die man dafür rechts investieren muss. Immerhin ist weniger Koordination nötig, dafür mehr Bremsbeläge. Apropos Bremse, da ist vorne Luft nach oben bzw. drin, die spricht schlechter an als die von der alten MT-09. Schönen Gruß an den Yamaha-Händler, der den letzten Service gemacht hat (übrigens 531 Euro für Wechsel von Öl und Bremsflüssigkeit).

Noch ein paar schöne Fotos von der Tour:
Zillertal
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Dolomiten
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Passo Maniva
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Auvergne
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Noch mein Passknacker Lebenswerk vorher/nachher
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Und mehr fällt mir dazu jetzt nicht mehr ein - gerne wieder, alles davon! :)

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Re: Reisebericht Höhentreffen in Südtirol und Frankreich

#34 Beitrag von steffmika »

Sehr cool, diesen Reisebericht genieße ich heute Abend auf m Sofa am Laptop mit nem kühlen Bier.
Da kommt echt Fernweh auf, fantastische Bilder. DAnke dafür, top.
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